Nichts für Vegetarier

03. Juni 2011 12:06; Akt: 03.06.2011 12:53 Print

Krokodile schlachten als Geschäftsmodell

von Karel Janicek, ap - Wirbel um die geplante Tötung von Krokodilen in Tschechien: Ein Farmbesitzer will mit dem Verkauf von Fleisch und Haut des exotischen Tieres Geld verdienen.

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Eigentlich sollte die Krokodilfarm im tschechischen Velky Karlov in einen Park mit vielen verschiedenen Tieren umgewandelt werden, zugänglich für die Öffentlichkeit. Zwei Restaurants waren geplant und ein Teich für Angler. Doch die Finanzierung platzte, und nun hat der Besitzer der Farm einen anderen Plan: Er will 100 der 215 dort lebenden Nilkrokodile schlachten und mit dem Verkauf ihres Fleischs und der Haut Geld verdienen.

Die Tötung geschützter Tiere ist in Tschechien wie im Rest der Europäischen Union verboten, doch bereitet das Landwirtschaftsministerium in Prag eine Gesetzesänderung vor. Dies stösst unter Tierschützern und sogar unter einigen Besitzern von Krokodilfarmen auf Empörung. «Wir lehnen das Gesetz strikt ab», sagt Eva Hodek, Direktorin der Stiftung für Tierschutz in Prag. Es gebe keinen Grund, in Tschechien als einzigem Land in Europa das Schlachten von Krokodilen zu erlauben.

Tötung von Anfang an geplant

Metzger dort hätten keine Erfahrung mit der Tötung dieser Tiere, sodass diese leiden würden, sagt Hodek. Darüber hinaus vermuteten Aktivisten, dass die gegenwärtigen Besitzer der 2004 eröffneten Farm, die diese seit Februar betreiben, die Tötung der Krokodile von Anfang an geplant hätten. «Das muss der wahre Geschäftsplan gewesen sein.»

Die Sprecherin des tschechischen Landwirtschaftsministeriums, Magdalena Dvorackova, sagt, die Gesetzesänderung sei nötig. Ein ähnlicher Schritt in der Vergangenheit habe Züchtern die Tötung von Exemplaren einer weiteren exotischen Tierart erlaubt, nämlich von Straussen. Nilkrokodile gelten in Tschechien nicht als gefährdete Tierart. Tierschützern zufolge sollten sie dennoch nicht in dieselbe Kategorie wie Schweine, Schafe oder Kühe eingeordnet werden. «Es ist Zeit für die Änderung», sagt Dvorackova in einem Interview. «Die Krokodile sind gross genug, um geschlachtet zu werden.»

«Faszinierende Tiere»

Der gegenwärtige Direktor der Farm sieht der Gesetzesänderung erwartungsvoll entgegen. «Wir warten auf die Entscheidung des Ministeriums, die uns erlauben würde, ihre Zahl zu verringern», sagt Antonin Kyjovsky mit Blick auf die Krokodile. «Wir können es uns einfach nicht mehr leisten, sie alle zu behalten.» Das Fleisch könne er problemlos an Restaurants in Städten wie Prag verkaufen, die Haut an Schuh- und Gürtelhersteller.

Doch selbst unter Krokodilfarmern gibt es Kritiker der Gesetzesänderung. Miroslav Prochazka, Direktor der ältestens tschechischen Krokodilfarm in Chvalsiny und eines Krokodilzoos in Protivin, sagt, er wolle kein einziges seiner 110 Tiere töten. Darunter seien Exemplare von 21 der 23 verschiedenen Krokodilarten. «Das ist Unsinn. Wir haben keine solchen Pläne.»

In Velky Karlov, einem Dorf im Südosten Tschechiens, preist Tierpfleger Lubomir Rozkot die Krokodile, um die er sich seit sechs Jahren kümmert. Sie seien faszinierend, sagt er. «Sie sind Spitzen-Raubtiere, die sich seit 65 Millionen Jahren nicht geändert haben.» Angst habe er nicht vor ihnen. «Du musst nur darauf achten, dass sie sich nicht bedroht fühlen. Wenn sie sich bedroht fühlen, versuchen sie nicht zu fliehen, sondern greifen an.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz W. Seibold am 03.06.2011 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist eine gute Idee

    Warum nicht? Solange in künstlicher Umgebung Tiere nachgezüchtet werden, kann man nicht von Raubbau und rohes Abschlachten reden. Dann sind die Krokodile Nutztieren wie Rind, Kalb, Schwein und Heute auch der Vogel Strauss. Man kann ja trotzdem eine Tierfarm für die Oeffentlichkeit zugänglich betreiben. Allerdings ist von "Streichelzoos" abzuraten.

  • Tinu am 03.06.2011 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Warum der ganze Wirbel um das Ganze? Was geschieht tagtäglich in einem Bauernstall? Ein Kalb wird grossgezogen um geschlachtet zu werden, um daraus Fleisch und Leder zu erhalten. Ein Küken wird grossgezogen um Eier zu legen oder Grillhänchen zu enden. Warum nicht auch mit etwas grösseren, für uns exotische Tieren? Was schon lange in Fernost alltäglich ist kann auch ganz gut in Europa funktionieren

  • Schnappi am 03.06.2011 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegt doch mal bevor Ihr stänkert

    Man kann die Schlacht-Anzahl ja auch begrenzen. Jeder der dagegen ist soll für den Unterhalt eines solchen Viehs aufkommen oder es bei sich zuhause aufnehmen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz W. Seibold am 03.06.2011 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist eine gute Idee

    Warum nicht? Solange in künstlicher Umgebung Tiere nachgezüchtet werden, kann man nicht von Raubbau und rohes Abschlachten reden. Dann sind die Krokodile Nutztieren wie Rind, Kalb, Schwein und Heute auch der Vogel Strauss. Man kann ja trotzdem eine Tierfarm für die Oeffentlichkeit zugänglich betreiben. Allerdings ist von "Streichelzoos" abzuraten.

  • Bruno am 03.06.2011 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Krokofarmen

    Ich war vor Jahren auf einer Krokodilfarm in Namibia. Die Begründung zum Erstellen der Krokodilfarm: "Damit können wir die Wilderei verhindern, da es sich nicht mehr lohnt!" Einleuchtend, oder

  • sacha am 03.06.2011 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kranke Menschheit.

    Klar, wir alle essen Rind und Schweine. Doch leider machen wir immer mehr ein Schritt in die Vergangenheit. Null ethik, null würde gegenüber dem Tier. Mir jedenfalls stinkt das gewaltig, wie auch die Kommentare hier drin.

  • A.Meier am 03.06.2011 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis

    einerseits schade um die Schönen und exotischen Tiere andererseits kann ich den besitzer verstehen. Ich möchte auch nicht jeden tag über 200 krokodile versorgen..

  • Nils Holgerson am 03.06.2011 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Crocosuper!

    Super Sache! Ich habe selbst schon Krokdilfleisch gegessen und muss sagen: wunderbar! Dass sich endlich jemand findet, der diese Delikatesse kommerziell anbietet, ist sehr gut. Das Gejammer der wirren Tier-Hilfswerke stinkt längst zum Himmel!

    • Sugusli am 03.06.2011 14:11 Report Diesen Beitrag melden

      Genau..

      Hab auch nichts dagegen. Solange sie nicht Qualvoll sterben müssen. Und ob die Krokodile da "glücklich" sind, können wir erst recht nicht beurteilen. In der heutigen Zeit wird einfach zu viel "vermenschlicht".

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