Travail Suisse

13. August 2019 14:55; Akt: 13.08.2019 16:37 Print

Lohn soll um mindestens 2 Prozent ansteigen

Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse findet, dass es einen Nachholbedarf bei den Löhnen gibt. Im Fokus stehen die Tiefstlöhne und die Frauenlöhne.

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Der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse und die Mitgliedsorganisationen Syna, Hotel & Gastro Union und transfair fordern für 2020 Lohnerhöhungen von mindestens zwei Prozent. Im Fokus stehen die Tiefstlöhne und die Frauenlöhne.

Erstmals seit zehn Jahren, dafür aber gleich zwei Jahre in Folge, seien die Arbeitnehmenden mit Reallohnverlusten konfrontiert worden, hiess es an einer Medienkonferenz der Arbeitnehmendenorganisationen vom Dienstag in Bern. Für Travail.Suisse und seine Mitgliederverbände ist deshalb klar, dass es einen Nachholbedarf bei den Löhnen gibt.

Kaufkraft der Arbeitnehmenden erhalten

In den letzten beiden Jahren sei die Wirtschaft um 4,2 Prozent gewachsen und auch die Prognosen für 2019 liessen ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,2 Prozent erwarten, argumentierte Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. In krassem Kontrast dazu stünden die Reallohnverluste der Arbeitnehmenden in den beiden letzten Jahren.

In der Lohnrunde 2019 gehe es darum, die Kaufkraft der Arbeitnehmenden zu erhalten, die Reallohnverluste der beiden letzten Jahre zu kompensieren und die Arbeitnehmenden angemessen am Wirtschaftswachstum zu beteiligen.

Mit einer kumulierten Teuerung von 1,4 Prozent in den letzten Jahren und einem gleichzeitigen Nominallohnwachstum von 0,9 Prozent habe für die Arbeitnehmenden ein Reallohnverlust von 0,5 Prozent resultiert.

Lohnschere hat sich weiter geöffnet

Werde die Erhöhung der Krankenkassenprämien mitberücksichtigt, die das verfügbare Einkommen in den Jahren 2017 und 2018 um jeweils 0,3 Prozent geschmälert habe, so werde deutlich, dass die Arbeitnehmenden trotz Wirtschaftsaufschwung immer weniger Geld zur Verfügung hätten.

Kritisiert wird auch die sich weiter öffnende Lohnschere: Die Konzernleitungen hätten seit 2011 ihre Bezüge um 19 Prozent erhöht, während sich die übrigen Arbeitnehmenden mit 4,3 Prozent hätten begnügen müssen.

Zudem wurde darauf hingewiesen, dass seit 2007 der Anteil an generellen Lohnerhöhungen kontinuierlich abgenommen habe. Seien von 2007 bis 2009 noch über zwei Drittel der Lohnmassnahmen generell verteilt worden, so seien es von 2016 bis 2018 lediglich noch bei einem Drittel der Fall gewesen. Das sei nicht nur intransparent und willkürlich, sondern verschärfe auch das Problem der Reallohnverluste für die betroffenen Arbeitnehmenden.

Frauenlöhne und Tiefstlöhne im Fokus

Ein besonderer Fokus müsse dieses Jahr auf der Erhöhung von Tieflöhnen in Berufen, in denen mehrheitlich Frauen arbeiteten, gelegt werden. Höhere Löhne für Frauen und weniger Lohndiskriminierung zwischen den Geschlechtern seien eine Voraussetzung, um die Erwerbstätigkeit von Frauen attraktiver zu machen und auch den Fachkräftemangel zu vermindern.

Auch Syna fordert über alle Branchen hinweg mindestens zwei Prozent generelle Lohnerhöhung. Die Lohngleichheit müsse jetzt hergestellt werden. Der durchschnittlich fast 1500 Franken tiefere Frauenlohn sei nicht mehr akzeptabel. Im Detailhandel, im Gastgewerbe, in den Coiffeurbetrieben oder auch im Gesundheitswesen sei eine gezielte Entwicklung der Tieflöhne notwendig zugunsten der Frauen.

Dass viele Arbeitgeber im Detailhandel, oder auch im Gastgewerbe einerseits über mangelnde Fachkräfte jammerten, dann aber nicht bereit seien, in Bildung sowie attraktive Arbeits- und Lohnbedingungen zu investieren, sei nicht akzeptabel.

Verurteilt wird von Syna auch die etwa im Gesundheitswesen verbreitete Praxis, den Fachkräftemangel mit ausländischen und schlechter bezahlten Arbeitnehmenden zu decken. Im Detailhandel und im Gesundheitswesen seien generelle Reallohnerhöhungen von zwei Prozent notwendig. Im Gastgewerbe sollen die Teuerung ausgeglichen und die Löhne für alle um 0,8 Prozent real erhöht werden.

Für die Branchen des Ausbaugewerbes fordert Syna einen generellen Teuerungsausgleich und Reallohnerhöhungen von mindestens zwei Prozent. Für die Firmen der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie brauche es mindestens zwei Prozent generelle Lohnerhöhungen in Abhängigkeit zu den vergangenen Lohnabschlüssen. Für die Pharma- und Chemieindustrie werden Erhöhungen um mindestens zwei Prozent gefordert.

