EZB-Entscheid

12. September 2019 14:37; Akt: 12.09.2019 14:37 Print

Negativzins und du verstehst nix? Wir helfen!

von V. Blank - Die Europäische Zentralbank drückt die Strafzinsen noch tiefer ins Minus. Warum muss uns Schweizer das kümmern? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) macht mit der umstrittenen Erhöhung der Strafzinsen für Banken ernst. Die Währungshüter senkten den sogenannten Einlagensatz auf minus 0,5 von bisher minus 0,4 Prozent.

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Der Leitzins bleibt bei rekordtiefen 0 Prozent. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen.

Macht es bei dir jetzt nur noch «La-la-la» im Ohr? Dann helfen dir die Antworten auf die folgenden Fragen weiter:

Schon beim Wort Leitzins löscht es mir ab. Wovon reden wir da?

Der Leitzins ist der Schlüsselzins, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können. In der EU legt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins fest, in der Schweiz ist es die Nationalbank (SNB).

Und warum ist dieser Leitzins so wichtig?

Er ist das wichtigste geldpolitische Instrument, das einer Zentralbank zur Verfügung steht. In der Schweiz steuert die SNB damit die Geldpolitik.

Heute reden aber alle vom Einlagensatz. Aaaargh!

Die Erklärung ist nicht so schwierig: Die EZB kennt mehrere Leitzinsen. Einer davon ist der Einlagensatz. Dieser ist im Moment im negativen Bereich. Will heissen: Die Banken, die bei der EZB Geld parkieren, müssen dafür Strafzinsen zahlen.

Gähn. Geht mich doch nichts an. Ich hol mir einen Kafi.

Nicht so schnell. Du hast sicher ein Bankkonto. Also betreffen die Zinsen auch dich. Wenn deine Bank zu einem niedrigen Zins Geld von der Zentralbank bekommt, wird es auch für dich als Kunde günstiger, dir Geld auszuleihen. Kredite und Hypotheken werden also billiger, je tiefer die Leitzinsen sind.

Ich bin aber kein Kreditkunde – ich will sparen.

Dann bekommst du die negativen Seiten der tiefen Leitzinsen zu spüren. Die relevanten Sätze sind im Minus – in der EU genauso wie in der Schweiz. Das heisst: Deine Bank muss dafür zahlen, wenn sie Geld kurzfristig bei der SNB deponieren will. Diese «Strafgebühr» wälzen mittlerweile viele Schweizer Banken auf ihre Kunden ab: Ist das Guthaben auf einem Konto zu hoch, zahlt man drauf, statt Zinsen zu kassieren. Auch normale Sparkonten werfen praktisch keine Zinsen mehr ab.

Gefällt mir nicht! Warum senken diese EU-Banker den Zins immer weiter?

Sie machen sich Sorgen um die Wirtschaftslage in Europa. Die Senkung der Leitzinsen ist die klassische Waffe der Notenbanken, wenn ein Abschwung oder eine Rezession droht. Die Idee dahinter: Wenn Kredite billiger werden, nehmen Unternehmen bereitwilliger Geld auf und investieren es. Das kurbelt die Wirtschaft an. Ausserdem verbilligt es eine Währung, wenn der Leitzins sinkt. Auch das ist gut für die Wirtschaft. Ein schwächerer Euro beispielsweise hilft den exportorientierten Firmen in der EU.

Yay, schwacher Euro! Dann kann ich noch billiger in Deutschland shoppen?

Es ist kompliziert. In der Theorie ist es so: Der Franken wird stärker, wenn der Euro schwächelt. Für Schweizer Einkaufstouristen sind das positive Nachrichten – je tiefer der Euro-Franken-Kurs, desto günstiger das Shoppen im Euro-Raum. Für Schweizer Exportfirmen ist ein zu starker Franken jedoch Gift. Darum greift die SNB öfter mal am Devisenmarkt ein, um den Franken zu schwächen.

Kann unsere Nationalbank nicht einfach auch den Leitzins senken?

Doch, kann sie. Experten sind sich aber noch nicht sicher, was die SNB nach der heutigen Entscheidung der EZB machen wird. Einige gehen davon aus, dass die Nationalbank nachziehen und den Leitzins nächste Woche senken wird. Andere meinen, dass sie den Zins gleich lässt. Die SNB kann auch einfach Euros kaufen, damit der Schweizer Franken nicht zu stark wird.

Und was soll das mit diesen Anleihenkäufen? Bei mir macht es schon wieder «La-la-la» im Ohr ...

