Gullivers Travel

07. März 2011 07:34; Akt: 07.03.2011 13:30 Print

Kuoni geht im Internet shoppen

Der Reisekonzern Kuoni will im Online-Markt expandieren. Er hat einen britischen Reiseanbieter im Visier.

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Kuoni auf Expansionskurs im Internet. (Bild: Keystone)

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Kuoni will die Position als Reiseveranstalter von Weltruf ausbauen. Dazu kauft der Konzern dem hochverschuldeten US-Konkurrenten Travelport für umgerechnet 654 Mio. Franken den Online-Spezialisten Gulliver Travel Associates (GTA) ab.

Über das 1975 in London gegründete Internet-Reisebüro buchen Reisende jährlich etwa 12 Millionen Hotelübernachtungen und nutzen auch die Dienste für Busreisen, Transfers oder Stadtrundfahrten. Kuoni will das Geschäft mit den Internet-Buchungen sowohl Privatpersonen als auch Geschäftskunden anbieten.

«Wir sind definitiv ein weltweiter Player», sagte Kuoni- Konzernchef Peter Rothwell am Montag während einer Telefonkonferenz. Der Konzern erhofft sich dank GTA zudem grössere Chancen im Asien-Geschäft, nachdem er im Dezember die Vollübernahme des chinesischen Reiseveranstalters Et-China abgeblasen hatte.

Mehr Umsatz

Mit einem Gesamt-Transaktionsvolumen von fast 1,9 Mrd. Dollar dürfte GTA die Umsätze des Kuoni-Konzerns, der 2009 3,89 Mrd. Fr. Nettoerlös einfuhr, in Zukunft kräftig anheben. Dank des zu erwartenden Wachstums muss Kuoni laut Konzernchef Rothwell gegenüber den 2400 GTA-Mitarbeiter keine Kündigungen aussprechen.

Synergieeffekte soll es dennoch vor allem im Einkauf und bei der Informationstechnologie geben. Kuoni spricht von 25 Mio. Franken, die bis 2014 durch die Integration von GTA im Jahr eingespart werden könnten.

GTA dürfte zudem nicht die letzte Station der Einkaufstour sein, auf der sich der Reisekonzern schon seit Jahren befindet. «Kuoni war von Zukäufen geprägt und wird es weiter sein», sagte Rothwell. Allerdings gelte es mit GTA nun einen grossen Brocken zu verdauen, gab der Konzernchef zu bedenken.

Grossaktionär stimmt zu

Für den Kauf nimmt Kuoni Kredite über 600 Mio. Fr. in Anspruch, deckt dies aber zum Teil über eine spätere Kapitalerhöhung: Am 21. April müssen die Kuoni-Aktionäre darüber entscheiden, ob sich der Konzern 250 Mio. Fr. beschaffen kann. Der grösste Anteilseigner, die Kuoni- und Hugentobler-Stiftung, hat Zustimmung signalisiert.

Den Handel gutheissen müssen auch noch die Geldgeber des bisherigen GTA-Eigners Travelport. Der hochverschuldete Konzern wolle mit dem Erlös einen Teil seiner Kredite zurückzahlen, sagte Kuoni-Chef Rothwell.

Aktie etwas tiefer

Die Branchenexperten der Banken begrüssten in ihren Stellungnahmen am Montag Kuonis Expansionsplan. Die Übernahme katapultiere Kuoni in neue Gefilde, schrieb Analyst Marco Strittmatter von der Zürcher Kantonalbank. Laut dem Urteil der Bank Wegelin ist der Zukauf im Online-Geschäft nur sinnvoll, doch dürften sich laut den St. Gallern nicht alle Investoren über die Kapitalerhöhung freuen.

Die Kuoni-Aktie lag zur Mittagszeit 1 Prozent unter Schlusskurs vom Freitag bei 428,25 Franken. Der Gesamtmarkt tendierte ebenfalls etwas schwächer.

(sda)