Gesetzesrevision

06. Mai 2011 07:50; Akt: 06.05.2011 17:47 Print

Leistungskürzung drückt Arbeitslosenquote

von Balz Bruppacher - Wegen der Änderungen in der Arbeitslosenversicherung sind Anfang April 16 000 Arbeitslose ausgesteuert worden. Die Arbeitslosenquote ist auf 3,1 Prozent gefallen. Das ist der tiefste Wert seit Ende 2008.

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Arbeitsloser bei der Arbeit: Die neusten Zahlen bedeuten nicht, dass solche Szenen seltener geworden wären. (Bild: Keystone)

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Die Zahl der Arbeitslosen verringerte sich im April um 11 457 auf noch 123 448 Betroffene, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) mitteilte. Das ist der grösste monatliche Rückgang seit April 1998. Die Arbeitslosenquote sank innert Monatsfrist von 3,4 auf 3,1 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit Ende 2008. Das «Jobwunder» muss allerdings relativiert werden: Am 1. April traten die Leistungskürzungen bei der Arbeitslosenversicherung in Kraft. 14 000 bis 16 000 Arbeitslose dürften damit die Bezugsberechtigung für Taggelder verloren haben.

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Der Effekt der Gesetzesrevision werde sich voraussichtlich auf drei Monate verteilen, sagte der Leiter der SECO-Direktion Arbeit, Serge Gaillard, auf Anfrage von 20 Minuten Online. Bei rund 4500 Betroffenen oder mehr als einem Drittel des gesamten Rückgangs im April handelt es sich um Ausgesteuerte wegen der Gesetzesrevision. Sie haben den Anspruch auf Taggelder verloren und sich bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren abgemeldet. Der grössere Teil der Betroffenen hat sich hingegen noch nicht abgemeldet oder ist in einem Zwischenverdienst.

Wie viele Arbeitslose wegen der Leistungskürzungen insgesamt ausgesteuert wurden, wird Anfang Juni bekannt. Gaillard geht weiter davon aus, dass es um 14 000 bis 16 000 Personen geht. Wie viele von ihnen Sozialhilfe beanspruchen werden, ist umstritten. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe geht von bis zu 5000 neuen Sozialhilfefällen aus. Das SECO verweist auf Studien, nach denen elf bis 15 Prozent der Ausgesteuerten Sozialhilfe beanspruchen.

Weniger junge Arbeitslose

Erneut überdurchschnittlich gesunken ist im April die Jugendarbeitslosigkeit, nämlich um 2603 auf noch 16 722 Arbeitslose im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Die Arbeitslosenquote bei den jungen Menschen ging von 3,5 auf 3,0 Prozent zurück und war damit erstmals seit langem tiefer als der landesweite Durchschnitt. Allerdings spielte auch hier die Gesetzesrevision eine wichtige Rolle, sind doch die Jugendlichen von den Kürzungen besonders betroffen. Gaillard bezifferte den Effekt auf rund 1.000 Personen.

Auch unter Ausklammerung der Sonderfaktoren befindet sich der Arbeitsmarkt aber nach wie vor in einer guten Verfassung, wie der SECO-Spezialist betonte. Die gute Konjunktur habe im April erneut zum Rückgang der Arbeitslosenzahlen beigetragen, und zwar um etwa 2000. Hinzu kamen die saisonalen Effekte in der Bauwirtschaft und bei den Temporärangestellen.

«Der Rückgang der Arbeitslosenzahlen dürfte noch während zwei bis drei Monaten anhalten», sagte Gaillard. Dabei werde möglicherweise die Quote von drei Prozent unterschritten. Das war letztmals im November 2008 der Fall gewesen. Im Laufe des Sommers dürfte der Rückgang der Arbeitslosigkeit aber zum Stillstand kommen, weil der Bremseffekt des starken Frankens dann stärker auf die Exportwirtschaft und den Tourismus durchschlagen werde. Für das ganze Jahr 2011 rechnet das SECO mit einer mittleren Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Greg Rasch am 06.05.2011 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    8-10% stellensuchende

    Eine echt lustige Statistik, meine Frau wurde ausgesteuert, sie taucht in keiner Statistik auf, sucht aber dennoch einen job. Rechnet man alle Stellensuchende zusammen wären das etwa 8-10%. Wem nützt die angeblich tiefe Quote? Der wirtschaft wir brauchen dringend Zuwanderung. Die CH zieht diese auch an, da man im Ausland denkt, ab in die CH dort gibts keine Arbeitslose. Letztendlich wird man einfach die Steuern erhöhen müssen, ergo nix gespart.

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  • Fran am 06.05.2011 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    echte Arbeitslosenzahlen

    Wäre es nicht an der Zeit, endlich eine echte Arbeitslosenquote zu erstellen, die auch arbeitslose Sozialhilfeempfänger miteinbezieht und solche die arbeiten wollen, aber keine Stelle finden. Mit dieser künstlich tief gehaltenen Zahl kann man nicht viel anfangen.