Ab 1. November will die EZB monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen stecken. Anleihenkäufe sind eine weitere Waffe der EZB, um die Wirtschaft anzukurbeln. Simpel gesagt will sie damit mehr Geld in den Markt pumpen. Ein Beispiel: Die Notenbank kauft einer Geschäftsbank Anleihen für eine Million Euro ab. Diese Million schreibt sie der Geschäftsbank auf ihrem Konto gut. Das Guthaben bei der Notenbank soll die Geschäftsbank dazu animieren, das Geld als Kredit weiterzugeben – an andere Unternehmen oder Private, die dann wiederum mehr investieren oder konsumieren sollen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex am 12.09.2019 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Festgefahren

    Liebe Banker. Ihr seit in der Steinzeit geblieben und habt nicht bemerkt, dass Minuszinsen nicht den gewünschten Effekt erreichen. Wacht auf, schmeisst eure Schulbücher weg, öffnet Augen und Geist und löst euch von den Theorien die nichts mehr taugen. Einfallsreichtum ist gefragt anstellte von sturem Hochschulwissen

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  • Albert R. Schloch am 12.09.2019 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Früher

    Das war noch schön, verschiedene Länder, verschiedene Währungen, unterschiedliche Finanzpolitik. Da konnte man sich auf das Land und die Währung spezialisieren, welche einem am besten passte. Heute ist alles nur noch ein euro-globaler Einheitsbrei.

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  • Rolf am 12.09.2019 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Geld abziehen

    Derzeit habe ich auf mehreren Banken Kontis. Zuerst mal abwarten ob alle Banken den Negativzins einführen. Dann auf der Bank ohne Negativzins mein Vermögen parkieren. Sollten die Negativzinsen für Kleinsparer aber bei allen Banken eingeführt werden, so kenne ich einen Ort wo mir nichts belastet wird. MEIN SAFE. Hoffentlich machen dass alle Kleinsparer so.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PhilK am 13.09.2019 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den nächsten beissen die Hunde

    Hauptsache Draghi hat sich inszeniert, die Nächsten bezahlen dafür!

  • Malo am 13.09.2019 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Dividenden

    Am besten umgeht man den Negativzins indem man sichere Aktien mit hohen Dividenden (Verrechnungssteuerfrei) kauft.

    • THINK am 13.09.2019 19:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Malo

      Kapitalerträge wie Dividenden sind steuerpflichtig (Einkommenssteuer) lediglich Kapitalgewinne wie Kurssteigerungen sind steuerfrei. Aber ja , trotzdem macht es Sinn Titel (BlueChips) mit guten Dividendenausschüttungen zu kaufen. Aber das Geld ist erstmal "ausgegeben" und weg , sollte man nicht vergessen. Kauft man zu teuer ein bringt die Dividende gar nichts wenn man zeitnah wieder verkaufen will/muss.

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  • Kinta Kunte am 13.09.2019 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    Gift für die Volkswirtschaft

    Eigentlich hilft es doch der Wirtschaft. Der Kleinsparer sieht sich jedoch bedroht. Er hat Angst um seine Altersvorsorge ohne Zinsen und Negativzinsen tönen nach Krise. Aus diesem Grund wird gespart was das Zeug hält und nicht mehr konsumiert was Gift für die inländische Volkswirtschaft ist.

    • Xeno72 am 13.09.2019 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hä?@Kinta

      Sehr unlogisch: Sparen lohnt sich immer weniger, darum machen es immer mehr...

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  • Voll krass logische Lösung am 13.09.2019 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Grübel,grübel und studier...

    Wenn jemand sein Konto überzogen hat, kriegt er dann wieder Positivzinsen??? :-)

  • Supermario vs Superkanzlerin am 13.09.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr investieren?

    Um die erhöhte Nachfrage der Leute nach Gütern und Dienstleistungen befriedigen zu können? Sofort dagegen halten! Zusätzliche Strafsteuern und Abgaben, damit die Leute weniger konsumieren, folglich die Investitionen zurückgehen. Für die Umwelt! :-) Wenn er es mit Negativzinsen zuweit treibt, kann es allerdings vorkommen, dass die Banken Risikokredite vergeben, die sie sonst nicht bewilligt hätten. Und wenn zuviele davon im Umlauf sind - Zeit für einen neue Bankenkrise! :-)

    • Banani am 13.09.2019 16:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Supermario vs Superkanzlerin

      Gar nicht mal so falsch! Der feine Unterschied ist, dass Politik und EZB dieses Mal fröhlich mit backen! Die tiefen Zinsen gehen eben auch auf die Profite der Banken. Nur dumm, dass gleichzeitig dank wuchernder Regulierung die Kosten aber explodieren! In the meantime, gerade für schwächere (weniger profitablere) Banken ist es einfacher faule Kredite weiter zu rollen, ist ja praktisch gratis bei den tiefen Zinsen! Einfacher als die Bilanzen zu bereinigen! Irgendwann kommt dann der grosse Knall, dann nämlich wenn die Profitabilität von mehreren Banken bei Null ist! Das wird dann echt lustig!

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