Streit ums Geld

12. September 2019 20:29; Akt: 12.09.2019 20:29 Print

«Meine Junkie-Schwester hat das Erbe ergaunert»

von Barbara Scherer - Ohne ein Testament kommt es bei den Erben oft zu Streitigkeiten. Die 20-Minuten-Leser erzählen von ihren Erfahrungen.

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Nur ein Viertel der Schweizer regeln ihren Nachlass. Dabei halten die Meisten ein Testament für wichtig, wie eine Umfrage des Vereins My Happy End ergab. Schliesslich werden in der Schweiz jedes Jahr rund 70 Milliarden Franken vererbt.

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Doch ist der Nachlass nicht geregelt, führt dies oft zu Streitigkeiten: Fast die Hälfte der Befragten haben bereits Erbstreitigkeiten in ihrem Bekanntenkreis miterlebt. 28 Prozent haben sogar schon Zoff ums Geld in der eigenen Verwandtschaft gehabt.

Auch die 20-Minuten-Leser haben in ihrer Familie Streitigkeiten ums Erbe erlebt:

«Meine Junkie-Schwester hat sich Geld ergaunert»

Ursula*: «Meine Schwester hat sich durch Lügen 70'000 Franken von unserer Mutter ergaunert. Danach hat sie unsere Mutter in die Alterspsychiatrie einweisen lassen. Dabei ist unsere Mutter mit 84 noch sehr lebendig. Ich habe eine Junkie-Schwester, die immer das Gefühl hatte, zu kurz zu kommen. Ich bin dankbar, dass ich den Kontakt zu ihr abgebrochen habe.»

«Meine Mutter hat nicht einmal getrauert»

Lisa*: «Mein Grossvater ist vor ein paar Jahren verstorben und hat in seinem Testament festgehalten, dass ich als einzige Enkelin das ganze Geld bekomme. Denn er hat meine Mutter sein Leben lang finanziell unterstützt und sie hatte sogar die Vollmacht seines Bankkontos. Schlussendlich waren aber von seinen ersparten 320'000 Franken nur noch 40'000 Franken übrig. Da mein Grossvater die letzten Jahre sehr bescheiden gelebt hatte, konnte das Geld nur von meiner Mutter entwendet worden sein. Beim Notar versuchte sie dann, einen Teil des Erbes zu erhalten. Ohne Erfolg: Das Geld wurde mir zugesprochen. Für mich war das Ganze eine sehr enttäuschende Erfahrung, da ich sah, dass es meiner Mutter einzig und allein ums Geld ging und sie kein bisschen trauerte.»

«Ist ja klar, dass das Haus mir gehört»

Elena*: «Bereits in der Notfallstation des Spitals, als unsere Mutter noch an Geräten angeschlossen war, sagte mein Bruder zu mir: ‹Ist ja klar, dass das Haus mir gehört. Du hast schliesslich keine Kinder und wohnst nicht gleich nebenan.› Vier Jahre später ist es endlich geregelt. Das Haus und ein Grossteil des Landes gehört meinem Bruder und ich habe ein Stück Land erhalten, das verpachtet wird.»

«Meine Schwester hat meinen Quarz geklaut»

Mona*: «Ich habe von meiner verstorbenen Urgrossmutter mehrere Rosenquarze bekommen. Manche waren faustgross. Doch meine Schwester hat mir einige davon geklaut!»

«Verpulvert euer Geld.»

Anna*: «Mein Onkel hat es bei jedem Erbe geschafft, die ganze Familie durcheinanderzubringen und das Erbe zu sperren. Zum Glück hatte unsere Hausbank nach zehn Jahren die Schnauze voll und hat ihn ausbezahlt. Darum mein Tipp an Ältere: Verpulvert euer Geld, ihr müsst sicher nicht für die Nächsten sparen. Es gibt bekanntlich eh nur Krach, wenn es ums Erben geht.»

«Ich müsste meinen Bruder betreiben»

Albert*: «Mein Vater verstarb Ende 2017 an Krebs. Wir sind drei Kinder und die Mutter. Ein Bruder hat die Wohnung weit unter dem Preis gekauft. Ich wurde enterbt. Meine Kinder, die erbberechtigt wären, haben bis heute nichts erhalten. Ich weiss nicht, wie es weitergeht. Eigentlich müsste ich meinen Bruder betreiben.»