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  • Cora am 06.05.2011 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    alle Personen ohne Arbeit

    Unter Arbeitslose verstehe ich nicht nur Leute die beim RAV angemeldet sind, sondern alle Leute die nicht arbeiten und dafür Geld vom Staat beziehen (ausser IV Renter).Also auch die Sozialhilfebezüger.Glaubt mir-euch würde der Laden runter knallen,wenn ihr diese Zahlen einmal sehen würdet.Wie viele alleinerziehende Frauen hocken seit Jahren zu Hause und beziehen schön jeden Monat Sozialhilfe? Diese Leute seht ihr nie in einer Statistik auftauchen.Dabei sind es vorallem die,die man angehen sollte und nicht die normalen Arbeitslosen,die ihre Stelle verloren haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bernhard am 06.05.2011 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Andersrum

    Die Statistik ist grundfalsch. Die richtige Statistik müsse aufzeigen wie viele Personen in der Schweiz einen Job haben - nicht wie viele keinen haben!

    • 807687 am 08.05.2011 15:08 Report Diesen Beitrag melden

      funktioniert auch nicht:

      Es gibt nämlich auch jene, die keinen Job haben wollen (Mütter) oder können (Behinderte). Dann müsste man die abziehen. Sonst stimmt's wieder nicht.

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  • Greg Rasch am 06.05.2011 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    8-10% stellensuchende

    Eine echt lustige Statistik, meine Frau wurde ausgesteuert, sie taucht in keiner Statistik auf, sucht aber dennoch einen job. Rechnet man alle Stellensuchende zusammen wären das etwa 8-10%. Wem nützt die angeblich tiefe Quote? Der wirtschaft wir brauchen dringend Zuwanderung. Die CH zieht diese auch an, da man im Ausland denkt, ab in die CH dort gibts keine Arbeitslose. Letztendlich wird man einfach die Steuern erhöhen müssen, ergo nix gespart.

    • Markus am 06.05.2011 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      Du hast recht...

      Ich gebe dir völlig recht. die Statistik muss auf die Job-Suchenenden zeigen. Das wäre Transparenz !!!

    • 807687 am 08.05.2011 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      bevor wir Zuwanderung brauchen,

      sollen erst mal alle IV-Fälle und sonst Leistungsbeeinträchtigten eingegnlierdert werden, bevor man billige Leute reinholt. Auch werden immer wieder voll funktions- und leistungsfähige, nicht selten altgediente Leute einfach durch jüngere, billigere ersetzt. Das müsste strafbar sein. Auch Lohndumping müsste rigoros hart bestraft werden und jeder Betrieb müsste ab einer Grösse von 10 Mitarbeitern einen Behinderten anstellen und einen Lehrling ausbilden.

    • Daniel am 08.05.2011 15:27 Report Diesen Beitrag melden

      Auch Angestellte suchen neue Stelle

      Umfragen über Mitarbeiterzufriedenheit (vorallem in Grossbetrieben) fallen meist negativ aus und werden schön rosa gefärbt. Ich vermute, dass sehr viele Angestellte den Stellenmarkt sehr genau anschauen und bei nächster Gelegenheit wechseln werden. Betriebe, welche ihre Mitarbeiter wie "Vieh" behandeln, werden es schwer haben, qualifiziertes Personal zu finden. Ein schlechtes Image spricht sich schnell herum. Und solche Untenehmen der übelsten Sorte gibt es (zu) viele.

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  • Fran am 06.05.2011 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    echte Arbeitslosenzahlen

    Wäre es nicht an der Zeit, endlich eine echte Arbeitslosenquote zu erstellen, die auch arbeitslose Sozialhilfeempfänger miteinbezieht und solche die arbeiten wollen, aber keine Stelle finden. Mit dieser künstlich tief gehaltenen Zahl kann man nicht viel anfangen.

    • Daniel am 08.05.2011 15:32 Report Diesen Beitrag melden

      Stellen schaffen - Cheflöhne kürzen

      Statisiken nützen nicht viel. Ob arbeitslos oder Sozialhilfeempfänger spielt keine Rolle. Fakt ist, dass diese Leute aus Arbeitsmarkt herauskatapuliert worden sind. Die Verantwortung, diesen Leuten wieder eine Chance zu geben, liegt bei der Wirtschaft. Solange diese aber bei Umschulungen nicht mitmacht und "billige" Arbeitskräfte aus dem Ausland importiert, lässt sich dieses Problem nicht lösen. Die Arbeitgeber müssen einen wesentlich höheren Beitrag leisten. Man könnte ja als erstes die Managersaläre kürzen.

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  • wesi am 06.05.2011 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Klar sehen

    Solche Szenen können gar nicht seltener geworden sein, da der Rückgang der AL ja nicht damit zu tun hat,dass die Leute einen Job gefunden hätten, sondern mit den 16'000 ausgesteuerten Personen, die nicht mehr in der AL Statistik erscheinen!

  • Hans Ueli am 06.05.2011 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Dank an die Wähler

    Sagt dafür den Wählern von SVP, CVP, FDP etc danke. Die sorgen für Ordnung - theoretisch wenigstens. Denn das ganze Desaster basiert ja auf Abstimmungen. Nicht zum ersten Mal übrigens. Die Schweizer pinkeln sich ans eigene Bein.

    • wesi am 06.05.2011 14:31 Report Diesen Beitrag melden

      Wahl

      Würde mich nicht wundern, falls die Abstimmung wiederholt würde (eher nicht), würde es vermutlich erneut mit einem haushohen Ja ausgehen, wie es sich f. Wiederholungstäter schliesslich gehört. Und dann wundert man sich,wenn auch hier wieder Nebenwirkungen zum Vorschein kommen werden!

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