Hotels im Abseits

28. Juni 2012 11:30; Akt: 28.06.2012 11:45 Print

Luftmatratzen-Piraten entern Lofts und Villen

von Sabina Sturzenegger - Airbnb – das ist der Online-Marktplatz für Übernachtungen. In der Schweiz boomt das Geschäft mit den privaten aussergewöhnlichen Unterkünften. Die Hotels müssen auf der Hut sein.

Bildstrecke im Grossformat »
Diese Unterkunft lässt sich verschieben. Der in Grossbritannien stationierte Old-School-VW-Bus kostet pro Woche 1570 Franken. Er bietet Platz für bis zu sechs Personen. Aussergewöhnliches Übernachten im romantischen Iglu: Möglich ist das im slowenischen Skigebiet Krvavec. Für zwei Personen kostet das Schneehaus 181 Franken pro Nacht. Das Flugzeug-Haus, bestehend aus einer Boeing-Maschine aus dem Jahr 1965, steht in Costa Rica. Die Übernachtung kostet 384 Franken. Diese Unterkunft in San Francisco bietet alles, was das Herz begehrt. Fünf Balkone, zwei Fernseher, moderne Einrichtung. Die Übernachtung kostet 240 Franken pro Nacht. Mehr als zwei Gäste will der Vermieter aber nicht aufnehmen. Übernachten an der 37th Street in New York? Kostenpunkt: 331 Franken für zwei Personen. Mieten Sie ihre eigene kleine Insel auf Fidschi. Nanuku Levu Island ist ein 10 Hektar grosses Paradies voller Kokospalmen. Die Übernachtung kostet 336 Franken pro Nacht. Ein Koch, ein Führer und eine Haushälterin sind inklusive. Diese Unterkunft hat Platz für 13 Personen. Die Übernachtung in Tipi Island im holländischen Flevoland kostet 59 Franken pro Person. Wer will da noch auf Safari? Hier kommen die Giraffen bis an den Frühstückstisch. Die Übernachtung im Privat-Schloss in der Nähe von Nairobi (Kenia) kostet 480 Franken. Diese Luxusunterkunft steht in Miami Beach, USA. Kostenpunkt: Über 2100 Franken pro Nacht. Flugzeug statt Hotelzimmer? Die Übernachtung in einer alten vietnamesichen Frachtmaschine kostet 216 Franken pro Nacht. Die Unterkunft steht in Otorohanga, in Norden von Neuseeland. Diese Loft in Berlin-Mitte kostet 142 Franken pro Nacht. «Sehr geeignet für einen perfekten Stadt-Aufenthalt», schreibt Vermieter Florian. Traumaussichten bietet die griechische Insel Santorini. Pro Nacht sind hier 468 Franken fällig.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Er ist das beste Beispiel eines Airbnb-Nutzers: Eugen Miropolski, Ländermanager von Airbnb für Zentral- und Osteuropa, hat keine eigene Wohnung mehr. Seine Aufenthalte in verschiedenen Städten der Welt verbringt er seit mehreren Monaten in den Wohnungen von Gastgebern, die über seine Plattform vermittelt werden. Miropolski ist kein alternativer Hippie, der bei jedem auf dem Boden schlafen würde, sondern Geschäftsmann.

Umfrage
Wie bewerten Sie das Angebot von Airbnb?
56 %
9 %
5 %
30 %
Insgesamt 465 Teilnehmer

Airbnb ist eine Abkürzung für airbed and breakfast, was so viel heisst wie Luftmatratze und Frühstück. Doch der Name täuscht: Die Klientel von Airbnb besteht immer weniger aus anspruchslosen Sofasurfern, die bloss billig übernachten wollen. «Airbnb-Nutzer wollen eine Kombination aus aussergewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten sowie den Kontakt zu den Menschen vor Ort», sagt Nathan Blecharczyk, Mitgründer des kalifornischen Start-ups. Am Dienstag orientierte Blecharczyk über den durchschlagenden Erfolg seines Unternehmens – selbstverständlich in einem von seiner Firma vermittelten Loft im Zürcher Kreis 5.

Wohnung, Loft, Wohnwagen, Schloss

Das Geschäftsmodell von Airbnb funktioniert ähnlich wie ein Verkaufsangebot auf Ebay: Der Gastgeber schreibt die Übernachtungsmöglichkeit – eine Wohnung, eine Loft, ein Baumhaus, einen Wohnwagen, ein Schloss – auf der Plattform aus und legt dafür einen Preis fest. Interessenten, die über die Plattform buchen, zahlen den angegebenen Preis an Airbnb. Die Firma verdient an der Provision, die zwischen 6 und 12 Prozent des Buchungspreises beträgt.

Airbnb hat offensichtlich eine Marktlücke gefunden, denn das Angebot boomt: Seit der Gründung 2008 sind 10 Millionen Übernachtungen vermittelt worden. Zurzeit wird alle zwei Sekunden auf Airbnb eine Übernachtungsmöglichkeit gebucht.

1000 Unterkünfte in der Schweiz

Die Schweiz gehört bei Airbnb zu den am schnellsten wachsenden Märkten in Europa: In unserem Land sind heute über 1000 Unterkünfte buchbar. In den letzten drei Monaten hat ihre Zahl um mehr als 20 Prozent zugenommen, meldet Airbnb. Im gleichen Zeitraum haben sich die Buchungen aus der Schweiz mehr als verdoppelt. Der durchschnittliche Preis pro Nacht für eine Schlafgelegenheit beträgt 105 Franken.

