Nationalbank

17. März 2011 10:56; Akt: 17.03.2011 11:30 Print

Leitzins bleibt auf Rekordtief

Die Zinsen in der Schweiz bleiben vorderhand sehr tief. Banken können sich bei der Nationalbank nun seit zwei Jahren fast gratis mit Geld versorgen.

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. Das Zinszielband lautet unverändert 0 bis 0,75 Prozent, angestrebt wird der untere Bereich bei 0,25 Prozent, wie die SNB am Donnerstag mitteilte. Damit will die Nationalbank die Kreditvergabe und die Gesamtwirtschaft ankurbeln.

Die Notenbanker erwarten im laufenden Jahr ein robustes Wachstum der Schweizer Wirtschaft um rund 2,0 Prozent. Bislang lautete die Prognose auf rund 1,5 Prozent. Trotz der offenen Geldschleusen bestehen vorderhand kaum Inflationsgefahren. Die SNB erhöhte die Teuerungsprognose für das laufende Jahr zwar auf 0,8 (bislang 0,4) Prozent und für 2012 leicht von 1,0 auf 1,1 Prozent.

Damit liegt der Preisauftrieb aber noch deutlich unter der Schwelle von zwei Prozent, bis zu der Notenbanker von Preisstabilität sprechen. Diese Marke würde mit unveränderter Geldpolitik laut SNB aber 2013 erreicht.

Seit acht Quartalen auf Rekordtief

Die SNB hatte nach dem Schock der Finanzkrise und den massiven Auswirkungen auf die Weltwirtschaft den Leitzins innerhalb eines halben Jahres von 2,75 auf 0,25 Prozent gestutzt, nicht zuletzt weil die Geldversorgung unter den Banken zum Erliegen kam.

Auf diesem Tiefststand notierte der Leitzins schon in der Rezession nach den Anschlägen vom 11. September 2001 während fünf Quartalen. Die gegenwärtige Rekordtief-Phase geht nun in das neunte Quartal. Bislang haben noch kaum Industriestaaten begonnen, ihre Geldpolitik zu normalisieren.

Lob und Tadel für die Nationalbank

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) kritisiert, dass die Nationalbank nicht mehr gegen die Frankenstärke intervenieren wolle. Ohne Gegenmassnahmen seien Löhne und Arbeitsplätze in Gefahr. Besorgniserregend sei insbesondere, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) keine Interventionen bei Deflationsgefahr mehr in Aussicht stelle. Der SGB schlägt in einem Communiqué vom Donnerstag vor, eine Untergrenze gegenüber dem Euro einzuführen und zu verteidigen.

Im Zuge der Frankenstärke hatte die SNB vergangenes Frühjahr massiv Franken gegen Euro und Dollar verkauft, auf den Fremdwährungsbeständen aber derart hohe Kursverlust erlitten, dass sie einen Jahresverlust von 19,2 Mrd. Fr. ausweisen musste.

Der Gewerkschaftsbund fordert nun auch Massnahmen zur Einschränkung des spekulativen Devisenhandels. Denn der starke Franken belaste die Schweizer Exportwirtschaft enorm. Als Folge versuchten bereits erste Firmen, die Löhne zu senken respektive die Arbeitszeiten zu erhöhen. Die Gewerkschaften leisteten zwar Widerstand. Doch wenn die Frankenstärke anhalte, drohe ein Dammbruch mit Lohndruck und Arbeitsplatzverlusten.

Lob der Hauseigentümer

Der Hauseigentümerverband (HEV) hingegen lobt den Entscheid der SNB, den Leitzins vorläufig auf Rekordtief bei 0,25 Prozent zu belassen. Dies sei positiv für die Eigentümer von Liegenschaften, wie auch für die Mieter von Wohnungen und Geschäftsräumen, da sie weiterhin von tiefen Hypothekarzinsen würden profitieren können.

Der HEV rät aber den Banken und Kreditnehmern, bei Hypothekenkrediten die notwendige Sorgfalt bei der Tragbarkeitsberechnung walten zu lassen. Einige Ökonomen warnen für gewisse Gebiete bereits vor einer Hypothekarblase.

(sda)