«Meine Eltern geben das Geld lieber für sich selbst aus»

Lara*: «Meine Mutter fühlt sich nicht dazu verpflichtet, meinem Bruder und mir etwas zu vererben. Dabei sind unsere Eltern reich. Aber sie geben das Geld lieber für sich selbst aus. Mein Bruder und ich mussten beim Notar sogar antraben und einen Vertrag unterzeichnen, dass wir unser Anrecht aufs Haus dem überlebenden Elternteil überschreiben. Trotzdem erwarten sie von uns, dass wir immer machen, was sie wollen.»

«Ihr Bruder fordert 70'000 Franken von uns»

Herbert*: «Vor vier Monaten ist die Mutter meiner Frau gestorben. Meine Frau hat den Pflichtteil geerbt, ihr Bruder den Rest. Aufgrund einer 30 Jahre alten Geldverteilung fordert ihr Bruder von uns 70'000 Franken zurück. Doch wir haben kein Vermögen. Jetzt sind wir bei einem Anwalt, den wir uns eigentlich gar nicht leisten können. Wir sind verzweifelt!»

*Name geändert

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Notar am 12.09.2019 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfundene Geschichte

    Dass alles Erbe nach Testament an die Enkelin geht, wie man in einem Fall beschrieben, ist in der Schweiz gar nicht möglich. Da wäre der Pflichtteil der Mutter verletzt.

  • Diego S am 12.09.2019 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt niedrig

    oh wow Lara. Mit deiner Einstellung bist du echt nicht zu beneiden. Gehe schwer davon aus, dass du noch keine 10k selber verdient hast aber bereits über die Verwendung des Vermögens deiner Eltern urteilst...

  • St. Olz am 12.09.2019 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit hat seinen Preis !

    Meine Eltern wollten mich in Aussicht auf das Erbe hörig machen. Da hab ich kurzerhand mitgeteilt, dass sie sich meinen Erbteil dort hinein schieben können wo es nicht windstill ist, oder alles meinen Geschwistern zukommen lassen, das sei mir völlig Wurst, ich will keinen Rappen erben. Das habe ich nicht nur gesagt, sondern wirklich auch gedacht. Die totale Bestürzung und Erklärung meiner Person zur Nona-Grata war die Folge. Nun betreiben Sie das gleiche Spiel mit meinen Geschwistern und diese Erbschleicher tanzen wie meine Eltern es wollen. Geld verdirbt den Charakter. Bleibt frei !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Weg der Wahrheit am 13.09.2019 00:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Leben ist eine Prüfung.

    Es ist unglaublich was Geld alles anrichten kann. Sogar innerhalb der eigene Verwandschaft. Das zeigt aber auch das diese Menschen noch nicht bereit sind für ein Höheres Leben. Dabei währe es ihre Aufgabe auf dieser Welt sich in friedliche Zusammenleben zu üben.

  • a.b. am 13.09.2019 00:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nichts ist besser

    bei einem testament wird der eine gegenüber dem anderen bevorzugt. also ist auch hier streit vorprogrammiert. es ist wie im "richtigen leben": diejenigen, welche immer meinen, dass sie zu kurz kommen, zetteln überall streit an.

  • nessli-s am 12.09.2019 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Da sieht man mal den wahren Charakter des Gegenübers. Als wäre es nicht schon schlimm genug zu trauern nein man muss auch noch damit klarkommen das die Familie bei Geld nichts mehr kennt und man sie zum teil nicht mehr wieder erkennt.

  • Qliphort Monolith am 12.09.2019 23:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die liebe Familie

    Auch mit Testament kann es passieren. Die Schwester meines Vaters hat nach dem Tod meines Onkels das Testament angefochten. Dabei wussten alle das mein Onkel sie hasste. Aber wenn es um 80'000.- Franken geht. Im Testament waren meine Eltern und danach mein Bruder und ich als Erben. Erst wenn wir vier alle tot wären hätte sie was bekommen.

  • Longo am 12.09.2019 23:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erben und Zoff in den Familien

    Meine Kinderlose Tante hatt testamentarisch alles mir und meiner Frau vererbt, da wir sie seit über dreissig Jahren immer besuchten. Mein Bruder ein Musiker spricht seit deren Tot nicht mehr mit mir