Schweiz mit Frankreich

22. Dezember 2011 17:10; Akt: 22.12.2011 17:11 Print

Lob für die Auslandspläne der Post

Die grenzüberschreitenden Pläne der Schweizerischen Post kommen gut an. Gewerkschaften hoffen, dass durch die Zusammenarbeit mit Frankreich Arbeitsplätze gehalten werden können.

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Im Briefzentrum der Post in Härkingen werden die Briefe teils automatisch, teils manuell sortiert. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Das Zusammenlegen des internationalen Briefpostgeschäfts der Schweizerischen Post und Frankreichs La Poste hat ein positives Echo ausgelöst. Die Gewerkschaften sehen die Chancen steigen, die Beschäftigung im Briefmarkt zu halten. Auch ein Post-Experte sieht darin Sinn.

Der Personalverband transfair und die Gewerkschaft Medien und Kommunikation syndicom erklärten am Donnerstag unisono, das am Vorabend von der Post angekündigte Joint-Venture könne «aus gewerkschaftlicher Perspektive eine Chance darstellen».

Das Bündeln von Synergien im Auslandengagement der beiden nationalen Postanbieter könne dazu beitragen, das Briefvolumen im Inland zu stabilisieren. Somit würden auch die Chancen steigen, dass die Beschäftigung im tendenziell rückläufigen Briefmarkt gehalten werden könne.

Stark unter Druck

Das internationale Briefgeschäft leide stark unter dem Markt- und Kostendruck, sagte am Donnerstag Wolfgang Stölzle, Professor für Logistikmanagement an der Universität St.Gallen, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die erforderlichen Mengensteigerungen liessen sich auf rückläufigen Märkten nur durch internationale Zusammenschlüsse von Briefpostunternehmen realisieren. «Dies spricht grundsätzlich für ein Zusammengehen der Schweizer und der französischen Post.»

Die Netze zur Beförderung und Verteilung von Briefpost seien stark Fixkosten-intensiv. Sie drohten, bei rückläufiger Auslastung defizitär zu werden, sagte der Logistik-Experte. Das gelte insbesondere für das internationale Briefgeschäft. In diesen seien die Volumina pro Relation geringer und die Distanzen länger im Vergleich zu nationalen Briefnetzen. «Vor diesem Hintergrund erscheint es grundsätzlich sinnvoll, die Wirtschaftlichkeit der Netze durch höhere Volumina sicher zu stellen.»

Zudem stärke das neue Joint-Venture die Marktposition gegenüber anderen starken, international tätigen Briefpostunternehmen. Allerdings seien generell internationale Zusammenschlüsse mit speziellen Hürden und Risiken behaftet. «Darauf sollten sich die beiden Dienstleister einstellen», sagte Stölzle.

Swiss Post International wird aufgeteilt

Um im Wettbewerb zu bestehen, teilt die Schweizerische Post parallel zum Joint-Venture den Konzernbereich Swiss Post International(SPI) auf.

SPI ist mit seinen Angeboten im grenzüberschreitenden und internationalen Brief- und Paketversand bislang auf zwei Märkten (Kommunikation und Logistik) tätig. Neu wird das Kurier-, Express- und Paket-Geschäft per 1. Januar 2012 PostLogistics zugeordnet.

Die restlichen SPI-Teile, darunter das Briefgeschäft, werden vorerst als organisatorische Einheit PostMail zugeteilt. Operativ bleibt die Führung der SPI-Einheiten bis zum 30. Juni 2012 beim bisherigen Leiter Jean-Pierre Streich.

Stellenabbau möglich

«Mittelfristig kann die Schaffung neuer Synergien zu einem Abbau von Stellen führen», schreibt die Post. Dabei werde die Post ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und alles unternehmen, um Entlassungen zu vermeiden. Für die Kundinnen und Kunden von SPI habe die Aufteilung keine Auswirkungen.

Die Gewerkschaft syndicom ist nicht gewillt, einen allfälligen Stellenabbau hinzunehmen, wie sie am Donnerstag erklärte. Bei den Anstellungsbedingungen der Mitarbeitenden von SPI und deren Tochterunternehmen SPIMAG und SPILOG dürfe es keine Verschlechterungen geben. Das hielt auch transfair fest.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • yanell f am 22.12.2011 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    gegessen

    ich weiss nur: wenn ich zwei jahre lang gutes höre, von der schweizer post, werde auch ich meine packete wieder mit der post versenden. nach "hundert" jahren im geschäft, sollte man doch richtig professionell sein, die post ist aber nur schlechter und teurer geworden. für mich ist das ganze gegessen.!

  • Michele am 22.12.2011 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bundeshaus Kooperation mit Elysee Palast

    Was sollen diese ständigen Auslands Kooperationen, Verkäufe, Auslagerungen...? Wollen wir nicht die Schweiz nach Russland verlagern, dann haben wir mehr Platz für Ausländer.

  • Hunter am 22.12.2011 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gewerkschaften

    In der Vergangenheit haben wir Beispiele eines Engagements von Schweizer Firmen in Ländern mit starken Gewerkschaften und komplexen Arbeitsgesetzen gesehen. Schon die Swissair hat eine Schuh voll herausgezogen als sie sich die Sabena in Belgien geangelt hat. Kurzfristig scheint auch klar zu sein, welche Arbeitskräfte ihre Arbeit verlieren werden, sicher nicht die gewerkschaftlich gut geschützten Franzosen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy M am 23.12.2011 04:11 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt die CH-Post auf vordermann!

    Das aller letzte, nicht einmal mehr eine eigenständige Post in Zukunft mehr und noch mehr Beamten Bürokratie. Besser einmal die eigene Post auf vorderman bringen & die zu hohen Gehälter, Pensionen, Altersvorsorge, vergünstige Ferienunterkünfte etc. im Kaderbereich abschaffen. Des weiteren koennte man auch die Bürokratie strukturell vereinfachen & den Mitarbeitern mehr verantwortung übertragen. Die Gebäude sollten besser genutzt werden, der Fahrzeugpark auf den aller neusten Stand bringen, was der Energieverbrauch betrifft. Vermehrt mit privaten Kurierdienstleistern zusammen arbeiten.

  • B. S. am 23.12.2011 03:35 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Post

    ist leider eine Katastrophe. Langsam, teuer und unsympathisch.

  • Hanspeter Niederer am 22.12.2011 23:55 Report Diesen Beitrag melden

    vorprogrammierter Flop

    Ein weiterer vorprogrammierter Flop. Post wieder verstaatlichen, ihr eine Banklizenz geben und aufhören mit diesem ganzen Restrukturierungs- und Synergie-Blödsinn. Sieht jeder Kindergarten-Anwärter, aber nein, man will lieber wieder Millionen verbraten im Ausland und als Folge einfach die Gebühren erhöhen.

  • Hunter am 22.12.2011 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gewerkschaften

    In der Vergangenheit haben wir Beispiele eines Engagements von Schweizer Firmen in Ländern mit starken Gewerkschaften und komplexen Arbeitsgesetzen gesehen. Schon die Swissair hat eine Schuh voll herausgezogen als sie sich die Sabena in Belgien geangelt hat. Kurzfristig scheint auch klar zu sein, welche Arbeitskräfte ihre Arbeit verlieren werden, sicher nicht die gewerkschaftlich gut geschützten Franzosen.

  • Housi Knecht am 22.12.2011 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Oh je

    wahrscheinlich kommt es so wie bei der Swisscom, die Post wird vom maroden Italien über denn Tisch gezogen.