Lutschtabak

08. November 2019 11:54; Akt: 08.11.2019 11:54 Print

Grosskonzerne reissen das Snus-Geschäft an sich

Grosse Tabakkonzerne bringen ihre Snus-Produkte in die Schweiz – sie wollen den Online-Importeuren das Geschäft streitig machen. Diese geben sich kämpferisch.

Bildstrecke im Grossformat »
Das Bundesamt für Gesundheit hat sein Verkaufsverbot für Snus dieses Jahr aufgehoben. Das ruft die grossen Hersteller auf den Plan. British American Tobacco hat bereits Lutschtabak-Produkte wie Epok in der Schweiz lanciert. Japan Tobacco International bringt demnächst den tabakfreien Snus Nordic Spirit in die Läden. Eine typische Bezugsquelle waren für Schweizer bisher Plattformen wie Snushof.com, die die Produkte in kleinen, legalen Mengen in die Schweiz importieren. Die Nische der Import-Händler dürfte jetzt an Bedeutung verlieren. Es sei davon auszugehen, dass die grossen Hersteller versuchen werden, möglichst viel vom Markt zu übernehmen, sagt Marketing-Dozentin Adrienne Suvada von der ZHAW: «Das dürfte ihnen nicht schwerfallen, wenn sie die Produkte günstiger verkaufen können oder Snus anbieten, den die Importeure nicht im Sortiment haben.» Der Konsum von Tabakersatzprodukten hat sich in den letzten Jahren verdreifacht. Noch 2013 hatten lediglich 1,6 Prozent der Jugendlichen solche konsumiert. 2018 waren es 5,1 Prozent gewesen. Vor allem der schwedische Lutschtabak findet immer mehr junge Anhänger. «Im Gegensatz zum Schnupftabak ist Snus nicht nur in ländlichen Gebieten, sondern auch in Agglo-Gemeinden stark verbreitet», sagt Markus Wildermuth, Leiter Workshops vom Blauen Kreuz. Bei einer Strassenumfrage von 20 Minuten zeigt sich: Es sind tendenziell ältere Jugendliche, die sich den Kautabak unter die Lippe klemmen. Präventionsfachmann Markus Wildermuth beobachtet den wachsenden Snus-Konsum der Jugend mit Sorge: Neben Schäden am Zahnfleisch könne er zu einer Abhängigkeit führen und den Umstieg auf Tabakzigaretten begünstigen. Eigentlich sind Tabakprodukte zum oralen Gebrauch, worunter auch Snus fällt, in der Schweiz seit 1995 verboten. Aufgrund der verwirrenden Gesetzeslage werden sie dennoch verkauft.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Lutschen statt rauchen: Snus gewinnt als Alternative zur herkömmlichen Zigarette an Akzeptanz. Auch in der Schweiz wird der aus Schweden stammende Lutschtabak (siehe Box) zunehmend konsumiert – 2018 wurden über 50 Tonnen Snus in die Schweiz importiert. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat nun im Sommer 2019 das Verkaufsverbot für solche Produkte aufgehoben. Das ruft die grossen Konzerne auf den Plan.

Umfrage
Haben Sie schon einmal Snus konsumiert?

Der Tabakkonzern British American Tobacco, zu dem etwa Lucky Strike gehört, hat bereits den Lutschtabak Epok lanciert. Man kann ihn etwa bei Coop und Denner kaufen. Am 11. November will der Camel-Besitzer Japan Tobacco International (JTI) Nordic Spirit auf den Markt bringen (siehe Box). Das ist laut der Firma die erste Snus-Variante in der Schweiz, die ganz ohne Tabak auskommt. Der Vorteil: Das Produkt sei im Vergleich zu herkömmlichem Snus zahnschonend.

Produkte wie Epok oder Nordic Spirit konnten Schweizer zwar schon in den vergangenen Jahren kaufen. Das geschah aber oft über Importplattformen wie etwa Snushof.com oder Snusmarkt.ch.

Verdrängungskampf hat begonnen

Die Onlinehändler nutzten eine Gesetzeslücke aus, um das Schweizer Verkaufsverbot von Snus zu umgehen. Da dieses Verbot jetzt nicht mehr existiert und die grossen Player in den Markt rücken, dürfte es für diese Importeure schwierig werden.

Es sei davon auszugehen, dass die grossen Hersteller nun versuchen würden, möglichst viel vom Markt zu übernehmen, sagt Marketing-Dozentin Adrienne Suvada von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zu 20 Minuten: «Das dürfte ihnen nicht schwerfallen, wenn sie die Produkte günstiger verkaufen können oder Snus anbieten, den die Importeure nicht im Sortiment haben.» Wie viel die Produkte kosten, sei besonders wichtig, weil Snus eine eher junge Zielgruppe ansprechen solle, die sensibel auf den Preis reagiere.

