Neue Unia-Website

07. Januar 2014 21:47; Akt: 14.01.2014 11:31 Print

Lehrlinge sollen Chefs an den Pranger stellen

Lehrlinge, die von ihrem Betrieb ausgenützt werden, sollen diesen im Internet anprangern. Die Unia-Jugend hat dazu eigens eine Website aufgeschaltet. Das stösst auf Kritik.

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Lehrlinge, die sich ungerecht behandelt fühlen, sollen ihren Arbeitgeber an den Pranger stellen. Dazu ruft die Unia-Jugend auf. (Bild: Screenshot lehrstellenpranger.ch)

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«In vielen Lehrbetrieben herrschen arge Missstände», sagt Paul Maetschke, Präsident der Unia-Jugend Zürich-Schaffhausen. Lehrlinge müssten regelmässig Überstunden schieben, würden als billige Arbeitskräfte missbraucht oder nicht korrekt bezahlt. Die Opfer solcher Praktiken sollen nicht schweigen, sondern ihren Lehrbetrieb anprangern: Dafür haben die Sektionen Zürich-Schaffhausen sowie Thurgau der Unia-Jugend nun die Website www.lehrstellenpranger.ch aufgeschaltet.

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«Wir erhoffen uns davon, dass der Druck auf die Betriebe steigt, sich ihren Lernenden gegenüber korrekt zu verhalten», sagt Maetschke. «Denn vieles ändert sich nur, wenn es an die Öffentlichkeit kommt.»

Lehrling musste dauernd putzen

Ein erster Fall wird auf der Website bereits geschildert – es handelt sich um die Geschichte eines Thurgauer Polymechaniker-Lehrlings, der regelmässig zur Putzkraft degradiert wurde. Genannt wird der Name seines Lehrbetriebs jedoch nicht. «Zum Schutz der Betroffenen müssen wir in gewissen Fällen auf die Nennung des Firmennamens verzichten – denn wir wollen nicht, dass die Lehrlinge ihre Stelle verlieren», so Maetschke. Ob der Name des Betriebs genannt werden könne, werde man jeweils mit der Person besprechen, die die Meldung erstatte. «Und natürlich geben wir allen beschuldigten Firmen die Gelegenheit, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen.»

Beim Gewerbeverband des Kantons Zürich, der kleine und mittlere Unternehmen vertritt, die eine Vielzahl von Lehrstellen anbieten, kommt die Aktion der Unia nicht gut an. Geschäftsleiter Thomas Hess: «Wir sind selbstverständlich auch dafür, dass die Rechte der Lehrlinge gewahrt bleiben – doch dazu ist ein solcher Pranger das falsche Mittel.»

Pranger ist laut Gewerbeverband schädlich

Grundsätzlich würden Lehrlinge einen im Obligationenrecht festgeschrieben besonderen Schutz geniessen, was auch sinnvoll sei. Wenn ein Lehrbetrieb gegen dieses Recht verstosse – etwa, indem er Lehrlinge für Arbeiten einsetze, die nicht mit dem zu erlernenden Beruf im Zusammenhang stehen – solle der betroffene Lehrling zuerst das Gespräch mit seinem Lehrmeister suchen, so Hess. «Und wenn dies nichts nützt, kann er sich immer noch ans kantonale Berufsbildungsamt wenden, das vermitteln kann.»

Mit dem neuen Online-Pranger schade die Unia den Lehrlingen, für die sie sich einzusetzen vorgebe: «Denn ein Lernender, der seinen Lehrmeister durch das von der Unia propagierte Vorgehen anprangert, verhindert so eine mögliche Lösung des Problems. Das Vertrauensverhältnis wird endgültig zerstört, was weder dem Lernenden noch dem Lehrbetrieb nützt.»

