Gluthitze

09. August 2018 18:16; Akt: 09.08.2018 18:16 Print

Sind Konsumenten zu faul für den Klimaschutz?

von R. Knecht - Konsumenten tun sich schwer, wenn es darum geht, die Umwelt zu schützen. Das dürfte auch die Hitze nicht ändern. Grund dafür ist Bequemlichkeit.

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Selten kann man sich die globale Erwärmung so gut vorstellen, wie wenn man bei 35 Grad Bäche schwitzt. Bei manchen Konsumenten dürfte das auch den Willen verstärken, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.

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Aber verändert sich dadurch auch wirklich das Verhalten? Und haben einzelne Konsumenten überhaupt eine Chance, das Klima zu schützen? Jörn Basel, Professor und Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos Fachhochschule, erklärt im Interview, warum Konsumenten mit der Nachhaltigkeit Schwierigkeiten haben und warum sie die Hitze so schnell wieder vergessen.

Warum klagen Konsumenten über den Klimawandel, obwohl sie selbst regelmässig mit Billig-Airlines fliegen oder ein grosses Auto fahren?
Solche Widersprüche sind für Psychologen nicht ungewöhnlich. Wir nennen dieses Phänomen «Action-Intention-Gap», eine Lücke zwischen Vorhaben und Handeln. Das gibt es in vielen Bereichen: Denken Sie nur an Neujahrsvorsätze – oder Dentalhygiene.

Woher kommt der Widerspruch?
Das ist Teil der menschlichen Natur, gerade wenn ein Phänomen schwer greifbar ist. Ein kompletter globaler Temperaturanstieg ist für uns gar nicht erfassbar. Die Konsequenzen sind darum teils sehr abstrakt. Die Kosten, wenn ich zum Beispiel mein Dieselauto ersetzen muss, spüre ich hingegen sofort. Darum tun wir uns schwer, Massnahmen zu ergreifen.

Ist es denkbar, dass Konsumenten wegen der Hitze zeitweise nachhaltiger einkaufen?
Ich denke, der Einfluss der Hitze dürfte eher gering sein. Es ist für Konsumenten relativ schwierig, etwa ein Stück Käse mit globaler Erwärmung in Verbindung zu bringen. Zudem sehen Konsumenten die negativen Konsequenzen der Hitze, mit denen etwa ein Landwirt zu kämpfen hat, gar nicht.

Hört die Naturliebe beim eigenen Portemonnaie auf?
Eher bei der eigenen Bequemlichkeit. Wenn wir gewohnt sind, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, wird es schwierig, aufs Fahrrad umzusteigen.

Was müsste geschehen, dass wir Massnahmen ergreifen?
Die Relevanz des Themas muss einerseits hochgehalten werden. Wenn ich keine Relevanz sehe, beschäftige ich mich auch nicht damit. Andererseits müsste man sämtliche Massnahmen zum Klimaschutz so bequem wie möglich für den einzelnen Konsumenten machen.

Zum Beispiel?
Wenn man etwa Strom vom Elektrizitätswerk Zürich bezieht, erhält man standardmässig einen gewissen Anteil an grüner Energie. Da muss der Konsument selbst nichts machen – es ist kein Mehraufwand damit verbunden, nachhaltig zu sein. So kann man die Bequemlichkeit des Menschen zu einem guten Zweck ausnutzen.

Sollte der Bund Strafsteuern einführen?
Das würden Konsumenten nicht akzeptieren. Gerade die Schweizer Bürger wollen sich nicht vorschreiben lassen, was sie konsumieren sollen. Strafen und Verbote sind eine schlechte Idee. Der Staat sollte eher auf Sensibilisierung setzen.

Was heisst Sensibilisierung?
Mit einfach verständlichen Labels könnte man den Konsumenten über die Umweltfaktoren wie etwa der Transportweg von Produkten informieren. Da müssten sich aber die entsprechenden Experten Gedanken dazu machen, wie man die bereits existierende Label-Vielfalt vereinfachen könnte. Je einfacher und verständlicher, desto besser.

