«Feed no Food»

26. April 2012 08:08; Akt: 26.04.2012 08:21 Print

Kühe geben auch ohne Kraftfutter viel Bio-Milch

Das Projekt «Feed no Food» zeigt in einer Studie, dass Kühe ohne Kraftfutter keine grossen Leistungseinbussen zeigen und auch keine Gesundheitsschäden erleiden.

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In der Regel reagierten die Kühe auf die Kraftfutterreduktion mit einem moderaten Rückgang der Milchleistung und blieben gesund und fruchtbar. (Bild: Keystone)

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Aus ethischen und ökologischen Gründen beschränken sich Biobauern heute auf maximal 10 Prozent Kraftfutter in der Fütterung von Wiederkäuern. Gemäss einer Studie kann der Kraftfutterverbrauch sogar auf null reduziert werden, ohne dass Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit leiden.

Bisher ging man davon aus, dass die Reduktion von Kraftfutter bei hochgezüchteten Milchkühen zu gesundheitlichen Problemen führen könnte. Befürchtet wurden Milchleistungseinbussen, Euterentzündungen, Klauenprobleme oder Fruchtbarkeitsstörungen.

Im Projekt «Feed no Food» - verfüttere keine Nahrungsmittel - gingen Fachleute des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) diesen Fragen während dreier Jahre nach. Das Projekt umfasste einen experimentellen Teil auf einem Hochleistungsbetrieb sowie einen Praxisteil auf rund 70 Biomilchviehbetrieben. Unterstützt wurde es vom Coop Fonds für Nachhaltigkeit.

In der Regel reagierten die Kühe auf die Kraftfutterreduktion «mit einem moderaten Rückgang der Milchleistung und blieben gesund und fruchtbar», wie das FiBL in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt. Bei der Gruppe mit der grössten Kraftfutterreduktion habe sich die durchschnittliche Jahresmilchleistung um fünf Prozent verringert.

Sparpotenzial und Pioniercharakter

Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen ergaben, dass die «Feed no Food»-Betriebe im Durchschnitt den geringeren Milcherlös mit geringeren Kosten für Kraftfutter kompensieren konnten, wie es weiter heisst.

Berücksichtige man die Ergebnisse der beiden Versuchsgruppen, ergebe sich ein durchschnittliches Einsparungspotenzial von 31 Prozent. Dies entspricht 112 Kilo weniger Kraftfutter pro Kuh und Jahr, wie es weiter heisst. Auf die Schweizer Biomilchviehhaltung mit einem Gesamtverbrauch von 26 000 Tonnen hochgerechnet, lassen sich laut FiBL somit rund 8000 Tonnen Kraftfutter einsparen.

Nicht alle Kühe reagieren gleich

Gemäss Mitteilung hat das Projekt «Feed no Food» Pioniercharakter auch für die herkömmliche Milchproduktion. Denn dort bestehe ein grosses Potenzial, den Kraftfuttereinsatz zu reduzieren, heisst es weiter.

Bezüglich der Kraftfutterreduktion in herkömmlichen Betrieben meldet die eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope jedoch Bedenken an. «Nicht alle Milchkuhtypen reagieren gleich auf eine Kraftfutterreduktion», sagte Fredi Schori, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Experte für Milchkuhernährung, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Das FiBL wurde 1973 gegründet und ist seit 1997 in Frick AG ansässig. Es ist nach eigenen Angaben weltweit eine der führenden Forschungseinrichtungen für biologische Landwirtschaft und beschäftigt über 135 Fachleute.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Die Studie überrascht mich nun wirklich nicht! Während meiner Lehre zur Landwirtin machte ich in Norwegen ein Praktikum auf einem Biodyn. Betrieb. Der erzielte im Sommer (Gras) ohne und im Winter mit bedeutend weniger Kraftfutter wie empfohlen die gleiche Milchmenge wie Vergleichsbetriebe (mit der gleichen Rasse) die " normal" Kraftfutter fütterten. Auch " unsere " Kühe sind fähig genug Milch ohne oder mit sehr wenig Kraftfutter zu geben. – Miria Vonarx

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marianne broennimann am 26.04.2012 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Eh wie schlau, uralt!

    Alles was natürlich geschieht, hilft weiter und ist echt BIO! Alles Unnatürliche macht krank! Das braucht keine Pseudoschlauen-Akademiker-Ausssagen! Ein guter Bauer mit überliefertem, erprobtem Wissen genügt vollkommen!

  • Realist am 26.04.2012 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kraftfutter / Bio Milch

    mit Kraftfutter geben sie gar keine Bio Milch

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  • Marlis Schneebeli am 26.04.2012 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Erfreuliche Resultate

    Die Studie freut mich - eine klassische win/win Situation: der Bauer spart unnötige Kosten bei gleichbleibender Leistung und die Kühe kriegen ihr natürliches Futter und sind keine Nahrungsmittel Konkurrenten. Bleibt zu hoffen, dass die Landwirte die neuen Erkenntnisse annehmen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rafael S. am 26.04.2012 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    so nebenbei

    heute werden 50% aller Lebensmittel "entsorgt". Was ist mit dem Getreide, welches nicht mehr dann im Kraftfutterbereich abgesetzt wird? Dies kann zu Preisstürzen führen; was wiederum beim Produzenten heisst: weniger Geld für die gleiche produzierte Menge. Anderes Szeanrio: wir vernichten die überzählige Menge (noch mehr!), was ja dann all diesen Bio-Fritzen genehmer ist...?!

  • marianne broennimann am 26.04.2012 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Eh wie schlau, uralt!

