Monopoly um Maschinenbauer

22. März 2011 19:34; Akt: 22.03.2011 19:34 Print

Läutet Aufteilung das Ende von Rieter ein?

von Alex Hämmerli - Rieters Textilsparte ist nach der Spaltung alleine nicht überlebensfähig, befürchten Analysten. Sie rechnen mit einer baldigen Übernahme.

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Der Verwaltungsrat von Rieter plant, den Winterthurer Industriebetrieb aufzuteilen. Das kündigte der Konzern am Dienstag an. Das Textilmaschinengeschäft soll unter dem Namen Rieter weiterbestehen, die Autozulieferer-Sparte kommt voraussichtlich bereits Mitte Mai unter dem Namen Autoneum an die Börse. Vorausgesetzt, die Aktionäre stimmen dem Schritt an der Generalversammlung am 13. April zu.

Gerüchte um eine Aufteilung von Rieter gab es schon länger. Rieter hatte das Autogeschäft Mitte der 80er Jahre erworben. Der damalige Hintergedanke: Das Auto-Zulieferergeschäft sollte einen ruhigen Gegenpol zum stark konjunkturabhängigen Textilmaschinenbereich bilden. Mit der letzten Wirtschaftskrise aber kam die Wende, als beide Konzernsegmente hohe Verluste hinnehmen mussten. Heute gilt auch die Autoindustrie als weitgehend zyklisch, also abhängig von der allgemeinen Wirtschaftslage.

Inzwischen schreibt der Konzern wieder Gewinn; 2010 waren es 41,6 Millionen Franken. Für die Grossaktionäre und Rieter-Verwaltungsräte Peter Spuhler und Michael Pieper ist damit der Moment für die Aufteilung gekommen, wie es in der Medienmitteilung von Rieter vom Dienstag heisst. Gegenüber 20 Minuten Online wollten sich die beiden nicht dazu äussern, ob sie den Split aktiv vorangetrieben haben. Für einen Analysten, der nicht namentlich genannt werden will, ist aber klar: «Pieper und Spuhler verfolgen bei der Aufteilung ihre Eigeninteressen.» Diese Meinung vertreten auch weitere befragte Experten, die anonym bleiben wollen.

Frei zur Übernahme

Das Kalkül der beiden Grossaktionäre ist – so die einhellige Meinung der Experten – dass die Aufteilung den Weg für eine lukrative Übernahme der Rieter-Textilsparte durch einen Grosskonzern oder einen Konkurrenten frei macht. «Kommt der Split zustande, rechne ich mit einem baldigen Übernahmeangebot», mutmasst ein Analyst. Denn für ihn steht fest: «Die Sparte ist für sich alleine kaum überlebensfähig.» Er glaubt, dass Rieter beim nächsten grossen Einbruch des Textilgeschäfts Konkurs gehen würde. Denn seit China im grossen Stil im globalen Textilmaschinenmarkt mitmischt, sei das Geschäft äusserst hart geworden.

Bei Rieter ist derweil nicht von einer sich abzeichnenden Übernahme des Textilgeschäfts durch ein anderes Unternehmen die Rede. Rieter-Verwaltungsrat Erwin Stoller argumentiert vielmehr, dass der Split «der logische nächste Schritt» sei. Der Verwaltungsrat sei der Meinung, dass die beiden Unternehmensteile «erhebliche Vorteile» hätten, wenn diese als selbständige börsenkotierte Gesellschaften handeln könnten. Denn eine wichtige Folge der Aufteilung sei, dass die beiden Unternehmen «grössere strategische und operative Flexibilität» hätten. «Dadurch werden sich beide Gesellschaften besser weiterentwickeln und ihr Wachstumspotenzial nutzen können, zum Beispiel durch Partnerschaften und Kooperationen.»

Zudem profitierten die Aktionäre von «erhöhter Transparenz und Visibilität», also grösserer Voraussehbarkeit der Geschäftsentwicklung, wenn sie Aktien von zwei branchenfokussierten Unternehmen besässen. Dem stimmen befragte Analysten Analyst zu: Für den Aktionär sei es in der Tat von Vorteil, wenn er selber entscheiden kann, welchen Teil er halten will.

Auch bezüglich der Überlebenschancen des Autozulieferer-Geschäfts sind die Experten skeptisch. Längerfristig handle es sich dabei um ein Verlustgeschäft. Um das Unternehmen auf Vordermann zu bringen, müsse man einiges tun. Eine Analystin einer Schweizer Privatbank erwartet daher, dass auch Autoneum eher früher als später in einem grösseren Unternehmen aufgehen wird.