Grameen Bank

09. März 2011 10:56; Akt: 09.03.2011 12:45 Print

Letzte Chance für Nobelpreisträger

Muhammad Yunus kämpft verzweifelt um seine Macht. Der Friedensnobelpreisträger wehrt sich vor Gericht gegen seinen Rausschmiss als Chef seiner Grameen Bank.

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Die Grameen Bank wurde 1974 von dem aus Bangladesch stammenden Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus gegründet. Yunus suchte nach einer grossen Hungersnot nach einer Lösung, um die Situation der Armen zu verbessern. Er beginnt Mikrokredite an Mittellose zu vergeben. Meist beträgt die erste Kreditsumme nicht mehr als 30 Dollar. Damit wird z.B. eine Ziege erworben und die Milch verkauft. Die Kredite müssen in kleinen Raten jede Woche zurückbezahlt werden. Wenn der erste Kredit zurück­gezahlt ist, .... ... folgt meist der nächstgrösse­re. Öffentliche Studien zeigen, dass durch die Hilfe der Grameen-Bank 10 Prozent der Bangladeschis eine Chan­ce auf ein neues Leben erhalten haben. Ein Drittel davon hat sich inzwischen als selbständige Kleinunternehmer etabliert und ist aus der völligen Armut her­ausgekommen. Yunus erkannte bei seinen Feldstudien in Bangladesch insbesondere, dass vor allem Frauen, die um das Leben und Überleben ihrer Familien kämpfen, vorrangig in den Genuss der Förderung kommen sollten. Die Rückzahlungsmoral von Frauen ist grösser und die Gefahr, dass das geliehene Geld für blosse Statussymbole verschleudert wird, ist weit geringer als bei Männer. Oft werden im Laufe der Jahre 10 bis 15 Kredite genommen. Sobald als möglich, wird ein Hauskredit aufgenommen. Die Grameen Bank zählt 9 Millionen Schuldner. Yunus sagt: «Die meisten Banken leihen den Reichen Geld. Aber wenn die Armen eine Chance haben, zahlen sie ehrlicher zurück als die Wohlhabenden.» 2006 haben Muhammad Yunus und seine Grameen Bank den Friedensnobelpreis erhalten. In Dezember 2010 kommt Yunus stark unter Druck. Ihm wird vorgeworfen, Entwicklungshilfegelder veruntreut zu haben. Der Angeschuldigte bestreitet die Vorwürfe. Ein Heiliger gerät ins Wanken. Yunus wird durch die Zentralbank von Bangladesch vom seinem Direktorposten bei der Grameen Bank gefeuert. Der Nobelpreisträger legt Berufung ein. Am 2. März 2011 wird Yunus von seinem Amt als Direktor der Grameen-Bank in Bangladesch abgesetzt. Hintergrund sind diesmal Vorwürfe, dass der 70-Jährige über die bindende Altersgrenze von 60 Jahren hinaus im Amt geblieben sei. Auch diesmal legt der Nobelpreisträger Rechtsmittel gegen die Entscheidung ein. Am 13. Mai 2011 tritt Yunus freiwillig von seinen Ämtern bei der Grameen Bank zurück, «um die Aktivitäten der Bank nicht zu behindern». Zuvor hatte das Oberste Gericht seine Entlassung als rechtsmässig bestätigt.

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Der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus hat am Mittwoch Rechtsmittel gegen die Entscheidung eines Gerichts in Bangladesch eingelegt, das seine Absetzung als Direktor der Grameen Bank am Vortag bestätigt hatte. Eine Anhörung ist laut Yunus' Anwältin Sara Hossain für den heutigen Tag geplant. Die Eingabe vor dem Obersten Gericht ist Yunus' letzte juristische Möglichkeit im Bemühen, seinen Posten bei der Grameen Bank zu retten.

Die Zentralbank Bangladeschs gab die Entlassung von Yunus in der vergangenen Woche bekannt und begründet sie damit, dass er über eine bindende Altersgrenze von 60 Jahren hinaus im Amt geblieben sei. Der 70-Jährige ist Gründer der Grameen Bank, die Mikrokredite an Mittellose vergibt und heute neun Millionen Schuldner zählt.

Yunus gilt als Gründer des Mikrofinanz-Gedankens, weshalb er 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Sein Konzept: Arme Menschen mit Hilfe von günstigen Kleinstkrediten zu Unternehmern machen und damit die Armut lindern.

Zwist mit Premierministerin

Yunus gilt als Kritiker der Regierung Bangladeschs, die bisher mit 25 Prozent an der Grameen Bank beteiligt ist. Die Premierministerin möchte den Anteil des Staates aber auf 60 Prozent erhöhen, was Yunus missfällt. Den Zwist trugen die beiden Parteien auch in der Öffentlichkeit aus: Die Premierministerin warf dem Nobelpreisträger kürzlich vor, sich um Steuerzahlungen zu drücken und mit Mikrokrediten das «Blut der Armen auszusaugen».

Gegen Yunus sprechen auch Vorwürfe wegen veruntreuter Entwicklungsgelder. Konkret soll der Bankdirektor zweckgebundene Entwicklungshilfegelder in andere Projekte gesteckt haben. Yunus wies die Vorwürfe stets zurück und betonte seine Unschuld. Dennoch leitete Bangladeschs Premierministerin Skeikh Hasina im Januar 2011 eine Untersuchung ein, die Ende März abgeschlossen werden soll.

(sas/dapd)