Vereinbarkeit

08. April 2019 06:45; Akt: 08.04.2019 06:45 Print

Jetzt kommt das Eltern-Kind-Büro in die Schweiz

von Dorothea Vollenweider - Ein Eltern-Kind-Büro mit Spielecke für den Notfall: Was im Ausland schon weit verbreitet ist, gibt es jetzt auch in der Schweiz.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Erwerbstätige Eltern kennen die Situation bestimmt: Die Betreuung für den Nachwuchs fällt kurzfristig aus – und eigentlich müsste man längst auf dem Weg zur Arbeit sein. Was nun? Der Discounter Lidl hat für solche Situationen seit kurzem eine Lösung: Im Hauptsitz in Weinfelden können die Angestellten im Notfall das Eltern-Kind-Zimmer buchen.

Das Büro mit Spielecke gibt es seit der Eröffnung des neuen Hauptsitzes im Januar 2019. Es ist mit zwei voll ausgestatteten Arbeitsplätzen ausgerüstet und beinhaltet ein Kinderbett, diverses Spielzeug, einen Sessel zum Stillen und Stillkissen sowie einen Vorhang für die Privatsphäre.

Nur als Notlösung geeignet

«Unser Ziel ist es, eine optimale Unterstützung für erwerbstätige Eltern zu bieten», sagt Lidl-Sprecherin Corina Milz zu 20 Minuten. «In den Monaten, seit es das Büro gibt, wurde es mehrmals wöchentlich, in gewissen Wochen sogar täglich, gebucht.» Das Büro werde von Müttern und Vätern gleichermassen genutzt.

Hartmut Schulze, Professor für Arbeitspsychologie an der FHNW, spricht von einer guten Lösung. Er räumt aber ein: «Sie ist nur für Not- oder Übergangssituationen geeignet.» Aus Studien wisse man, dass Menschen, die sich voll auf die Arbeit konzentrieren, nicht gleichzeitig ein Kind betreuen oder im Auge behalten können.

Kids-Koffer im Büro

In der Schweiz steht Lidl mit dem Eltern-Kind-Büro noch ziemlich allein da. 20 Minuten hat bei den grössten Schweizer Firmen, die sich für Vereinbarkeit einsetzen, nachgefragt. Lediglich bei der Versicherung AXA Schweiz gibt es ein ähnliches Angebot: Das Unternehmen stellt den Mitarbeitern in Notfällen einen Spielzeugkoffer zur Verfügung. Er enthält Bilderbücher, Spiele, Spielzeuge, Papier, Schere und Malstifte. «Es ist grundsätzlich nie ein Problem, wenn Eltern ihr Kind ins Büro mitnehmen», sagt Sprecherin Olivia Guler.

Swisscom, Microsoft und Ikea Schweiz dagegen kennen kein Eltern-Kind-Büro. Die Unternehmen bieten den Mitarbeitern laut eigenen Angaben aber die Möglichkeit, bei temporären Engpässen bei der Betreuung von zu Hause aus zu arbeiten.

Im Ausland schon weit verbreitet

Auch die Zurich Versicherung kann seinen Schweizer Angestellten keine solche Notlösung bieten. Das, obwohl das Unternehmen im Ausland mehrere Standorte mit Eltern-Kind-Büros betreibt: Bei Zurich in Italien gibt es mehrere Arbeitsplätze, die als Eltern-Kind-Büro dienen.

Diese werden laut Zurich-Sprecherin Nathalie Vidal rege genutzt. «Im neuen Bürogebäude von Zurich Deutschland wird es ebenfalls zwei Eltern-Kind-Büros geben», fügt sie an. Als Grund, dass es diese Möglichkeit in der Schweiz nicht gibt, nennt Vidal das flexible Arbeitsmodell der Schweizer Angestellten. «Fällt die Kinderbetreuung kurzfristig aus, können die Mitarbeitenden auch von zu Hause aus arbeiten.»

Tatsächlich ist das Eltern-Kind-Büro im Ausland schon viel verbreiteter als in der Schweiz. So können Angestellte des Versandhändlers Otto in Hamburg oder des Software-Konzerns SAP in Walldorf ihre Kinder mit an den Arbeitsplatz nehmen. Ebenfalls möglich ist das beim Industrie-Konzern Thyssen-Krupp in Nordrhein-Westfalen und beim Energieanbieter EWE in Oldenburg.


Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Denkpause am 08.04.2019 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir hatten nicht viel Geld ...

    ... und konnten uns nur selten bescheidene Ferien leisten, aber mein Bruder und ich waren unseren Eltern wichtiger als die Erwerbstätigkeit beider Elternteile. Wir hatten dennoch eine glückliche Kindheit und wussten, wo wir zuhause sind.

    einklappen einklappen
  • Der Sinn vom am 08.04.2019 07:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kids Office?

    Gibt es bei uns in der Firma schon länger. Allerdings sehe ich den Sinn dahinter nicht wirklich. Die Eltern die mit ihren Kindern in dieses Kids Office gehen, planen dies und es sind praktisch nie Notfälle. Unsere Firma bietet auch Homeoffice an. Wieso also ins Kids Office wenn man auch von zu Hause aus arbeiten kann wo sich das Kind eh wohler fühlt?

    einklappen einklappen
  • Jasmina am 08.04.2019 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bürogummis

    Ich bin Lehrerin und mein Mann Mechaniker. Ich schätze mal diese Lösungsvorschläge sind nicht für alle Berufsgruppen geeignet!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • smith am 09.04.2019 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Kommentare

    Wenn die Arbeitgeber versuchen den Familien oder Alleinerziehenden entgegenzukommen, ist es nicht ok, wenn sie nichts machen ist es auch nicht ok. Hauptsache Rummotzen. Als ich mal krank war durfte ich meine Mam zum Unterricht begleiten und habe dort ein Buch angeschaut und mich ruhig verhalten, weil ich wusste, dass sie dort arbeitet, und war Stolz darauf dass es klappte. Aber ich weiss, für die Millenniums Kids unvorstellbar, und das Beste gerade gut genug

  • Tanja am 09.04.2019 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wunschkonzert

    Wow.. Wisst ihr eigentlich, was ihr wollt? Generell Kommis bei 20 Min. Wenn eine Mutter bei den Kindern bleibt heisst es, sie würde sich auf Kosten des Vaters ein schönes Leben machen, ihn ausnutzen, sei faul uswusf.( weil Mutter sein ist ja easy) , bashing gegen Mütter die zuhaus bleiben. Geht eine Mutter arbeiten, dann ist sie eine Rabenmutter, die ihre Kinder im Stich lässt, 5 er unds Weckli- bashing gegen die arbeitendem Rabenmütter. Frau muss sich, egal was sie tut rechtfertigen, komplett wiedersprüchlich. Dann sagt mir doch mal bitte; was ist denn eigentlich erwünscht?

  • Sarah am 09.04.2019 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das arme Kind

    Zum Glück muss mein Kind das nicht mitmachen.

  • ire am 09.04.2019 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AHV

    Ausserdem,hies es immer,wenn die Frauen arbeiten gehen, hat die AHV mehr davon,wo bitte,sie reden ja immer noch von minus?

  • aber sonst nichts.... am 09.04.2019 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    traurig, viel geld

    denke nostalgisch zurück, als noch ein einkommen reichte, um eine familie zu ernähren. mama zuhause gutes, gesundes essen vorbereiten konnte und die ganze familie am tisch ass, diskturierte und scherzte. das waren noch zeiten. ich als kind fand das wunderbar und herzerwärmend. es gab nicht diesen kranken konsum, man war bescheiden.heute beneide ich keine kinder mit karrieremütter. man muss die ganze energie nur noch in die arbeit stecken. manchmal 24h. die meisten haben ausser ihrer arbeit, keinen anderen sinn im leben. ich sag bloss, arme welt. ich arbeite zum leben und nicht umgekehr

    • mum am 09.04.2019 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @aber sonst nichts....

      Die Zeit als Mütter sich "nur" um den Haushalt und die Kinder kümmern konnten ist gab es vielleicht mal... aber wenn man mal die Geschichte anschaut hatten Mütter meistens noch sehr viel andere Arbeit und konnten nicht ständig die Kinder bemuttern...

    einklappen einklappen