Machen Sie eine Lehre und fühlen sich von Ihrem Betrieb ausgebeutet? Erzählen Sie Ihre Geschichte in einem Mail an feedback@20minuten.ch

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 07.01.2014 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super, UNIA

    Jetzt weiss ich wieder, warum es Euch bestimmt nicht braucht. Die Folge dieser Hetze wird sein, dass die eh schon schwachen, die immer meinen, dass sie ausgenutzt werden, aus dieser subjektiven Haltung heraus an die Öffentlichkeit treten. Als Lehrmeister ist meine Reaktion schon heute klar! Kündigung!

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  • AntonMeier am 07.01.2014 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ist dies richtig?

    Super Idee. Dann kann jeder faule, verzogene und arrogante, die Weisheit mit dem Löffel gefressene Lehrling den Betrieb im Internet anprangern, wenn er mal wieder ach so ungerecht behandelt und ausgenutzt wurde. Wischen, Karton entsorgen oder Mülleimer leeren hat noch keinem Lehrling geschadet. Ich sehe die Gefahr zu gross, unbegründet dort zu erscheinen.

  • michi am 07.01.2014 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na toll...!

    Passt doch super zu unserer verweichlichten Jugend. Ich versteh denn Polymech, der arme. Schlage vor neue Arbeitszeit von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr mit 1 Stunde Mittag und 30 Minuten Znüni-Pause. Umkleiden ist auch Arbeitszeit. So werden dann die Maschinen im Lehrbetrieb nicht schmutzig - ergo kein Putzen nötig...! Dafür einen Lehrlingslohn von CHF 4000.- im ersten Jahr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Die Stimme am 08.01.2014 06:29 Report Diesen Beitrag melden

    Disziplin= Das braucht ihr

    Disziplin (von lateinisch disciplina Lehre, Zucht, Schule) bezeichnet als Verhalten: Selbstdisziplin, eine Form der bewussten Selbstregulierung Gehorsam, die Ordnungsregulierung innerhalb eines Befehlsprinzips. Wenn man darüber nachdenkt erkennt man das dies durch Putzen erlernt wird :-)

  • AntonMeier am 07.01.2014 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ist dies richtig?

    Super Idee. Dann kann jeder faule, verzogene und arrogante, die Weisheit mit dem Löffel gefressene Lehrling den Betrieb im Internet anprangern, wenn er mal wieder ach so ungerecht behandelt und ausgenutzt wurde. Wischen, Karton entsorgen oder Mülleimer leeren hat noch keinem Lehrling geschadet. Ich sehe die Gefahr zu gross, unbegründet dort zu erscheinen.

  • H.R. Schaffner am 07.01.2014 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    schon richtig so

    Im Lehrlingswesen liegt einiges im Argen. Die Schilderung des Lehrlings im ersten Beitrag sind für mich mehr als Plausibel. Putzen gehört bis zu einem gewissen Grad zur Lehre und auch zur Arbeit dazu. Aber gerade bei Lernenden übersteigt es meistens das Zumutbare.Ich habe das selbst erlebt und dann die Klappe aufgemacht. Zum Glück erhielt ich Unterstützung von einem Vorgesetzten der dem einen Riegel vorschob. Aber nicht jeder hat so viel Glück wie ich gehabt habe. Mehr Druck auf den Lehrbetrieb ist sinnvoll. Leider kann das aber auch zu einem Bumerang für den Lehrling werden.

  • P. Hauser am 07.01.2014 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kununu

    Sollte auch für temporäre und für Mitarbeiter ab 50 eingerichtet werden. Tolle Sache! Siehe auch Hier kann ebenfalls der Arbeitgeber bewertet werden. es ist einfach nur Recht, dass der Arbeitgeber auch ein Zeugnis erhält! Gute Arbeitgeber haben nichts zu befürchten.

  • enttäuschte stiefmutter am 07.01.2014 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ist!

    was ist was passiert wenn man mit dem lehrmeister gesprochen hat, danach mit dem berufsbildungsamt und die antwort lautet: dieser betrieb habe einen guten leumund da können wir nichts machen? nur komisch dass 3 lehrlinge nacheinander die lehre dort hinschmissen! wem soll man da noch glauben.