Milliardäre

03. Oktober 2012 19:54; Akt: 04.10.2012 09:45 Print

Luxushotels sind ihr Hobby

von S. Spaeth - Mäzene stopfen nicht nur bei Sportclubs die Löcher. Sie sind auch in der Hotellerie verbreitet und leisten sich Luxushotels als Sammlerobjekte - für die Branche nicht nur von Vorteil.

Bildstrecke im Grossformat »
Hoch über dem Zürichsee thront die Nobelherberge Dolder Grand. Seit 2008 strahlt das Hotel in neuem Glanz. Zuvor hatte der Milliardär Urs E. Schwarzenbach das Nobelhotel für rund 450 Millionen Franken restauriert. In einem Interview mit dem «Tagesanzeiger» sagte Schwarzenbach 2011: «Seit 40 Jahren sammle ich Kunst und habe noch nie etwas verkauft. Auch plane ich nicht, das Dolder zu verkaufen, es ist meine Leidenschaft.» Unter den Hoteliers ist auch Bernie Ecclestone. Der Formel-1-Boss ist Eigentümer des Gstaader Hotels Olden, wo er auch ein ein grosses Chalet besitzt. Das Hotel Beau Rivage in Neuenburg gehört dem Luxus-Uhrenunternehmer Yves G. Piaget. Das Fünf-Sterne-Haus Kulm in St. Moritz ist im Besitz der Stiftung des 1996 verstorbenen griechischen Reeders und Kunstsammlers Stavros Niarchos. Einen Teil seines Geldes in Hotels investiert hat auch der Industrielle Thomas Schmidheiny Der Milliardär ist Besitzer der Hotels Quellenhof in Bad Ragaz und Walserhof in Klosters. Das Nobelhotel Lenkerhof gehört dem Investor und Künstler Jürg Opprecht. 30 Millionen hat Opprecht investiert. Er will sich aber nicht als klassischen Mäzen verstanden wissen: Das Haus werde rentabel geführt, so Opprecht. Ein Hotel besitzt auch der Hörgeräte-Pionier Andy Rhis. Dem heutigen Sonova-Verwaltungsrat gehört das Seehotel Al Porto in Lachen. Der Unternehmer Thomas Straumann (Mitte) will seine Hotels verkaufen. Er beabsichtigt, sich stärker um seine Medizinaltechnik-Firmen zu kümmern. (Archivbild) 2007 hatte Straumann ins Basler Hotel Drei Könige 150 Millionen investiert.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sie sind reich – so reich, dass sie sich den eigenen Sportclub, eine eigene Kunstsammlung oder auch das eigene Hotel leisten können: Für Mäzene steht bei einem Investment nicht die Rendite an erster Stelle. Man will ein Nobelhotel besitzen, weil es chic ist – oder investiert Millionen in ein Segelsyndikat, weil es Prestige bringt.

Mehr als 150 Millionen Franken hat der milliardenschwere Medizinaltechnik-Unternehmer Thomas Straumann vor sieben Jahren ins Basler Hotel Drei Könige investiert, 100 Millionen vor zwölf Jahren ins Gstaader Grand Hotel Bellevue. Nun will er laut Berichten seine Nobelherbergen verkaufen.

Ecclestone und Bertarelli

Straumann ist weit nicht der einzige Mäzen in der Schweizer Hotellandschaft: So besitzen beispielsweise Formel-1-Boss Bernie Ecclestone das Hotel Olden in Gstaad und Serono-Erbin Donata Bertarelli Späth das Gstaader Grand Hotel Park. Unter den «Hoteliers» sind auch der industrielle Thomas Schmidheiny (Grand Hotel Quellenhof, Bad Ragaz und Walsherhof, Klosters) sowie der Financier Urs E. Schwarzenbach. Ihm gehört unter anderem das 2008 wiedereröffnete Zürcher Dolder Grand. Zuvor hatte Schwarzenbach das Nobelhotel für 470 Millionen Franken restauriert.

Mäzene in der Hotellerie sind nicht unproblematische. Ihr Engagement führt laut dem «GastroJorurnal» dazu, dass Betriebe, die nicht rentabel geführt werden müssen, denjenigen ohne spendablen Gönner im Hintergrund das Wasser abgraben. Der auf Gewinn ausgerichtete Hotelinvestor will möglichst rasch eine Rendite von rund fünf Prozent, der Mäzen hingegen sieht sich als Förderer. Ihm reicht eine schwarze Null aus dem operativen Geschäft.

«Der eine Mäzen investiert in Kunst, der andere in ein Hotel», sagt Tourismus-Professor Urs Wagenseil. Wer so einen Geldgeber für sein Hotel habe gewinnen können, sei gegenüber jemandem, der einen Bankkredit zu verzinsen habe, sicher im Vorteil. Von einer Wettbewerbsverzerrung will Wagenseil aber nichts wissen. Die von Mäzenen finanzierten Hotels machten nur den kleinsten Teil der rund 5000 Schweizer Betriebe aus.

Grosse Ausstrahlung

Der Tourismusprofessor sieht in den Mäzenen sogar einen grossen Vorteil. «Mit den Investitionen in Hotels aus der Belle Époque wird viel wertvolle Bausubstanz erhalten.» Diese Art von Betrieben, die ökonomisch kaum zu halten wären, hat laut Wagenseil eine wichtige internationale Ausstrahlungskraft für die entsprechende Region.