    Alles was natürlich geschieht, hilft weiter und ist echt BIO! Alles Unnatürliche macht krank! Das braucht keine Pseudoschlauen-Akademiker-Ausssagen! Ein guter Bauer mit überliefertem, erprobtem Wissen genügt vollkommen!

  • Bubi 26.04.12 am 26.04.2012 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Bio Milch

    Früher in Luzern gab es ein Bergrest,die Älteren können sich sicher erinnern,da ist man nach dem Spaziergang eingekehrt,und ich habe dann ein Glas Milch von der Kuh best,das frisch gemolken Hand warm angeboten wurde,das war richtig Lecker.

  • Miria Vonarx am 26.04.2012 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Alte Geschichte

    Die Studie überrascht mich nun wirklich nicht! Während meiner Lehre zur Landwirtin machte ich in Norwegen ein Praktikum auf einem Biodyn. Betrieb. Der erzielte im Sommer (Gras) ohne und im Winter mit bedeutend weniger Kraftfutter wie empfohlen die gleiche Milchmenge wie Vergleichsbetriebe (mit der gleichen Rasse) die " normal" Kraftfutter fütterten. Auch " unsere " Kühe sind fähig genug Milch ohne oder mit sehr wenig Kraftfutter zu geben.

  • Taifunny am 26.04.2012 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Bio-was?

    "Bio" ist eine der grössten Lügen in unserer Konsumgesellschaft.

    • maRio am 26.04.2012 10:57 Report Diesen Beitrag melden

      Lüge?

      Lüge? Sorry, aber Sie haben so etwas von keiner Ahnung. Bio heisst, dass gewisse Bedingungen eingehalten werden müssen. Dies wiederum ermöglicht den Produzenten (z.B. Bauern) höhere Verkaufspreise, die Natur wird geschont (z.B. keine Pestizide, keine Flugfracht (Knospe-Qualität), ja sogar gefördert. Das war nur ein kleiner Auszug. Schade, dass Sie einen solchen Kommentar rauslassen, ohne fundierte Kenntnisse.

    • Thomas Hinz am 26.04.2012 11:30 Report Diesen Beitrag melden

      Was wird denn da gelogen?

      Erstens ist Bio tierfreundlicher, was mir persönlich gefällt. Und zweitens wird bei Bio auf Pestizide und Fungizide verzichtet, sowie auch auf Antibiotika. Und auch qualitativ ist Bio oft besser als konventionell. Das beste Beispiel hierfür ist finde ich Pouletfleisch. Vergleich mal Brasilien-Poulet mit CH-Freiland-Poulet, du wirst den Unterschied merken und verstehen, wovon ich hier spreche...

    • Max Meili am 26.04.2012 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      CH Ware

      Bio = Geldmacherei! Außerdem ist konventionelle CH Qualität einwandfrei und bei weitem beßer als Importware. Hauptsache CH produkte auf bio kann getrost verzichtet werden

    • Nik am 26.04.2012 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas Hinz

      Antibiotika wird im Bio übrigens auch eingesetzt. Es gelten einfach längere Absetzfristen. Aber wenn ich höre was mit anderen Produkten vom Ausland gemacht wird ist für mich die "Heiligkeit" von Bio sehr fraglich. Beispiel: In Rotterdam wird Pfeffer aus einem Schiff entladen. Aus einem Haufen im Schiff werden zwei Haufen gemacht. Einer wird als biologisch, der andere als konventionell verkauft. Anderes Beispiel: Konventionell gehaltene Schweine werden lebendig von Dänemark nach Mazedonien geführt zum schlachten. Anschliessend geht das Fleisch ins Südtirol, wird zubereitet und dort als Biologischer Südtiroler Landrauchschinken verkauft. Solche Fakten weiss der Konsument halt nicht...oder will sie vielleicht nicht wissen.

    • Kevin am 26.04.2012 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bio-Quatsch

      Stimme zu taifunny. @thomas hinz. Glaubst du diesen bio-quatsch ernsthaft? Dr einzige unterschied ist der preis. Als ob bio-äpfel nocht gespritzt sind. Da frage ich mich wie man einen möglichen wurmbefall verhindern kann.

    • Landwirtlehrling am 26.04.2012 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Pflanzenschutz in Bio

      Was viele nicht wissen, bei Bio wird auch Pflanzenschutz und Düngung eingesetzt. (vo nüt chunt nüt) Und sogar die Konventionellen hergestellten Poulet der Schweiz sind oft zigtausendfach besser als Bioprodukte nur schon aus der EU. Von Brasilien spreche ich erst gar nicht. Zum Kraftfutter: Landwirte sind grundsätzlich interessiert, dass die Tiere möglichst viel Raufutter (gras, heu, silage) fressen. Kraftfutter kann als geringe Leistungssteigerung oder Ausgleich eingesetzt werden, ist aber relativ teuer. Im Vergleich zum Ausland sind die meisten CH- Landwirte Biobauern.

    • Besserwisser am 26.04.2012 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      sind Sie sicher?

      Wer sagt denn, dass auf Biobetrieben keine fungicide etc. eingesetzt werden?

    • Landwirtlehrling am 26.04.2012 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag

      Auch Antibiotika wird in Bio eingesetzt, aber mit doppelter Absetztfrist. Ps. Ich finde Bio in Ordnung und bin nicht dagegen, sondern finde es in einen CH Regionen unangebracht. Man muss davon überzeugt sein.

    • Tierarzt am 26.04.2012 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Mit Wurm drin

      Ja und Entwurmt werden sie auch nicht! Wäääh!

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