Was können Detailhändler unternehmen?
Wenn man es wirklich ernst meint, hat man als Händler die Möglichkeit, den Konsumenten in Richtung nachhaltiger Produkte zu lenken. Man weiss aus der Marktforschung, dass die Art und Weise, wie man Lebensmittel präsentiert, viel Einfluss darauf hat, wie viel davon gekauft wird. Wenn man etwa vor der Kasse eher nachhaltige Produkte platzieren oder die weniger nachhaltigen Früchte weiter oben ins Regal stellen würde, würden Konsumenten diese eher kaufen. Dadurch hätte der Konsument trotzdem freie Wahl und würde nicht bevormundet.

Als einzelner Konsument hat man das Gefühl, keinen bedeutenden Beitrag leisten zu können ...
Diese Wahrnehmung ist nicht ganz falsch, denn die einzelne Person macht nicht den grossen Unterschied – auch wenn die Summe der Einzelpersonen etwas ausmacht. Beim individuellen Verhalten ist es aber vor allem auch wichtig, dass man selbst ein reines Gewissen hat. Das wirkt sich positiv auf das Gemüt des Konsumenten aus. Mit der ideologischen Frage kann man die Menschen eher motivieren, nachhaltig zu handeln.

Mitarbeit: Sandro Spaeth

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • julchen am 09.08.2018 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tia auch medien könnten etwas tun

    die medien könnten auch viel bewirken!! würden sie nicht immer irgendwelchen klatsch und tratsch der promis schreiben sondern themen die wirklich wichtig sind würden die menschen auch mehr tun! okay weil aber alles zugeklastert wird mit unnützer nerviger meldungen liest auch bald keiner mehr medien und dann ist das einzige das noch hilft wenn halt die natur zurückschlägt!!!

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  • Mein Senf am 09.08.2018 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dazu

    klar der kleine Büezer ist an der Klimaerwärmung schuld weil er den Servelat am offenem Feuer brötlet.

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  • Schweizer am 09.08.2018 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Paid Content

    Dieser Beitrag sollte eigentlich als Paid Content bezeichnet werden. Es geht wohl mehr um das Anpreissen von Bio-Produkten. Heute muss man als Konsument fast schon ein Experte sein, um zu Wissen was hinter welchem Label steckt. Und oft werden Konsumenten getäuscht, mit falschen Versprechungen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sunpower am 12.08.2018 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Sonne schickt keine Rechnung

    Beende deine fossile Zeitepoche. Wir brauchen mehr Solarpanel und keine Pipelines.

    • Atompower am 13.08.2018 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sunpower

      Wer Ahnung hat weiss, die Effizienz der Panels sinkt mit zunehmender Temperatur. Daher; hängt lieber mal ein paar Druckwasserreaktoren an das Netz. Effizienter geht es nicht. Ansonsten macht es Frankreich und verkauft uns den Strom. Chooz 1 & 2 mit jeweil 1500mW sind neu am Netz und versorgen jetzt halb Deutschland nach dem Atomaustieg... welche Ironie!

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  • Kutte am 12.08.2018 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel?

    Welcher Klimawandel? Wurde der Klimawandel denn schon mal vollzogen nach der letzten kleinen Eiszeit? Ich meine nein! So gesehen geht die Wärmeperiode doch weiter die ist noch gar nicht beendet? Warum erzählt man uns jetzt schon von einem Klimawandel? Erst wenn die Wärmeperiode der letzten kleinen Eiszeit den oberen Scheitelpunkt erreicht hat und in eine Kälteperiode abwärts tendiert, dann ist es ein Wechsel von warm zu kalt und man kann von einem Klimawandel ausgehen aber nicht früher!

    • LostParadise am 13.08.2018 06:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Kutte: Eben!

      das Klima kann sich durch das zerstörerische Eingreifen der Menschheit, die sich seit der letzten kleinen Eiszeit eklatant vervielfacht hat, gar nicht mehr natürlich, zyklisch und frei wandeln sprich wieder abkühlen, sondern wird heisser und heisser. Deshalb braucht es dringend einen Klimaschutz.

