Edelmetall rauf, Aktien runter

18. Juli 2014 13:40; Akt: 18.07.2014 13:40 Print

MH17-Absturz lässt Goldpreis steigen

von Yves Hollenstein - Der Flugzeugabsturz der malaysischen MH17 erschreckt die Börsenanleger weltweit. Die Aktienkurse setzen zur Talfahrt an, der Goldpreis legt sprunghaft zu.

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Innerhalb von Minuten nach Bekanntgabe des MH17-Absturzes stieg der Goldkurs massiv an. (Bild: Bloomberg)

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Die Finanzmärkte reagierten prompt auf den mutmasslichen Absturz des malaysischen Passagierflugzeugs mit 298 Menschen an Bord über der Ostukraine. Rund um den Globus rutschten die Kurse der Leitindizes nach unten. Der Goldpreis hingegen setzte zu einem Sprung nach oben an. Innerhalb kurzer Zeit verteuerte sich das Edelmetall um rund zwei Prozent, was einem Zuwachs von 20 Dollar entspricht. Das ist der grösste Anstieg in den letzten vier Wochen.

Was hat der Goldpreis mit einem Flugzeugabsturz zu tun? Eine Antwort auf diese Frage liefert der sogenannte Volatilitätsindex (VIX). Er gilt als Gradmesser für die Furcht der Anleger. In Börsenkreisen wird er darum auch als Angst-Index betitelt. Kurz nach Bekanntgabe des Flugzeugabsturzes legte auch der VIX einen Satz nach oben hin.

Und immer dann, wenn die Investoren die Unsicherheit packt, suchen sie Sicherheit. Genau diese bietet ihnen Gold, sagt Giovanni Staunovo, Rohstoff-Analyst der UBS: «Gold gilt als ultimative Währung, mit der überall auf der Welt bezahlt werden kann.» Das Edelmetall sei darum ein sicherer Hafen für die Anleger. Das zeigt auch die Geschichte: In Krisensituationen erfuhr Gold stets eine höhere Nachfrage.

Auch Erdöl zieht an

Das gilt aber nur bis zu einem gewissen Grad: In Extremsituationen wie beispielsweise in der letzten grossen Weltwirtschaftskrise 2008 wurde Gold verkauft. «Viele haben damals ihren Goldbestand liquidiert, um an Bargeld zu kommen», so Staunovo. Der jüngste Anstieg des Goldpreises zeigt aber, dass die Anleger der Ukraine-Krise grössten Respekt zollen.

So stieg auch der Ölpreis infolge des MH17-Absturzes sprunghaft an. Ein weiteres Zeichen für die Nervosität der Anleger: Im Gegensatz zu Gold ist Öl kein sicherer Hafen, sondern widerspiegelt die Angst vor einer Verschärfung der Krise. «Die Welt kann es sich nicht leisten, dass Russland als weltweit
grösster Erdöllieferant nicht mehr produziert», sagt Staunovo.