Am Jahrestag

11. Dezember 2010 16:21; Akt: 12.12.2010 12:31 Print

Madoff-Sohn erhängt sich mit Hundeleine

von C. Long/T. Hays, AP - Ein Sohn des Milliardenbetrügers Bernard Madoff hat Selbstmord begangen. Er nahm sich das Leben exakt zwei Jahre nach Ausbruch des Skandals, wie Anwälte der Familie bestätigten.

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Vor dem Gebäude sichern Polizisten den Eingang ab. (Bild: Keystone)

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Der älteste Sohn des amerikanischen Milliardenbetrügers Bernard Madoff hat Selbstmord begangen. Der 46-jährige Mark Madoff wurde am zweiten Jahrestag der Verhaftung seines Vaters tot in seiner Wohnung aufgefunden. Er hatte sich im Wohnzimmer seines Lofts im New Yorker Stadtteil SoHo mit einer schwarzen Hundeleine erhängt, während sein zweijähriger Sohn ganz in seiner Nähe schlief. Einen Abschiedsbrief hinterliess er nicht.

Seine Frau Stephanie, die zum Zeitpunkt des Unglücks mit der vierjährigen Tochter im Freizeitpark Disney World in Florida weilte, hatte ihren Stiefvater am Samstagmorgen (Ortszeit) zu dem sechs Millionen Dollar (rund 4,5 Millionen Euro) teuren Apartment des Paares in Manhattan geschickt. Madoff hatte ihr geemailt, dass er sie liebe und dass jemand nach ihrem zweijährigem Sohn schauen solle, berichtete die Polizei.

Verzweifelt über die Medienberichterstattung und andauernde Ermittlungen

«Mark Madoff hat sich heute das Leben genommen», bestätigte sein Anwalt und sprach von einer schrecklichen und sinnlosen Tragödie. Einen Abschiedsbrief habe Madoff nicht hinterlassen. Mark sei ein unschuldiges Opfer des ungeheuerlichen Verbrechens seines Vater gewesen. Der nicht nachlassende Druck durch falsche Anspielungen und Unterstellungen habe ihn nach zwei Jahren zum Selbstmord getrieben, erklärte Martin Flumenbaum.

Eine Madoff nahestehende Person sagte, Madoff habe nach dem Skandal keine feste Anstellung finden können und sei verzweifelt über die Medienberichterstattung und die andauernden polizeilichen Ermittlungen gegen die Familie gewesen. Erst am Freitag reichten geprellte Anleger erneut Klagen gegen mutmassliche Komplizen von Bernard Madoff ein, darunter eine gegen zwei Steuerberater.

Der 72-Jährige hatte immer betont, den milliardenschweren Finanzbetrug alleine begangen zu haben. Er wurde im Juni 2009 wegen zu einer Höchststrafe von 150 Jahren Haft verurteilt. Der einst hoch angesehene Financier hatte mit einem Schneeballsystem 4.800 Anleger um geschätzte 20 Milliarden Dollar betrogen. Es war der vermutlich grösste Betrugsfall in der Geschichte der USA.

Mark Madoff wechselte nie wieder ein Wort mit seinem Vater

Mark und sein Bruder Andrew hatten ihren Vater den Strafverfolgungsbehörden ausgeliefert. Er habe ihnen seine Taten einen Tag vor seiner Verhaftung am 11. Dezember 2008 gestanden. Mark und Andrew waren in einer Firma ihres Vaters beschäftigt, die nicht direkt in die betrügerischen Geschäfte verwickelt war und von denen sie auch nichts gewusst haben wollen. Gegen die Brüder wurde zwar ermittelt, aber bislang keine Anklage erhoben. Beide hatten seit der Verhaftung ihres Vaters mit den Eltern kein Wort mehr gewechselt. Ein Anwalt ihrer Mutter Ruth sagte, Marks Selbstmord habe ihr das Herz gebrochen.

Madoffs Söhnen wurde vorgeworfen, die illegalen Machenschaften ihres Vaters nicht entdeckt zu haben, obwohl diese ihnen einen verschwenderischen Lebensstil ermöglichten. So soll Mark mit 66 Millionen Dollar (50 Millionen Euro) aus dem unrechtmässig erworbenen Vermögen in New York und in den US-Staaten Massachusetts und Connecticut Luxus-Immobilien erworben haben. Ein Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörden erklärte jedoch, eine Verhaftung Madoffs habe trotz andauernder Ermittlungen gegen ihn, seinen Bruder und seinen Onkel nicht bevorgestanden. Die Behörden hätten seit mehr als einem Jahr keinen Kontakt mehr zu ihnen aufgenommen.

Marks Frau bat im Frühjahr ein Gericht um die Genehmigung, ihren Nachnamen und die Nachnamen ihrer Kinder ändern zu dürfen. Zur Begründung sagte sie, sie und ihre Familie hätten Drohungen erhalten und seien durch den Skandal gedemütigt worden. Madoff hat noch zwei weitere Kinder aus erster Ehe im Alter von 16 und 18 Jahren. Er liess sich von seiner ersten Frau vor zehn Jahren scheiden. Madoff wuchs in New York auf. Nach seinem Abschluss an der University of Michigan arbeitete er seit 1987 als zugelassener Broker in der Firma seines Vaters.

Ronnie Sue Ambrosino, die eine Interessengruppe für Madoff-Opfer gegründet hat, bezeichnete den Selbstmord von Mark Madoff als sehr traurig. Sie zweifle daran, dass auch nur ein Madoff-Opfer sich an dem Leid der Familie weide. «Das hilft den Madoff-Opfern nicht, die Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zu bekommen, die sie verdienen.»