New Work

28. September 2019 19:31; Akt: 03.10.2019 18:08 Print

Wieso reden Schweizer so ungern über ihren Lohn?

Zum Thema Lohntransparenz hat Xing eine Podiumsdiskussion organisiert. Wir haben die Anwesenden gefragt, wie viel sie verdienen.

Wer verrät seinen Lohn? Recruiterin Judith Oldekop, Unternehmer Hannes Gassert, Moderator Sandro Spaeth und Wissenschaftlerin Alexandra Arnold. (v.l.n.r.) Video: Xing/PST
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Wie viel verdienst du? Eine Frage, die in der Schweiz kaum jemand stellt. An der Podiumsdiskussion «Transparente Löhne – faire Löhne?» wurde genau diese Frage trotzdem gestellt. Unser Redaktor hat mit der Recruiterin Judith Oldekop von der Digital-Agentur Namics und mit Hannes Gassert, Gründer der Digital-Agentur Liip und zurzeit SP-Nationalratskandidat, über Lohntransparenz gesprochen. Mit in der Runde war auch Alexandra Arnold, Wissenschaftlerin an der Universität Luzern.

Umfrage
Was halten Sie von Lohntransparenz?

Wer seinen Lohn verrät, seht ihr im Video oben – oder ihr lest es weiter unten im Text. Die Panel-Teilnehmer waren vorgängig nicht über die Frage informiert worden, gleich selbst für Lohntransparenz im Saal zu sorgen.

Die Gäste im Panel:

Judith Oldekop hat bei Namics Lohntransparenz in den Stelleninseraten für IT-Leute in Deutschland eingeführt. «Hätte ich eine eigene Firma, gäbe es dort volle Transparenz», sagt die Recruiterin. Oldekop zögerte auch im Saal nicht lange und schrieb ihren Lohn aufs Blatt. Den Mitarbeitern im Arbeitsvertrag zu verbieten, über den Lohn zu sprechen, findet Oldekop sinnlos: «Über Löhne wird sowieso gesprochen».

Hannes Gassert hat 2017 mit seiner Firma mit 200 Angestellten nach einer internen Umfrage volle Lohntransparenz eingefüht: «Unsere Löhne stehen für alle zugänglich in einem Google-Sheet», sagt der Unternehmer. Ganz so transparent gab sich der SP-Nationalratskandidat vor dem Publikum dann aber doch nicht. Seine Begründung: Als Firmengründer, zurzeit aber im Teilzeitpensum und im Wahlkampf, kenne er seinen Lohn gar nicht so genau.

Alexandra Arnold leitet ein Forschungsprojekt zum Thema Lohntransparenz. Sie sagt: «Bei transparenten Löhnen muss man zeigen, dass man sein Geld wert ist.» Bedenkenlos notierte Arnold ihren Monatslohn aufs Papier und zeigte ihn ins Publikum. Auf die Frage, weshalb Schweizer beim Lohn-Thema so zurückhaltend seien, sagte die Wissenschaftlerin: «Sie möchten so bescheiden wirken. Schweizer befürchten, es komme nicht gut an, wenn sie ihren überdurchschnittlichen Verdienst erwähnen.»

Wandel in der Berufswelt

Die Gesprächsrunde fand am Mittwoch im Rahmen der ersten Schweizer New-Work-Sessions statt. Unter dem Titel «Schöne neue Arbeitswelt» hat das soziale Netzwerk Xing eine Bühne für den Dialog rund ums Thema New Work geboten. Rund 320 Führungskräfte, HR-Experten und Start-up-Gründer nahmen an der Veranstaltung teil.

Der Begriff New Work dient als Klammer für den Wandel in der Berufswelt und steht für eine Arbeitswelt, in der Menschen das tun können, was sie wirklich wollen.