Genauere Zahlen gibt Airbnb für die Schweiz nicht bekannt. Sie dürften sich allerdings auf einen Bruchteil der rund 35,5 Millionen Übernachtungen beschränken, welche die Schweizer Hotellerie im Jahr 2011 insgesamt erwirtschaftet hat. Trotzdem können andere in der Branche von solchen Wachstumsziffern nur träumen.

Experte: «Aus heutiger Sicht ein Nischenangebot»

René Zeier, Tourismus-Professor an der Hochschule Luzern, glaubt dennoch nicht, dass Airbnb die heimische Hotellerie unmittelbar bedrohen kann: «Airbnb muss aus heutiger Sicht gegenüber der Schweizer Hotellerie und den Ferienhausanbietern als ein innovatives und sicher erfolgversprechendes Nischenangebot angesehen werden.»

Auch der Verband der Schweizer Hoteliers sieht in Airbnb noch keine direkte Konkurrenz, wie Sprecher Alexander Rechsteiner sagt. Er schränkt jedoch ein: «Solche Angebote könnten in der aktuellen, wirtschaftlich schwierigen Situation aus rein preislichen Überlegungen eine Alternative zu den bestehenden Hotelangeboten sein.»

Spanier vermieten, was sie haben

Auch mit der Wirtschaftskrise hängt der Boom von Airbnb zusammen. So versuchen gerade im wirtschaftlich gebeutelten Ferienland Spanien viele ihr Glück auf eigene Faust und versuchen das, was sie schon haben – in diesem Fall ihren Wohnraum – zu Geld zu machen. Im vergangenen Jahr ist die spanische Gastgeber-Community laut Airbnb um 860 Prozent gewachsen. Auch in der Schweiz lohnt es sich, einen Teil des eigenen Wohnraums zeitweise zu vermieten: Der durchschnittliche Ertrag pro Monat beläuft sich auf 1250 Franken, wie die Macher der Plattform sagen.

Für die Qualität einer Unterkunft kann Airbnb zwar nicht garantieren wie ein anerkanntes Hotel-Label. Dafür hat Airbnb die Online-Community. «Die Bewertungen der Gäste sind ausschlaggebend», erklärt Blecharczyk. Eine besonders tolle Wohnung wird in der Community weiter empfohlen, negative Rückmeldungen verbreiten sich ebenso zuverlässig. Wenn einen Gast beim Betreten der Wohnung fast der Schlag trifft, kann er Airbnb anrufen und sein Geld zurückverlangen.

Community feiert gemeinsam

Überhaupt ist die Community der zentrale Pfeiler im Airbnb-Konzept: Sie bietet an, kauft, bewertet und verbindet - nicht nur virtuell. So feierte die Community zusammen mit Airbnb-Chef Blecharczyk am Dienstag Abend eine Party in Zürich. Mit dabei: Gastgeber, Gäste und solche, die es werden wollen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • André Gubelmann Brasilien am 29.06.2012 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schlafen im Stroh

    10x lieber Schlafen im Stroh,als blödsinnig so viel Geld vebuttern für 8 bis 10 Stunden Schlaf.Essen und Duschen ist vorhanden.Was braucht man mehr......

  • Denise am 29.06.2012 04:20 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache

    Bin im Moment gerade in Kanada und habe über airbnb ein apt in Vancouver Downtown gemietet, ist perfekt.. echt eine tolle sache.

  • Hans N. am 28.06.2012 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nanuku Levu Island

    Sieht richtig geil aus, ich frage mich nur für was man auf einer 10 Hektaren grossen Inseln ein Führer braucht? ;)

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 29.06.2012 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit...?

    Irgendwie schräg...alle sprechen über Gefahren und Datenschutz, aber wildfremde Leute ins Haus lassen, nur weil diese ein Profil bei irgendeiner Homepage haben, ist dann wieder in Ordnung. Ich frage mich, was eigentlich Gewerbeamt und Feuerpolizei dazu sagen, wenn ich jede Nacht Gäste in meiner Privatwohnung hoste - gelten dann nicht andere Regeln?

  • André Gubelmann Brasilien am 29.06.2012 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schlafen im Stroh

    10x lieber Schlafen im Stroh,als blödsinnig so viel Geld vebuttern für 8 bis 10 Stunden Schlaf.Essen und Duschen ist vorhanden.Was braucht man mehr......

  • Denise am 29.06.2012 04:20 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache

    Bin im Moment gerade in Kanada und habe über airbnb ein apt in Vancouver Downtown gemietet, ist perfekt.. echt eine tolle sache.

  • Andreas am 28.06.2012 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klasse Idee

    Cool... Muss ich mal schauen. Haben in der neuen Wohnung in Zuerich ein Zimmer "zuviel" und 3 Wochen im Juli bin ich alkeine.. Waere ne coole Sache ;-)

  • Bruno dias am 28.06.2012 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    adsd

    Gibts keine Seite wo man sich als "Reiseführer" n bischen extra Geld machen kann? ^^