EZB-Nominierung

16. Juli 2019 18:28; Akt: 16.07.2019 18:40 Print

Lagarde tritt als IWF-Chefin zurück

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, hat ihren Rücktritt angekündigt. Sie will den Chefposten bei der Europäischen Zentralbank.

storybild

Christine Lagarde war Chefin des Internationalen Währungsfonds. (Bild: Keystone/AP/Jose Luis Magana)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat ihren Rücktritt eingereicht, um sich auf ihre Kandidatur für den Spitzenposten der Europäischen Zentralbank (EZB) zu konzentrieren. Der Rücktritt werde es dem IWF ermöglichen, die Auswahl ihres Nachfolgers schneller auf den Weg zu bringen, erklärte Lagarde am Dienstag in Washington.

Ihr Rücktritt soll am 12. September wirksam werden. Bis dahin lasse sie aber ihre Aufgaben weiterhin ruhen. Lagarde wurde Anfang Juli nominiert, um ab November die Europäische Zentralbank (EZB) zu leiten. Seitdem hatte sie ihr Amt in Washington vorläufig niedergelegt. Zum Interimschef wurde Lagardes Stellvertreter David Lipton berufen, ein US-Ökonom. Lagarde sagte, sie habe mittlerweile mehr Klarheit über ihre Nominierung zur EZB-Chefin.

Der IWF-Verwaltungsrat nahm ihre Entscheidung an und dankte ihr. «Unter ihrer Führung hat der Fonds den Mitgliedsstaaten erfolgreich geholfen, eine Reihe komplexer und beispielloser Herausforderungen zu navigieren, darunter die Auswirkungen der globalen Finanzkrise und deren Nachwirkungen», hiess es.

Europäer wollen Nachfolger stellen

Die Europäer haben bereits wieder Anspruch auf den IWF-Chefposten angemeldet. Die Personalie dürfte Thema beim Treffen der Finanzminister aus den sieben wichtigen Industriestaaten am Mittwoch und Donnerstag in Frankreich werden. Als potenzielle Kandidaten gelten Bundesbank-Chef Jens Weidmann sowie seine Kollegen aus Grossbritannien und Finnland, Mark Carney und Olli Rehn. Auch über den früheren niederländischen Finanzminister Jeroen Dijsselbloem und die dänische EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager wurde schon spekuliert.

Lagarde ist mitten in ihrer zweiten Amtszeit beim IWF – einer Art Feuerwehr, die Ländern in Zahlungsschwierigkeiten helfen soll, zuletzt etwa Argentinien oder Griechenland. Ihr Vertrag läuft eigentlich noch bis Juli 2021. Bis zuletzt hatte sie alle Spekulationen dementiert, ein Interesse an dem EZB-Chefposten zu haben. Die Personalie war Teil des Pakets zur Besetzung europäischer Top-Posten.

Schwellenländer stören sich am Duopol

Traditionell wird der IWF von einem Europäer geleitet und die Schwesterorganisation Weltbank von einem Amerikaner. Beide Institutionen wurden zum Ende des Zweiten Weltkrieges ins Leben gerufen. Mittlerweile hat sich die Weltwirtschaft aber stark verändert. Vor allem die aufstrebenden Schwellenländer stören sich an dem Duopol und würden gerne selbst mehr Einfluss bekommen.

Die Europäische Zentralbank mit Sitz in Frankfurt entscheidet über die Geldpolitik in der Euro-Zone. Die Amtszeit an der EZB-Spitze dauert acht Jahre und kann nicht verlängert werden. Draghis Amtszeit endet Ende Oktober. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten Lagarde vorgeschlagen, vergangene Woche wurde die Nominierung von den Euro-Finanzministern bestätigt. Nun wird das Europaparlament konsultiert. Die Staats- und Regierungschefs werden wohl im Oktober endgültig entscheiden.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Datenschutzdude am 16.07.2019 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Falschmünzer

    Warum wird eigentlich nie erzählt, dass der IWF, BIZ, FED usw. alles private Organisationen sind, die von den Bankern selbst gegründet wurden? Absicht war den Menschen die Vorstellung zu geben, dass es da Gruppen gibt, die Aufsicht betreiben. Das Gegenteil ist der Fall.

    einklappen einklappen
  • W.T. am 16.07.2019 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    tja, wen wunderts?

    Säuhäfeli...Säudeckeli. Die sogenannte "Elite" verteilen sich die Jobs untereinander; das war schon immer so.

    einklappen einklappen
  • gloria derungs am 16.07.2019 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rücktritt nur weil jobgarantie

    hinter den kulissen der macht sind alle posten schon verteilt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • LM AA am 18.07.2019 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Alleskönner gefragt

    Die, die stets alles besser wissen, sollen sich nun melden.

  • herr Jesses am 18.07.2019 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Lagarde, Draghi und co

    Wieder so eine negative-zins-liebende nullnummer bei der EZB!

  • sebozh am 18.07.2019 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ne, is klar...

    400 mio euro in frankreich veruntreut, schuldig gesprochen. Leitete nie eine nationale notenbank aber soll nun die ezb führen? Verstehe einer mal was in der eu abgeht....

    • Myoptic Dystopia am 18.07.2019 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      Soll mal einer EU-Skeptiker verstehen...

      Draghi hatte mal die Italienische Zentralbank geleitet und hatte in dieser Position: 1. tonnenweise Italienisches Gold "verloren" (hatte es Russland ausgeliehen, Russland ging Konkurs) und 2. den Euro in Italien eingeführt, ohwohl Italien die Bedingungen dafür gar nie erfüllen konnte. Als Belohnung gabs eine Beförderung zum EZB Chef. Zwar noch etwas früh, um bei der EZB von einem Muster zu sprechen, es macht aber doch den Anschein, als komme man als Clubmitglied mit ein paar Leichen im Keller einfacher an einflussreiche Positionen als mit Sachverstand und harter ehrlicher Arbeit.

    einklappen einklappen
  • Mister X am 18.07.2019 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allgemeinwissen

    Transatlantische Bilderbergskomission auch genannt die Elite der EU bzw Welt.

    • Melxher am 22.07.2019 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      Unfähigkeit

      Genau, mit der von der Leyen zusammen.

    einklappen einklappen
  • 1984 am 17.07.2019 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Totale Kontrolle

    Ihr Ziel ist es, das Bargeld abzuschaffen. Ein physischer Euro soll 80% des Buch-Euros bringen, damit möglichst wenig Leute mit Bargeld hantieren.