RAV in der Kritik

11. Februar 2015 11:31; Akt: 11.02.2015 13:36 Print

Landen jährlich 30 Mio Bewerbungen im Müll?

von K. Wolfensberger - Arbeitslose in der Schweiz müssen pro Monat ein Minimum an Bewerbungen verschicken. Kritiker beklagen, so entstehe eine Flut unpassender Bewerbungen.

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Den Job zu verlieren ist eine schlimme Sache. Was die Zukunft bringt, ist für die Betroffenen plötzlich unsicher. Klar ist: Wer Arbeitslosengeld beziehen will, muss sich bei einer Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) melden. Hier gelten aber strenge Auflagen. So müssen Stellensuchende oftmals ein Minimum von acht bis zehn Bewerbungen pro Monat verschicken.

Doch ist das sinnvoll? Nein, meint Tino Senoner, Inhaber der Brugger Softwarefirma MC-T AG und Vizepräsident der Stiftung für Arbeit und Weiterbildung (SSAW). Viele Bewerbungen würden rein alibimässig verschickt, da die Betroffenen keine andere Wahl hätten. «Jährlich gibt es ungefähr 30 Millionen Bewerbungen in der Schweiz, für deren Bearbeitung die Schweizer Unternehmen eine Million Arbeitsstunden aufwenden müssen», so Senoner. Er rechnet dabei mit 150‘000 registrierten Arbeitslosen und ungefähr 100‘000 ausgesteuerten Sozialhilfebezügern, die sich auf Stellen bewerben müssen.

Bewerbungsflut

Ein Hauptproblem ist laut Senoner: «Viele der versendeten Bewerbungen passen nicht auf die ausgeschriebenen Stellen.» Als Konsequenz würden Unternehmen mit uninteressanten Bewerbungen überschwemmt, was sie wiederum zwinge, aussagelose Massenabsagen zu verschicken. Auch für die Arbeitslosen sei dies frustrierend. Sie erhielten den Eindruck, niemand könne sie gebrauchen. Helfen möchte er ihnen dabei am liebsten selbst, mit einem von ihm entwickelten Computerprogramm, das die Fähigkeiten und Defizite von Stellensuchenden erkennt.

Anstatt ungezielte Bewerbungen zu verlangen, sollen sich die RAV mit ihren Massnahmen stärker an die Bedürfnisse der Arbeitslosen anpassen, fordert Unternehmer Senoner daher. Eine Position, die Treuhänder Martin Städeli unterstützt. Seit einiger Zeit ist er arbeitslos. Eine Weile lang lebte er sogar auf der Strasse. Die RAV-Beratung habe ihm aber nicht sonderlich geholfen, erklärt er. «Sie schoss am Ziel vorbei. Auf dem RAV wissen sie nicht genau, welche Fähigkeiten auf dem Markt gefragt sind», so Städeli.

Seriöse Arbeit

Gar kein Verständnis für diese Kritik an den RAV hat Hans-Ulrich Bigler, der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands. «Arbeitslose sollten so schnell wie möglich den Weg ins Erwerbsleben zurückfinden. Dafür ist es sinnvoll, eine Mindestzahl an Bewerbungen zu verschicken», erklärt Bigler. Er habe ausserdem stets das Gefühl gehabt, die Vorgehensweise der Arbeitsvermittlungszentren sei sehr seriös.

Auch beim Amt für Wirtschaft und Arbeit der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich, die den RAV des Kantons vorsteht, weist man die Kritik von sich. «Die Zürcher RAV erarbeiten mit jedem Stellensuchenden eine individuelle Wiedereingliederungsstrategie. Dazu gehören die Prüfung der Bewerbungsunterlagen sowie die Abklärung der Fähigkeiten und beruflichen Möglichkeiten», sagt ein Sprecher zu 20 Minuten.

Positive Feedbacks

Was die Anzahl der Bewerbungen anbelangt, erklärt der Sprecher: «Das persönliche Bewerbungsdossier müssen Stellensuchende selber verfassen und zusammentragen, wir bieten Hand dabei. Die RAV bekommen von Stellensuchenden regelmässig Einblick in Bewerbungsunterlagen und Motivationsschreiben und geben Tipps für künftige Bewerbungen.» Für Leute mit Schwierigkeiten biete das RAV mehrtägige Kurse zur Unterstützung.

