Weltwirtschaftsforum

19. November 2014 10:20; Akt: 19.11.2014 12:15 Print

Kritiker überlassen Davos den Konzernen

von S. Spaeth - Die Erklärung von Bern und Greenpeace ziehen sich vom WEF zurück. Zum Abschied verleihen sie einen Preis für die skrupelloseste Firma aller Zeiten.

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Kumi Naidoo, Chef von Greenpeace International, spricht anlässlich der Schmähpreisverleihung im Jahr 2012. (Bild: Keystone/Jean-christophe Bott)

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Für die Konzerne und Regierungschefs ist es eine gute Nachricht: Die Globalisierungskritiker der Erklärung von Bern (EvB) und Greenpeace ziehen einen Schlussstrich unter ihre Aktivitäten anlässlich des Weltwirtschaftsforums WEF in Davos, das jeweils Ende Januar stattfindet. Nach 15 Jahre wird das Public Eye – eine Art Anti-WEF – eingestellt, wie die Organisatoren in einer Medienmitteilung vom Mittwochmorgen schreiben. Mit der Wahl der skrupellosesten Firma des Jahres machten die Kritiker jeweils auf Menschenrechtsverletzungen und Umweltvergehen durch Unternehmen aufmerksam.

Als Grund für den Abschied aus Davos geben die Kritiker an, die Privatveranstaltung WEF habe stark an Strahlkraft verloren und sei der falsche Ort für politische Forderungen. Zudem würden sich diese – im Unterschied zum WEF – an demokratisch legitimierte Entscheidungsträger richten.

Zuger Rohstoffriese Glencore steht zur Wahl

Haben die Globalisierungskritiker Schiffbruch erlitten? «Nein, wir geben den Kampf gegen menschen- und umweltverachtende Unternehmen nicht auf, sondern heben ihn auf die politische Ebene», sagt EvB-Sprecher Oliver Classen auf Anfrage von 20 Minuten. Den Vorwurf, die Gegenveranstaltung zu WEF hätte sich zu Tode gelaufen, lässt die EvB nicht gelten. Das Public Eye verabschiedet sich laut Classen auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Über die Hälfte der über die Jahre eingegangenen Votes für den Schmähpreis sei allein 2013 erfolgt.

Anders als während den letzten Jahren rufen die Globalisierungskritiker diesmal nicht zur Wahl des skrupellosesten Unternehmens des Jahres auf. Wegen des bevorstehenden Abschiedes geht es um einen« Lifetime Award», den Schmähpreis fürs verantwortungslosteste Unternehmen aller Zeiten. Zur Wahl im Online-Voting stehen die Energiekonzerne Gazprom und Chevron, die Chemiefirma Dow Chemical, der US-Detailhändler Walmart, die Grossbank Goldman Sachs und der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore.

Nominiert wurden die Firmen von einer Fachjury. Die Konzerne seien allesamt berühmt-berüchtigt für ihre umstrittenen Geschäftspraktiken, heisst es in der Medienmitteilung der EvB. Den Schmähpreis wollen die Globalisierungskritiker Ende Januar in Davos übergeben. Sofern sich diese an die Veranstaltung traue, so die Organisatoren.

«Konzerne verstehen nur Gesetze»

Als Hauptgrund für den Abschied von EvB und Greenpeace aus Davos nennen die beiden Organisationen «die Ankunft einer breiteren konzernkritischen NGO-Koalition in Bundesbern». Mit der Prüfung einer Volksinitiative, die rechtlich verbindliche Regeln für die weltweite Respektierung von Menschenrechten und Umwelt durch Schweizer Unternehmen erreichen wolle, sei die politische Kernforderung des Public Eye auf gutem Weg. «Unsere Botschaften wurden sehr wohl gehört und waren grosse Reputationsrisiken für die Konzerne. Wirklich zu verstehen und respektieren scheinen die Firmen aber nur Gesetze», begründet Classen den politischeren Fokus.