(bsc/sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Da aani am 28.09.2019 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkäuferin

    Ich, Detailhandelsfachfrau EFZ bei 80% / 36H pro Woche, einen Lohn von 3100.- Brutto. Ich weiß es ist zu wenig... viel zu wenig... deshalb bilde ich mich in einer total anderen Branche weiter und hoffe das mir das Glück auch einen kleinen stups gibt damit es klappt. Diese langen Öffnungszeiten machen mir am meisten zu schaffen... (teilweise von 06:00-20:45) auf der Ladenfläche und es wird nur noch schlimmer.

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  • Decter1978 am 28.09.2019 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur Traurig

    Ganz einfach weil Neid und Missgunst in der Schweiz am wichtigsten sind. Niemand gönnt dem anderen etwas noch nicht mal die Butter auf der Semmel.

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  • ein schelm am 28.09.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wololo

    Vermutlich eine Mischung aus angst dass andere einen als Angeber und/oder Versager sehen. Ebenfalls, weils Privatsache ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Auf Decker am 01.10.2019 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Warum werden die Zusammenhänge ignoriert

    Für dreiviertel der Bevölkerung ist dieser Lohn eine Utopie und seit der Einführung der PFZ gibt es kaum eine Lohnsteigerung - im Gegenteil es werden speziell in Grenzgebieten Löhne aus den 80'er Jahren gezahlt und offensichtlich stört das niemand. Das dies zu einem volkswirtschaftlichen Schaden führt, wird kaum erwähnt, denn weniger Lohn = gleich weniger Kaufkraft = gleich weniger Konsum = gleich weniger Nachfrage = gleich weniger Produktion = gleich mehr Arbeitslose. Auf der anderen Seite hat sich die Zahl der Millionäre in den letzten Jahren verdoppelt - ist da nicht doch ein Zusammenhang?

  • Ardit am 01.10.2019 00:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reden Menschheit

    Wir müssen das es so sehen manche leute reden gern über ihren lohn und über alles und manche nicht das ist underschiedlich für mich spielt es keine rolle ich rede über alles ich habe keine probleme damit aber die menschheit ist verschieden gibt manche die möchten gern über alles reden und es gibt manche die nicht über alles reden wollen sondern für sich behalten wollen naja respektieren muss man trotzdem :)

  • Ausländer am 30.09.2019 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    Das hat mit dem Thema "Lohn" nichts zu tun, sondern mit der natürlichen Beschaffenheit des Schweizers und seines typischen Charakters. Kaum gesprächig, bünzlig, engstirnig, stur, arrogant, introvertiert, unsympatisch, überheblich und vorurteilsbehaftet. Nicht gerade die feinsten Eigenschaften. Deshalb, wie will er dann über seinen Lohn offen reden?

    • Nele am 03.10.2019 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Auslänger

      Sie kennen offenbar nur gerade die "ärgsten" Schweizer. Schade, Sie verpassen definitiv was...

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  • roger miller am 30.09.2019 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lohn

    es gibt löhne gehälter usw,ich mit 55 ausgestiegen lebte von gage das brachte s.

  • Vespe am 30.09.2019 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    ....Als Firmengründer, zurzeit aber im Teilzeitpensum und im Wahlkampf, kenne er seinen Lohn gar nicht so genau.... Ich musste lachen. Wie viel Geld muss man verdienen um die Summe nicht genau zu wissen. Sie meiste Menschen wissen wie viel sie verdienen. Halt +/- .

    • Markus am 30.09.2019 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vespe

      Wieso? Das kam schon sein. Ich habe eine GmbH, kenne zwar meinen festgelegten Lohn, aber ohne Bonus (Dividende). Vor allem am Anfang ist das noch nicht so klar

    • Unternehmer am 30.09.2019 13:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Markus

      Geht mir genau gleich: Als Firmeninhaber zahle ich mir zwar ein Fixum aus, die Dividende lege ich aber erst im Folgejahr fest. Und wenn's mal richtig mies läuft, gibt's dann halt auch weniger Lohn (für mich, nicht für die Angestellten). Aber dessen sind sich viele hier im Forum nicht bewusst, die meinen, die Chefs garnieren IMMER ab...

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