Insgesamt sei das Feedback der Stellensuchenden fast immer positiv. «Oftmals verabschieden sich die Menschen mit einem Dankeschön für unseren Beitrag, wenn sie uns wegen einer neuen Stelle verlassen.»

Das gewünschte Formular existiert nicht oder ist bereits abgelaufen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dave am 11.02.2015 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Berater sind zum Teil am falschen Ort!

    Ich war auch einmal arbietslos. Die Berater sind zum Teil am völlig falschen Ort! Selten gibt es einen, der sich wirklich für den Arbeitslosen einsetzt!

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  • RAV Innoparkbesucher am 11.02.2015 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nutzloses Pisacken

    Wer mit den Stellen des RAV's zu tun hat, erlebt an unökonomischer und nutzloser Tätigkeit sein blaues Wunder. Die vom RAV und SECO profitierende Industrie für Wiedereingliederung (Bewerbungstraining, Beschäftigung und Erweiterung von Qualifikationen z.B. Projektmanagement) kostet nicht nur viel, sondern ist in den meisten Fällen nutzlos.

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  • Ehemaliger RAV-Kunde am 11.02.2015 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst soviel offene Stellen

    Es muss ja zuerst auch noch soviele offene Stellen haben, für die sich ein Arbeitsloser bemühen muss! Aber das muss diesen Beamten zuerst einleuchten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • erich b. am 14.02.2015 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Rav- sofort Schliessen !!!!!!!!!!!!!!

    Das Rav kann ruhig überall sofort Geschlossen werden !! Das nenne ich Verschleuderung von Steuergeldern ! Warum ? Weil die sogenannten Berater selber Keine Ahnung von der Materie haben. Selber Erlebt was Die für einen Mist Verzapfen, Hauptsache: Bewerbungen liegen vor ! Die Dümmste Institution die es gibt. Unnötige Kurse Aufbrummen und Kürzungen Vornehmen ist Deren Lieblingsgebiet !

  • Susanne Schock am 14.02.2015 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Berater sind nicht zum helfen da

    Berater teilte mir mit, dass er nicht dafür da wäre mir einen Job zu suchen. Dafür wurde in in unsinnige Kurse gesteckt. Auch musste ich in einer sog. Praxisfirma arbeiten. Es gab dort nur eine Person in dem Führungsteam der Praxisfirma. Der Rest hatte von dem Geschäft keine Ahnung. Man sollte etwas über Warenwirtschaftsprogramme lernen. Es konnte aber keiner das Programm erklären. Man sollte selbst rausfinden, wie das Programm funktioniert. Das war für mich total verschwendete Zeit.

  • EristKnackig am 13.02.2015 23:24 Report Diesen Beitrag melden

    Berater

    Die Berater sind einfach Dossierverwalter. Das ist aber nicht weil diese es so wollen, sondern leider die Vorgaben. Ich erwarte von einem RAV das diese Kontakte mit der Wirtschaft haben und dann die Klienten bei den Firmen anbieten. Logischweise funktioniert dies nicht bei jedem Berufsfeld. Die Berater sind mit den Ihnen aufgezwungenen Kontrollen auch Bornoutgefährdet.

  • J. Meyer am 13.02.2015 23:01 Report Diesen Beitrag melden

    Kritik an RAV ist berechtigt...

    Die IV schob eine taube u blind gewordene Frau in die RAV ab mit dem Hinweis der 100% Unvermittelbarkeit. Die RAV zwang dieser Frau zu intensiven Bewerbungbemühungen, bei Gesprächen wurde die bevollmächtigte offizielle Begleitperson zu Gesprächen nicht mal zugelassen. Da noch nicht alle Unterlagen der IV vorlagen, würden Leistungen der RAV gestrichen, wenn diese Person sich nicht bemühe, dabei erhielt sie aber gar keine von der RAV. Diese Beraterin war völlig unqualifiziert u kaschierte dies anscheinend mit arroganter u herablassenden Art, welches die Betroffene psychisch enorm belastete.

  • h.h. am 13.02.2015 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    staat

    es regt mich so auf, dass viele denken nur weil man vom staat angestellt ist, dass man gut verdient. kenne einige beim rav,gemeinde etc die verdienen weniger als sonst wer.. !!!!!!!! da verdient man als normaler büroangestellter genauso viel.