Wohlwollend auf die immer grössere Zahl der Hotel-Mäzene reagiert man auch beim Verband Hotellerie Suisse. «Ihr Engagement wirkt sich positiv auf die Branche aus. In der Regel wird in Hotels investiert, die ein Potenzial zur Weiterentwicklung haben», sagt Sprecherin Susanne Daxelhoffer. Der Mäzen selbst sehe sich oftmals als Hotel-Fan, der gleichzeitig an einer stabilen Wertanlage interessiert sei. Von einer Behinderung des Wettbewerbs oder des Strukturwandels kann laut Daxlhoffer keine Rede sein.

Wer kauft Straumanns Perlen?

Als Kaufinteressent für die eingangs erwähnten Hotel-Perlen von Thomas Straumann herumgeboten wird in der Branche unter anderen der Name Qatari Diar Real Estate Investment Company. Die Firma investiert in die Luxushotellerie auf dem Bürgenstock derzeit 485 Millionen Franken.

Bereits im Portfolio der milliardenschweren Investmentgesellschaft im Besitz des Emirs von Katar sind der Berner Schweizerhof und das Hotel Savoy in Lausanne. Dass Straumanns Hotels an einen Schweizer Investor gehen, glaubt Wagenseil eher nicht: «Die grossen Investoren im Hotelbereich kamen in den letzten fünf Jahren primär aus dem Ausland.»

So möchte eine russische Gesellschaft seit fünf Jahren in der Nähe von Crans-Montana 160 Luxusappartements, 350 Hotelzimmer und 50 individuelle Chalets bauen. Und auch das Luzerner «Märchenschloss-Hotel» Château Gütsch befindet sich in russischen Händen. Seit gut zwei Jahren besitzt der Milliardär Alexander Lebedew eine Genehmigung zur Renovation und Erweiterung des Hotels aus der Belle Époque.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Larry am 03.10.2012 21:48 Report Diesen Beitrag melden

    Investieren+Abzocken+keine Steuer zahlen

    Die Reichen werden immer reicher + die Armen immer ärmer - wann hört diese Risiko - Spirale in der Schweiz entlich auf ? oder muss die Welt nobel zu Grunde gehen.

  • norrinradd am 03.10.2012 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    nobel geht die welt zugrunde

    wie dekadent.....

  • Af am 03.10.2012 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die negativen Kommentare

    Was wäre denn sonst mit dem schönen Drei König? Ich möcht es nicht missen... So ist Geld doch gut eingesetzt - oder nicht?!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs aus Wikon am 04.10.2012 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der pris machts

    Wenn ein 5 Sterne-hotel dank Mäzen nicht mehr kostendeckend arbeiten muss und die Suiten anstadt 5000 Frankn dann nur 500 kosten kommen die möchtegernz und verwüsten die kunstwerge. Das ist nicht zum aushalten ist das.

    • Toni Cotti am 04.10.2012 09:17 Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

      Da hast du recht. Das ist wirklich nicht zum aushalten ist das. Wir müssen die kunstwerge vor den möchtegernz schützen!

    einklappen einklappen
  • E.Michel am 04.10.2012 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    Buchhaltung beherrschen

    Wenn der Gewinn für die Aktionäre in die Taschen der Firmenbosse fliesst, statt einmal Dividenden zu zahlen, können sie wohl solche Hotelkomplexe kaufen. Die Umbaukosten können sie wiederum den Steuern abziehen und das Vermögen vermehrt sich so ganz unauffällig. Das ist die legale Art um wieder neues Waschpulfer zu kaufen. Trotzdem noch besser so, als die Firma ins Ausland zu verkaufen um sich so die Taschen zu füllen.

  • Hegla am 04.10.2012 07:15 Report Diesen Beitrag melden

    Piaget

    Ist der Luxusuhren-Unternehmer auch ein Luxus-Uhrenunternehmer?

  • Thomas am 04.10.2012 05:48 Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Dieses System ist nicht nur paradox, sondern widerspricht jeglichem Menschenverstand. Während sich andere nicht einmal ein Kilo Brot leisten können, werfen andere mit Geld herum, dass nur diesen Wert hat, wie wir daran glauben. Wir dienen dem Geld und der Wirtschaft, aber uns dient es nicht.

    • Roger am 04.10.2012 09:54 Report Diesen Beitrag melden

      Steuervergünstigungen

      ja, so ist es und die behämmerten Politiker verschenken noch Steuervergünstigungen an diese Grossmäuler und kuschen vor ihnen! Das ist das einzige, was unsere Politiler beherrschen, Geld verschenken, meist an solche, die schon lange genug haben

    • Hotelier am 04.10.2012 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte nicht so extrem...

      @ Thomas und Roger: Schon mal überlegt wie viele einen Lohn dank diesen Mäzenen bekommen und sich daher ein Kilo Brot leisten können?

    • Freak am 04.10.2012 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      asdf

      Ja ich bekomme den Lohn und sie den Reichtum. Aber ich will nicht jammern, so funktioniert das System. Die Alternative ist, alle haben nichts. Da hab ich jetzt doch wieder mehr...

    einklappen einklappen
  • Af am 03.10.2012 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die negativen Kommentare

    Was wäre denn sonst mit dem schönen Drei König? Ich möcht es nicht missen... So ist Geld doch gut eingesetzt - oder nicht?!