    • Kutte am 13.08.2018 12:41 Report Diesen Beitrag melden

      LostParadise

      Irrtum LostParadise, gehe mal die letzten 11.000 Jahre zurück, da gibt es Werte, Temperaturanstieg und Temperaturabfallend, die noch schneller und stärker von statten gingen als heute der Fall ist. Google mal nach, da gibt es genug Beweise und selbst Ende der letzten kleinen Eiszeit gingen die Temperaturen rasanter hoch als heute, man darf halt nicht nur die letzten 150 Jahre im Auge behalten, man sollte da schon etwas weiter zurückblicken. Der letzte Klimawandel hatte nach Ende der letzten kleinen Eiszeit begonnen vor ca. 550 Jahren bei der Globalem Klima von 14°C und nicht erst vor 150 Jahre

    • NIX VERSTANDEN am 13.08.2018 17:39 Report Diesen Beitrag melden

      nix verstanden

      nix verstanden: vor 11'000 Jahren menschenleer und Selbstregulation, heute übervölkert und total zugedreckt. Warum blenden Klima-Leugner dies einfach aus???

    • Kutte am 13.08.2018 23:17 Report Diesen Beitrag melden

      NIX VERSTANDEN

      Eben, darum habe ich es ja verstanden und schrieb vor 11.000 Jahren gab es einen Klimawechsel und zwar vom Kalten-/ins Warme Klima! Oder gibt es da noch Zweifel? Danach gab es noch zwei weitere kleinere Klimawechsel, bevor es in das Klima-Optimum des Holozän wechselte und diese Klimaerwärmung dauerte ca. 2.000 Jahre an, bevor es wieder ein Klimawechsel ins kalte überging. Für mich ist ein Klimawechsel immer wenn der obere Scheitelpunkt eines Höchststandes des Klimas erreicht ist und wieder ein Klimawechsel wenn die Talsohle wenn das untere Klima erreicht ist also wieder aufwärts geht.

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  • LostParadise am 12.08.2018 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Als Krone der Natur

    galt der Mensch einst. Nun wird er aus Geldgier, Egoismus und Bequemlichkeit langsam aber sicher zu deren Zerstörer

  • Swissgirl am 11.08.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahlkampfthema Klimawandel

    Ich habe ganz stark den Eindruck, dass man das Schweizer Volk wieder nur mit neuen Steuern und Abgaben melken will, notabene für ein Thema, das von Politikern als Angstschürer und Wahlkampfthema gebraucht wird. Damit will ich nicht sagen, dass es den Klimawandel nicht gibt, im Gegenteil, er ist überall spür- und sichtbar. Indem er jedoch das Volk nur ausnimmt und ihm reell nichts zurückgibt, erreicht der Bundesrat nur das Gegenteil.

    • melanie am 12.08.2018 01:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swissgirl

      sehe ich auch so, anstatt wirklich was dagegen zu tun werden einfach neue resurcen zum profit schröpfen gesucht. die welt geht unter und... ui, wir könnem als einzelne person ja nichts tun... bis es zu spät ist..,,,

    • Fritz Wyss am 14.08.2018 00:08 Report Diesen Beitrag melden

      Oeko Wahlkampf

      Swissgirl, Sie haben absolut recht. es geht nur ums Melken vom Volk. Ich kann mich noch gut erinnern als 1982 unsere roten und grünen Oekos das Waldsterben zur totalen Hysterie machten das Parlament eine Sondersession mit dem Thema Wald durchzog und dem ganzen Volk verklickerte dass in 30 Jahren kein CH Wald mehr existiert. Heute ersaufen wir in der Menge Holz die jedes Jahr nachwächst. Wer schützt das Volk vor den Oeko Terroristen in der Schweiz ?

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  • Daisydream am 11.08.2018 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Motivation im Keller

    Wir sind nicht zu faul. Aber wenn man versucht Energie zu sparen mittels besserer Geräte und Sparlampen, was natürlich auch ein finanzieller Anreiz ist, und der Energieanbieter dann die Umsatzausfälle mit höheren Netzkosten wieder reinholt, ja, dann ist die Motivation schon etwas gedämpft. Auch erhalten Einfamilienhausbauer keine Subventionen, nur Erbauer von grossen Liegenschaften können da profitieren. Will heissen, der kleine Mann bekommt nix hier und nix dort. Da ist die Motivation beim Normalsterblichen schon ziemlich im Eimer.