Mubarak reicher als Gates

15. Februar 2011 08:42; Akt: 15.02.2011 09:53 Print

Lohn 808 Dollar – Vermögen 70 Milliarden

von K. Laub, T. El-Tablaw, AP - Der ägyptische Ex-Präsident Mubarak soll noch reicher sein als Bill Gates. In der Schweiz gingen erste Meldungen über eingefrorene Gelder ein.

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Ein Demonstrant reisst in Alexandria ein Porträt-Bild von Hosni Mubarak hinunter (Bild: Keystone)

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Mubarak ist weg – und die Welt rätselt über den Aufenthaltsort und den Gesundheitszustand des Ex-Präsidenten. Am Montag meldete «Stern.de», der Alleinherrscher sei in das Emirat Sharjah geflohen. Offizielle Stellen dementierten umgehend. Später berichtete die Kairoer Zeitung «Al Masry al Youm» mit Berufung auf «gut informierte Quellen», Mubarak läge seit Samstag im Koma, befinde sich aber immer noch in Scharm el Scheich. Unklar ist auch, wo sich die gigantischen Vermögen des Despoten befinden. Weltweit fahnden Spezialisten nach Mubaraks Milliarden.

Die Schweiz hat das im Land angelegte Vermögen Mubaraks und seines Clans eingefroren. Dafür hat Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey am Freitag eine entsprechende Verordnung in Kraft gesetzt. Auf Anfrage von 20 Minuten Online bestätigte das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Dienstag, dass erste Meldungen über festgesetzte Mubarak-Gelder eingegangen seien. Über die Höhe der Summen könne man aber noch keine Angaben machen. Es könnte noch mehrere Tage dauern, bis genauere Informationen verfügbar seien, hiess es in Bern.

EU berät über Konten-Sperrung

Auch in den EU-Ländern sollen die Vermögen führender Mitglieder des Mubarak-Regimes eingefroren werden. In mehreren Ländern sei eine entsprechende Anfrage aus Kairo eingegangen, teilte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde am Montagabend in Brüssel mit. Wichtige Gremien der EU wie der Finanzministerrat wollen bereits am Dienstag über die Kontenfrage beraten. Wie aus EU-Kreisen verlautete, droht auch Mubarak selbst eine Sperrung. Dies wurde von Lagarde jedoch nicht bestätigt.

Antikorruptionsexperten gehen davon aus, dass es kaum möglich sein wird, alle Konten des Ägypters aufzuspüren. Mubaraks Vermögen wird auf 70 Milliarden Dollar geschätzt - mehr als jenes von Bill Gates. Das Vermögen des Microsoft-Gründers beträgt laut Schätzungen 53 Milliarden Dollar.

Monatslohn von 808 Dollar

«Oh Mubarak, sag uns, wo du die 70 Milliarden hast», skandierten Demonstranten kurz vor dem Rücktritt des Staatschefs am Freitag. Korruption war Teil des Herrschaftssystems Mubaraks in Ägypten, wo fast die Hälfte der 80 Millionen Einwohner von weniger als zwei Dollar am Tag leben muss. Seilschaften, die mit dem Mubarak-Clan in Verbindung standen, schanzten sich gegenseitig Staatsaufträge zu, öffentliche Gelder flossen in private Taschen, und die Familie und die Anhänger des Präsidenten kassierten häufig mit. Das offizielle Gehalt Mubaraks war indes niedrig: Als Staatschef verdiente er lediglich 808 Dollar monatlich.

Mubaraks Vermögen stammt nach Recherchen von Antikorruptionsexperten hauptsächlich aus Geschäften aus den Neunzigerjahren, bei denen Staatsunternehmen und Ländereien in grossem Masse privatisiert wurden. Dabei griffen der Präsident, seine Familienangehörige und seine Anhänger zu. «Die Privatisierung war die grösste Korruptionsaffäre in der Geschichte Ägyptens seit den Pharaonen», sagte Ahmed Elsayed Elnaggar, Herausgeber der Fachzeitschrift Egypt's Economic Report. Eine öffentliche Diskussion über das Gebaren der Elite des Landes gab es in Ägypten nicht.

Zum Teil arbeiteten Mubaraks Clan-Mitglieder selbst in Firmen, die ihnen Zugriff auf interessante Geschäfte ermöglichten. So war Mubaraks jüngerer Sohn Gamal zwischen 1996 und 2001 Direktor der Londoner Investment-Firma Medinvest Associates Ltd. und residierte in einem sechsstöckigen Haus im Nobelstadtteil Knightsbridge. Gamal Mubarak stieg anschliessend in der regierenden National Democratic Party in höchste Ämter auf.

Transparenz nur symbolisch umgesetzt?

In den vergangenen Tagen forderten immer mehr Bürgerrechtsgruppen, die Staatsanwaltschaft solle Ermittlungen wegen Mubaraks Vermögen aufnehmen. Inwieweit es dazu tatsächlich kommt, hänge von der weiteren Entwicklung im Land ab, sagt Eric Lewis, ein auf Korruption spezialisierter Anwalt aus Washington. Immerhin seien die Konten einiger früherer Regierungsmitglieder eingefroren worden, auch hätten die neuen Machthaber Reiseverbote gegen sie verhängt. «In einem politischen Umbruch wie jetzt in Ägypten wird immer der Ruf nach Transparenz laut. Am Ende sieht es jedoch meist anders aus, und die Transparenz wird weniger real als eher symbolisch umgesetzt», so Lewis.