SVP-Nationalrat Lukas Reimann, der ein Drittel der Aktien des in Schweden ansässigen Onlinehändlers Snushof besitzt, gibt sich kämpferisch: Das nun von JTI in der Schweiz lancierte Produkt Nordic Spirit sei in seinem Shop seit Monaten erhältlich.« Solange die Preisunterschiede zwischen Snushof und Kiosk mehr als 50 Prozent betragen, haben wir die Konkurrenz der Zigarettenweltkonzerne nicht zu fürchten», sagt Reimann zu 20 Minuten.

Ein Vorteil, den die grossen Anbieter in der Schweiz gegenüber Online-Importeuren haben, ist laut Marketing-Dozentin Suvada das Vertriebssystem: «Viele Konsumenten kaufen Tabakprodukte im Laden, wenn sie grad Lust darauf haben – bei einer Onlinebestellung ist die Wartezeit länger.»

Laut öffentlichen Zahlen aus Schweden haben Reimann und seine Kollegen mit Snushof einen Umsatz von umgerechnet rund 1,9 Millionen Franken geschrieben. Der Gewinn betrug gut 580'000 Franken. «Im 2019 sind die Zahlen von 2018 bereits übertroffen worden», sagt Reimann, der von einem weiteren Wachstum ausgeht. 

Lukrative Margen

Andere Snus-Händler halten sich bedeckt bei der Frage, wie viel Geld sie mit diesem Geschäft verdienen. Laut Branchenkennern dürfte der Verlust von Marktanteilen den Importeuren zusetzen. Suvada geht davon aus, dass sie eine gute Marge haben. Gerade darum würden die grossen Konzerne jetzt ein Stück von dem Kuchen haben wollen.

(rkn)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jb am 08.11.2019 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo für die Lobbisten

    Traueig zu sehen wie die Politik und das Gesetz die Bedürfnisse der Konzerne folgt. Mit fallenden Zigaretten Verkauf, braucht mann neue Einnahmequellen. Und oplà, die Gesätze werden angepasst.

    einklappen einklappen
  • Mann am 08.11.2019 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ethik

    Die nicht wissen meinen das ist etwas neues. Mein papi hat vor 50 jahren selber herstellt

    einklappen einklappen
  • Pfisti am 08.11.2019 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Qualität

    Ich bestelle meinen Snus seit Jahren im Internet, direkt bei Odens. Der Vorteil daran ist, dass man wirklich gemahlenen Tabak erhält, nicht dieses Lehmartige Zeug welches in der Schweiz verkauft wird. Zum Preis von ca. 130.- für ein halbes Kilo finde ich es auch Fair. Dazu kommen nur noch ca. 50.- Steuer und gut ist. Ist innert weniger Tage geliefert.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Snusi Pfuusi am 09.11.2019 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wucher bitte

    Ach und liebe Gschäftlimacher, mir verkauft ihr keinen Snus für 10 Stutz, wenn er im Netz bestellt 4.50 kostet. Gell lieber Kisoskverein.

  • Martin am 09.11.2019 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Mega gefährliches Zeug!

    Ich habe nur ein zwei Dosen von dem Zeug benutzt und gleich danach wurde ich innert weniger Monate zu einem schwerstabhängigen Raucher, 3 Pack am Tag! Dieser Lutschtaback gehört sofort wieder verboten, frage mich ernsthaft was das Bundesamt für (Un)gesundheit sich dabei denkt?

    • Snuser am 09.11.2019 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      :-) witzige Geschichte. Haben wir schon Märchen Stunde?

    • Peach Pan am 09.11.2019 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Das glauben Sie ja wohl selbst nicht.

    einklappen einklappen
  • Ex Raucher am 09.11.2019 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Online bleibt besser

    Ich bestelle seit Jahren bei BuySnus. So kostet mich eine Dose inkl. Versand und Zoll ca. 5-6 Franken. 10 Franken pro Dose für qualitativ minderwertigen Snus am Kiosk, ist für mich keine Option.

  • Aspartam Apostel am 09.11.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schlucken

    Künstlich gesüsste Kaugummi erzeugen auch Speiseröhren- und Magenkrebs.

  • spätzünder am 09.11.2019 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    echt jetzt?

    grosskonzerne reissen alles an sich. darum geht die welt auch kaputt.