Auf die Frage, was die Public-Eye-Awards konkret bewirkt hätten, sagt Classen: «Die Mutter aller Schmähpreise hat mit Naming and Shaming dazu beigetragen, dass das Thema Unternehmensverantwortung auf den politischen Agenden steht – auch in der Schweiz. Konkret hat laut Classen die kurz zuvor mit dem Public-Eye-Award ausgezeichnete Barclays-Bank im Februar 2013 ihre spekulativen Nahrungsmittelgeschäfte eingestellt. Und die 2013 nominierte Schweizer Repower kappte gleichen Jahrs noch ihre Pläne für ein italienisches Kohlekraftwerk.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Florian am 19.11.2014 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Klar

    Ganz klar Goldman-Sachs, was die schon alles verbrochen haben ist unglaublich!! Die haben ganz Europa in die Krise getrieben...und natürlich noch kräftig daran verdient!!

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  • Marco am 19.11.2014 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Oberguruabhängig....

    Habe nie gehört, dass Greenpace Int. und andere Spendeorganisationen viel auf Arbeitsbeschaffung und Arbeitsplätze auf ihre Fahne geschrieben haben! Sozialabgaben am Staat, Steuern sind ihnen ein Fremdwort. Nur die allerwenigsten wissen, dass der Greenpace-Oberguru in Hamburg wohnt und sich persönlich ein Milliardenschweres Vermögen mit Spendegelder angehäuft hat. Besitzt mehrere Ferraris und lässt sich auch sonst gut gehen. Wie blind macht eigentlich Abhängikeit?

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  • Game am 19.11.2014 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Tropfen auf den heissen Stein

    Das interessiert die nicht, solange sie in ihren Villen hocken, in ihren Luxuskarossen rumheitzen und Champagner schlürfen köennen, lachen sich solche Damen und Herren ins Fäustchen! Nur weil wir wissen was sie tun können wir sie nicht stoppen und das wissen sie, denen sind wir und die Welt egal! Sie sind nicht mehr als Heuschrecken die von Land zu Land ziehen um sich satt zu fressen und wenn nichts mehr zu holen ist weiter ziehen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dominik Scheibler am 20.11.2014 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Volksinitiative Ahoi!

    Ich freue mich sehr auf eine Volksinitiative, die rechtlich verbindliche Regeln für die weltweite Respektierung von Menschenrechten und Umwelt durch Schweizer Unternehmen fordert! Public Eye und andere Proteste wareb gute Wegbereiter.

  • Jammer am 19.11.2014 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Diebe und Mörder bei Nestle

    Wieso ist NESTLE nicht auf der Liste. Die kaufen in denn ärmsten Länder die Wasservorräte auf und überlassen nicht mal eine kleine Leitung/Brunnen denn ärmsten denne Sie es stehlen.

    • Meier Hans am 19.11.2014 19:50 Report Diesen Beitrag melden

      Die USA an erster Stelle.

      Das frage ich mich auch.

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  • Hamlet am 19.11.2014 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Dialog

    Ja mit Dialogen lassen sich keine Spendengelder generieren. skrupelloseste Firma, Greenpeace selbst!

  • Alfred Weilenmann am 19.11.2014 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Appel fehlt

    Auf der Liste der unethischen Firmen fehlt APPEL In China werden Studenten gezwungen in Fabriken für Appel ein sogenanntes Praktikum unter sehr schlechten Bedingungen zu absolvieren. Es haben schon einige Selbstmord begangen.

    • Hamlet am 19.11.2014 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      Foxconn

      Nur werden diese Firma gar nicht von AppLe betrieben.

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  • Realist am 19.11.2014 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Verlust

    Endlich haben sie es kapiert. Ihre kindischen Proteste haben nichts bewirkt, ausser Kosten für die Allgemeinheit und Verschwendung ihrer Spendengelder. Die Reichen und Mächtigen liessen sich Champagner und Kaviar trotzdem schmecken. Vielleicht haben sie sich dank den Protesten sogar noch etwas wichtiger gefühlt!

    • Supermario am 19.11.2014 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      Kurzes Gedächtnis

      "Die Reichen"??? Immerhin kann sich heute jedermann einige Male im Jahr einen echten Champagner leisten. Zu meiner Jugendzeit war dies den echten oberen Zehntausend vorbehalten.

    • Franz am 20.11.2014 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Studium

      Realist, wurdest Du nicht eingeladen? Wenn nicht, dann fehlt Dir irgend etwas! (vielleicht zu wenig wichtig).

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