Erhöhungen für starken Service Public

Auch der Personalverband Transfair fordert nach den Worten seines Präsidenten, dem Solothurner CVP-Nationalrat Stefan Müller- Altermatt, angemessene Lohnerhöhungen. Bedauert wird, dass in öffentlichen Unternehmen zum Nachteil der Angestellten umstrukturiert wird.

Für einen starken Service Public seien angemessene Lohnerhöhungen notwendig, gerade in Zeiten hohen Wachstums. Im Service Public sei das Personal nach wie vor wirtschaftlichem und politischem Druck ausgesetzt, insbesondere im Hinblick auf die Finanzierung.

Für die Branchen Communication, Post/Logistik, Öffentlicher Verkehr und Öffentliche Verwaltung, die aufgrund der Digitalisierung unter Druck stünden und deren Kaufkraft seit Jahren stagniere, fordert, Transfair generelle Lohnerhöhungen. Dies hätten sich die Angestellten redlich verdient.

Gerade in der öffentlichen Verwaltung würden die ausgezeichneten Haushaltsergebnisse der beiden letzten Jahre mit Überschüssen von 2,8 beziehungsweise 2,5 Milliarden Franken ein günstiges Umfeld für Lohnerhöhungen schaffen. Im Rahmen der Lohnverhandlungen 2020 und den bevorstehenden Verhandlungen über neue Gesamtarbeitsverträge werde sich der Personalverband für die Lohngleichheit einsetzen.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steve am 13.08.2019 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkt doch endlich nach

    Was nützen einem 2 % Lohnerhöhung, wenn KK Prämien und Mieten steigen. Mit einer Senkung der Prämien, Mieten, Steuern und Preisen wäe schon viel getan. Die Arbeitgeber sind nicht die Übeltäter, sondern der Staat, der all dies zulässt. Ic frag mich ernshaft, warum das Viele nicht kapieren wollen.

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  • M M am 13.08.2019 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hohn

    Habe in den letzten fünf Jahren 0,0% bekommen.

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  • nikotin am 13.08.2019 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das sind Probleme, und nicht 2%...

    ist ok. aber lieber die Probleme lösen bei denen wo gerne arbeiten würden, und finden keine Arbeit weil sie über 50 sind !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruth am 16.08.2019 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    MACHT ÜBERHAUPT KEINEN SINN

    Teuerungen von A-Z fressen alles wieder weg und keiner hat einen Nutzen davon, ausser Staatssteuern + Banken. Vermutlich währe bei der heutigen Überhitzung eine Rezession besser, dann müssten sich wieder alle nach der eigenen Decke strecken. Dann müsste der Finanz-Hausalt vom Staat + Privat heruntergefahren werden. Die Finanzen dürfen nicht mehr so leichtsinnig vergeben / ausgegeben werden und die Banken müssen auch massiv in die Schranken gewiesen werden was Kredite usw. anbetrifft.

  • Arbeitgeber am 15.08.2019 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kaufkraft

    Viele KMU aber auch Grossbetriebe würden gerne die Löhne erhöhen. Zwar nicht alle aber viele Unternehmen müssen sich im internationalen Umfeld behaupten. Der Franken ist in den letzten Monaten wider deutlich stärker geworden und wird es in den nächsten Monaten bleiben. Daran dass die Kosten im Gesundheitswesen ständig steigen ist nicht der Staat schuld sondern wir alle können dies beeinflussen indem wir nicht wegen jeder Lapalie zum Arzt rennen. Die Kaufkraft ist in den letzten 6 Jahren in etwa gleich geblieben. Die meisten Unternehmer werden individuell 0.5 - 1.0 % auf 2020 vorsehen.

  • Is So am 15.08.2019 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kapitalismus

    Ich empfehle jedem mal ein Buch von Jean Ziegler zu lesen. Habe "was ist so schlimm am Kapitalismus" gelesen und werde sicher noch einige von ihm und Autoren die über dieses Thema schreiben Lesen.

    • Kirschblüte am 15.08.2019 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Is So

      Möchten Sie immer mehr Geld oder ist Ihr Konto genug voll.

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  • Redsnapper am 15.08.2019 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Milchbüchlirechnung

    Warum erhalten die teuersten Sozialhilfeempfänger der Nation 3 Rp. mehr für die Milch? Mit der höheren Prämie der Krankenkassen und die höhere Steuerrechnung habe ich weniger als vorher im Geldbeutel.

  • Züri am 15.08.2019 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr lohn

    Leider erhalte ich nur 6400 franken und alle 2-3 Monate 7500.- leider zu wenig. Hoffe auf nächstes jahr mehr. Arbeite beim kanton

    • Peter am 15.08.2019 12:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Züri

      Zürcher sind bekannt, das ihr mit dem Geld gerne Blufft. Ihr vergisst nur, das keiner von euch das Geld mitnehmen kann, wenn ihr von der Erde gehen müsst.

    • Bartli am 16.08.2019 07:00 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Problem

      täglich berichtet uns der weltweite Boulevard wer gerade wieder schwanger ist, also geht Geld doch auch an die Erben. Oder etwa nicht?

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