Nach EU-Urteil

20. September 2011 11:29; Akt: 20.09.2011 11:42 Print

Kriegen wir jetzt den «Gentech»-Honig?

von Urs P. Gasche, infosperber.ch - Honig mit genveränderten Rückständen wird in der EU faktisch verboten. Die Schweiz droht zum bevorzugten Absatzland zu werden.

storybild

Ein bayerischer Bienenzüchter hat sich vor dem EU-Gerichtshof durchgesetzt. (Bild: Keystone/AP/Heribert Proepper)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unlängst hat der oberste Gerichtshof der Europäischen Union (EU) ein folgenschweres Urteil gefällt. Vordergründig ging es zwar nur um Honig und um Blütenpollen als Nahrungsergänzung: Sie dürfen künftig nur noch mit einer speziellen Bewilligung und entsprechender Deklaration in den Verkauf kommen, sofern der Honig oder die Blütenpollen auch nur Spuren von gentechnisch veränderten Pollen enthalten.

Doch Bienen suchen ihre Nektarquellen in einem Umkreis von mehr als vier Kilometern. Entsprechend gross muss künftig der Abstand von Feldern sein, auf denen genveränderte Pflanzen wachsen. «Das ist das Ende der gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU», freut sich der deutsche ökologische Imkerverband Mellifera, der die Klage vor dem Europäischen Gerichtshof im Namen eines bayrischen Bienenzüchters geführt hat.

«Weitreichende Folgen»

Dieser hatte im Jahr 2005 in seinem Honig DNA des genveränderten Futtermais Mon 810 nachgewiesen. Die deutsche Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner (CSU) hält die Folgen dieses Urteils immerhin für «weitreichend». Die Nulltoleranz gilt demnach ohne Ausnahme, also auch wenn die Verunreinigung unbeabsichtigt geschah. Das Urteil des EU-Gerichts erleichtert es Honigproduzenten, für Honig mit Spuren von gentechnisch veränderten Pollen zivilrechtlich Schadenersatz zu erstreiten.

Der meiste Honig mit genveränderten Rückständen stammt allerdings nicht aus Europa, sondern aus Süd- und Nordamerika, wo gentechnisch veränderte Pflanzen verbreiteter sind. Deutsche Imkerverbände glauben, dass etliche Honigsorten aus den Regalen der Supermärkte verschwinden oder mit einer besonderen Deklaration versehen werden müssten. Solche Deklarationen würden viele Konsumenten vom Kauf abhalten, befürchtet der Detailhandel – selbst wenn es keine Indizien für eine Gesundheitsgefährdung gibt.

BAG verfolgt Entwicklungen

In der Schweiz darf Honig ohne spezielle Deklaration verkauft werden, sofern er nicht mehr als 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Pollen enthält. Sobald die EU-Kommission das Urteil des Europäischen Gerichtshofs umsetzt und eine Null-Toleranz vorschreibt, könnten Importeure die leicht kontaminierten Honige vorzugsweise in die Schweiz und andere Nicht-EU-Länder kanalisieren. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) scheint sich dieses Risikos bewusst zu sein: «Wir werden die Entwicklungen verfolgen und gegebenenfalls die geltenden Regelungen überprüfen», erklärt Nora Meyer von der Abteilung Verbraucherschutz.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anke am 20.09.2011 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Lügen

    Also in DE ist es ja so, wenn es NICHT gentechnisch verändert ist, DANN ist ein vermerk drauf, wenn es aber gentechnisch verändert ist, dann ist KEIN vermerk drauf.. naja jetzt könnt ihr selber überlegen, wann ihr den Vermerk mal gelesen hab.. So gut wie fast alles ist in DE bereits gentechnisch verändert.

  • the bert am 20.09.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    Wo ist das Problem? Pflanzen mutieren jeden tag und alle haben einen eigenen gencode. Jetzt hats halt ein paar, die nicht durch natürliche selektion mutiert sind, sondern absichtlich... und ein paar der kleinen dna basen sind dann im honig.. das ist absolut harmlos. wirklich. Chemikalien sind nicht harmlos, dna ist harmlos

    einklappen einklappen
  • marcel thalmann am 21.09.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll der Aufschrei ?

    Ein erneuter Versuch von den Problemen abzulenken ? An Alle; Bedenkt bitte, dass all unsere Nahrungsmittel mit Pestiziden, Hebiziden, hormonähnlichen Substanzen etc verseucht sind. Dank der Chemo- und Bauernindustrie werden wir alle an einer von diesen Substanzen ausgehenden Krankheit ableben. - Peace

Die neusten Leser-Kommentare

  • Venty am 21.09.2011 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Honig in der EU kaufen?

    In Zukunft den Honig also in der EU kaufen?

  • marcel thalmann am 21.09.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll der Aufschrei ?

    Ein erneuter Versuch von den Problemen abzulenken ? An Alle; Bedenkt bitte, dass all unsere Nahrungsmittel mit Pestiziden, Hebiziden, hormonähnlichen Substanzen etc verseucht sind. Dank der Chemo- und Bauernindustrie werden wir alle an einer von diesen Substanzen ausgehenden Krankheit ableben. - Peace

  • Kl.-D. Jany am 21.09.2011 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Honig ohne "Gene" Ende für deutsche Imker

    Das Urteil schließt Pollen aus gentechnisch-veränderten Pflanzen nicht grundsätzlich aus. Honig mit Pollen aus gv-Pflanzen, die als Lebensmittel in EU zugelassen sind, darf sogar solche Pollen bis 90% ohne Kennzeichnung enthalten. Aber der EuGH unterschiedet bei der Zuordnung von Pollen als Zutat nicht zwischen Pollen aus konventionellen und gv-Pflanzen. Daher müssen demnächst die deutschen Imker eine Pollenanalyse durchführen lassen und ein Zutatenverzeichnis mit den unterschiedlichen Pollen, möglicherweise mit Hinweis auf die Allergenität, erstellen. Die ist das fianzielle Aus für.

  • Urs Furz am 20.09.2011 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Der Beste

    Also eben, nur noch SCHWEIZER HONIG, wusst ich's doch!

  • Pascal Schläpfer am 20.09.2011 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kupfer als Pestizid ist viel schlimmer!

    Man muss sich bewusst sein: In den USA essen viele Leute Honig. In den USA wird seit 30 Jahren Gentech angebaut. In den USA gibt es immer noch sehr viele Bienen, es gibt keine Unterschiede von Anzahl oder Arten von Allergien. Es gibt sehr viele Staatliche Studien die keine Effekte von Gentech gefunden haben und das beste: Es gibt immer wie mehr Amerikaner... Wenn irgendein Effekt da ist. Dann sollte der Effekt in Amerika doch eintreffen oder wenigstens spürbar sein. Nach über 30 Jahren. Klar sicher sein kann man sich nie, ob da nichts kommt. Aber darum auf Fortschritt verzichten?

    • Anke am 21.09.2011 10:06 Report Diesen Beitrag melden

      selber denken nicht nur glauben

      genau staatliche Studien, das umweltdepartement der USA sowie der Konzern monsanto gehen hand in hand. viele menschen die breits bei monsanto gearbeitet haben, arbeiteten auch schon beim departement für umwelt. die wechseln da ihre jobs hin und her. Google mal ein bissel und schau dir mal dokus an, die von südamerika handeln, maisanbau und wie hoch die krebsrate bei den menschen ist, die das zeug anbauen...

    einklappen einklappen