Gelder fliessen ab

26. März 2014 13:14; Akt: 26.03.2014 15:32 Print

Krim-Krise schreckt Schweizer Investoren ab

von Arno Meili - Glaubten viele Schweizer Firmen noch bis vor Kurzem an den Zukunftsmarkt Russland, ist nun Ernüchterung eingekehrt. Aus Angst haben Investoren schon 70 Milliarden Dollar abgezogen.

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Vladimir Putin erklärt die Krim zu einem Teil Russlands. (Bild: Keystone/AP/Sergei Chirikov)

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Die russische Regierung rechnet aufgrund der Krim-Krise mit massiven Kapitalabflüssen. Vizewirtschaftsminister Andrej Klepach erwartet laut der «Financial Times», dass im ersten Quartal bereits bis zu 70 Milliarden US-Dollar aus Russland abgezogen wurden. Das würde bedeuten, dass innerhalb von drei Monaten mehr Geld das Land verlassen hätte als im gesamten letzten Jahr.

«Am stärksten verunsichert Investoren derzeit die Möglichkeit von verschärften wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland», sagt Chris Weafer von der Moskauer Beratungsfirma Macro Advisory. Die bisherigen Sanktionen seien eher harmlos gewesen, das nächste Sanktionspaket dürfte aber Wirtschaft und Handel treffen.

Davon betroffen wären auch Schweizer Investoren. Gemäss Rosstat flossen 2012 schweizerische Investitionen in Höhe von 46,8 Milliarden Dollar nach Russland. Die Schweiz ist damit laut der Schweizerischen Nationalbank der zwölftwichtigste ausländische Investor in Russland.

Weitere Sanktionen würden auch Firmen treffen

«Es ist sehr wahrscheinlich, dass weitere Sanktionen einen negativen Einfluss auf das Engagement von Schweizer Firmen in Russland haben werden», sagt Michael Derrer, der mit seiner Firma Ascent Swiss Business Management Firmen bei der Expansion nach Russland berät. Ausserdem würden Firmen, die eine geschäftliche Tätigkeit in Russland ins Auge gefasst haben, nun erst einmal abwarten. Für sein Seminar über Exporte nach Russland im April beträgt die Anzahl Anmeldungen nur ein Drittel der Teilnehmerzahl der vergangenen Jahre.

Derzeit sind bei der Schweizer Botschaft in Moskau rund 200 in Russland tätige Schweizer Unternehmen gemeldet. Russische Quellen sprechen von zirka 600 Firmen mit schweizerischer Kapitalbeteiligung. Grösste Investoren sind Nestlé SA, ABB, Holcim und Firmen des Finanzdienstleistungssektors. Die Schweizerische Nationalbank beziffert den Bestand der schweizerischen Direktinvestitionen in Russland per Ende 2012 auf 12,548 Milliarden Franken, was in Russland zu 73'000 Jobs geführt hat.

Deutsche Firmen haben bereits reagiert

Laut Marc Buser, Russland-Kenner bei Switzerland Global Enterprise, gehört das Anlocken von ausländischen Firmen zu den zentralen strategischen Anliegen der russischen Regierung. «Russland ist enorm abhängig von seinen Importen, weshalb man in Zukunft vermehrt lokal produzieren will.» Die Ereignisse der letzten Wochen hätten aber ein Klima der Unsicherheit kreiert und die Attraktivität des russischen Markts für Schweizer Unternehmen geschmälert.

Auf die Krim-Krise bereits reagiert haben deutsche Firmen. Nach Angaben der Wirtschaftsberatung KPMG ziehen derzeit viele deutsche Unternehmen ihr Geld aus Russland ab. Wie Spiegel Online schreibt, haben deutsche Firmen in der Vergangenheit rund 20 Milliarden Euro in Russland investiert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom am 26.03.2014 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Investieren

    ist das falsche Wort. Es müsste heissen "billiger produziereb". Gut, lernen wir wieder zuhause zu produzieren, denn da brauchts auch Arbeitsplätze und keine abzockende Flop... Ähh Topmanager

  • Börsianer am 26.03.2014 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Panikmacher

    Möchte gern wissen, wer verbreitet diese unbegründete Panik? Der Westen ist auch von Russland abhängig und braucht der Markt und Rohstoffe. Wollt ihr noch mehr Arbeitslose?

  • weco am 26.03.2014 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    genau jetzt

    und genau jetzt muss man investieren wenn sich alle zurückziehen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman am 26.03.2014 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Panikmache für den Westen

    Immer wenn es im Interesse des Westens ist wird in der Schweiz Panik gemacht; siehe Erasmus. Das war nichts als heisse Luft ich kenne keinen Student der nicht ins Ausland kann. Ausserdem war die Schweiz eines der ersten Länder welche das Kosovo anerkannten und sofort eine Botschaft dort unten eröffneten. Da gab es keine Angst sondern Jubeltänze im BR und somit auch im Westen. Westen ->unser BR!

  • weco am 26.03.2014 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    genau jetzt

    und genau jetzt muss man investieren wenn sich alle zurückziehen

  • Börsianer am 26.03.2014 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Panikmacher

    Möchte gern wissen, wer verbreitet diese unbegründete Panik? Der Westen ist auch von Russland abhängig und braucht der Markt und Rohstoffe. Wollt ihr noch mehr Arbeitslose?

  • Tom am 26.03.2014 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Investieren

    ist das falsche Wort. Es müsste heissen "billiger produziereb". Gut, lernen wir wieder zuhause zu produzieren, denn da brauchts auch Arbeitsplätze und keine abzockende Flop... Ähh Topmanager

  • Reseph am 26.03.2014 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Sicherheit investieren erhält den Wohlstand

    Wo wird also investiert? Dort wo Sicherheit herrscht. Wir Schweizer sind daran, alles was die Sicherheit und somit die Freiheit und den Wohlstand in unserem Land garantiert zu schwächen oder abzuschaffen. Grenzwacht, Polizei und Armee. Die SP hat das sogar in ihrem Parteiprogramm. Ohne Sicherheit, keine Investitionen und kein Wohlstand.