Probebohrungen

05. August 2009 14:02; Akt: 06.08.2009 08:54 Print

Liegt unter dem Genfersee Erdgas?

Was sich doch überraschend anhört, will eine Firma mit Sitz in Vevey nun herausfinden: Gibt es unter dem Genfersee Erdgasvorkommen - und wenn ja, lohnt sich deren Förderung? Experten geben diesem Vorhaben keine grossen Erfolgsaussichten.

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Schlummern unter dem Genfersee Erdgasvorkommen? (Bild: Keystone/Martin Rüetschi)

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Die Firma Petrosvibri wird im November unter dem Genfersee mit der Suche nach Erdgas und Erdöl beginnen. Die Verantwortlichen vermuten drei Kilometer unter dem Lac Leman grössere Gasvorkommen. Erstmals wollen sie mit Probebohrungen in so grosse Tiefen vordringen.

Philippe Petitpierre, Vize-Präsident von Petrosvirbi, bezeichnete das Vorhaben, das vor kurzem von den Behörden bewilligt wurde, als «aussergewöhnlich». Nach mehr als 15 Jahren Vorbereitung wurde das Bohrgesuch in den letzten neun Monaten von der Standortgemeinde Noville und den zuständigen Waadtländer Kantonsstellen geprüft.

Bis zu zwei Jahre bohren

Im Juli erteilten sie grünes Licht. Die ersten Tiefbauarbeiten sollen in Kürze aufgenommen werden, damit der Bohrturm ab November betriebsbereit ist, wie Petitpierre am Mittwoch vor den Medien in Vevey erklärte.

Die Bohrungen sollen 18 bis 24 Monate andauern. Petrosvibri steht für die Exploration ein Budget von 22,5 Millionen Franken zur Verfügung. Das Bohrloch soll bis in 3000 Meter Tiefe führen. Insgesamt wird das Bohrloch 4000 Meter lang sein, da es vom Festland unter den Seegrund und von dort weiter in die Tiefe führt.

Zuversicht der Geologen

Nach Ansicht der Geologen gibt es in diesen Zonen mit Bestimmtheit Erdgas. Offen ist wie viel und ob sich dessen Förderung rentiert. Die Geologen schliessen auch Erdöl-Vorkommen nicht aus. Die Chancen ausreichende Vorkommen zu finden, beziffern die Verantwortlichen mit 15 Prozent.

Werden namhafte Vorkommen gefunden, muss zwischen den Kantonen Waadt, Wallis und Frankreich je nach Lage des Feldes ein Verteilschlüssel ausgehandelt werden. Die Promotoren verfolgen mit dem Bohrloch auch Geothermie-Pläne.

Verlaufen die Bohrungen planmässig, sollen die für die Exploration nötigen Nutzbauten bis im dritten Quartal 2011 wieder zurückgebaut sein. Wie der Stadtpräsident von Vevey Pierre-Alain Karlen erklärte, hat Petrosvirbi die nötige Garantie für die Umweltverträglichkeit abgegeben.

Öffentliche Hand indirekt beteiligt

Der Firma gehört den Erdgasvertriebsgesellschaften Gaznat AG (66%) und Holdigaz (34%), die sich ihrerseits teilweise im Besitz der öffentlichen Hand befinden.

(sda)