Reisebüros

27. Juni 2011 19:43; Akt: 27.06.2011 23:30 Print

Künftig schlechtere Karten

von Elisabeth Rizzi - Die Reisebüros schaufeln sich ihr eigenes Grab – sie streichen Lehrstellen. Die Folge: Nimmt die Beratungskompetenz ab, gewinnen Online-Portale weiter an Boden.

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Beratungskompetenz: Nimmt diese ab, gehts auch den Reisebüros schlechter. (keystone)

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Beat Knecht, der Ausbildungsverantwortliche des Schweizerischen Reisebüro-Verbands (SRV), macht sich Sorgen. «Um langfristig die Beratungskompetenz in den Reisebüros zu sichern, müsste die Branche mindestens 200 KV-Lernende pro Jahrgang ausbilden», sagt er. Sonst nehme die Qualität der Beratung ab und damit würden Online-Portale weiter Aufwind erhalten. Viel deutet auf diese Entwicklung hin. Denn die Zahl der Lernenden schrumpft von Jahr zu Jahr. Verzeichnete der Verband 2008 noch 249 Lehrstellenbeginner, waren es 2010 nur mehr 210. Diesen August werden nur knapp 196 Lernende starten.

Besonders beunruhigt Knecht, dass die grossen Ketten 70 Prozent der Lehrstellen anbieten. So stellen etwa Kuoni 48 und Hotelplan 43 Lehrstellen. Dagegen streichen vor allem kleine, unabhängige Retailer Ausbildungsplätze. «Ein wichtiger Grund ist sicher, dass mit der zunehmenden Computerisierung immer mehr typische Lehrlingstätigkeiten wie etwa die Bewirtschaftung von Ferienkatalogen wegfallen», so Knecht. Lehrlinge könnten aber wiederum nicht einfach am Schalter eingesetzt werden.

Der Verband hat deshalb reagiert. Künftig sollen die Lernenden schon von Anfang an stärker in Beratung und Verkauf geschult werden. Dafür sollen theoretische Fächer, die im Zeitalter von Web 2.o überlebt haben, zurückge­fahren werden, etwa das Berechnen von Flug- und Bahntarifen. «Das», so Knecht, «macht der Computer heute definitiv schneller und besser.»