Urheberrecht

22. Oktober 2009 12:59; Akt: 22.10.2009 21:53 Print

Lehrer sind Diebe

Das Urheberrecht hat heutzutage einen schweren Stand. Doch nicht nur Computerkids kopieren und klauen, was das Netz hergibt: Auch solche, die kraft ihres Amtes ein Vorbild sein sollten, halten sich nicht zurück.

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(Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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50 Millionen Franken: Diese Summe geht den Schweizer Lehrmittelverlagen jährlich verloren, weil Lehrer immer häufiger ganze Schulbücher kopieren und einscannen oder aus verschiedenen Lehrmitteln neue zusammenstellen und im Internet veröffentlichen. Schätzt zumindest der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV.

Laut Peter Egger, Delegierter des SBVV, steckt hinter dem widerrechtlichen Kopieren in den wenigsten Fällen Böswilligkeit von Lehrpersonen. Ursache dafür seien vielmehr Unwissenheit und die von den Bildungsverwaltungen verordneten Sparprogramme. Teilweise seien die Kopierbudgets der Schulen höher als die Kredite für neue Lehrmittel.

Wildes Kopieren kann zum Bumerang werden

An einzelnen Schulen werde wild draufloskopiert - und die Lehrpersonen würden dafür von den Schulbehörden noch gelobt, weil sie damit Kosten sparten, stellte Irene Schüpfer vom Verlag Klett und Balmer AG fest. Das Unrechtsbewusstsein sei nicht sehr gross.

Für die Lehrmittelverlage stelle die Kopierwut jedoch eine «existenzielle Bedrohung» dar. Die Herstellung von Lehrmitteln sei sehr kompliziert und aufwendig und verursache Kosten zwischen 500 000 und einer Million Franken. Das Risiko liege dabei bei den Verlagen.

Durch die Missachtung des Urheberrechts schadeten sich Lehrpersonen und Schulträger mittelfristig selbst. Die Kopierwut könne dazu führen, dass sich für die Verlage die Entwicklung neuer, didaktisch guter Lehrwerke nicht mehr lohne und sie die Lehrmittelherstellung über kurz oder lang einstellten.

Informieren und aufklären

Mit der «Fair-Kopieren-Kampagne» wolle der SBVV in erster Linie informieren und aufklären - ohne «moralisierenden Unterton», wie Robert Fuchs vom Lehrmittelverlag des Kantons Zürich betonte. «Wir wollen aufzeigen, was erlaubt ist und was nicht und so Schulen und deren Verantwortliche für die Einhaltung des Urheberrechts sensibilisieren.»

Laut SBVV geniessen Schulen beim Urheberrecht gegenüber andern Nutzern gewisse Privilegien. So dürften sie beispielsweise für den Unterricht Abschnitte von Lehrmitteln für die Klasse kopieren oder einscannen, stellte Fuchs fest.

Dabei gelte jedoch die Regel: Mass halten, sauber zitieren, nie ins Internet stellen und im Zweifelsfall den Verlag fragen. Und genau diese Botschaft wolle man mit der Kampagne vermitteln. Unterstützt wird die Kampagne auch vom Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH).

(sda/ap)