«Sie mussten es wissen»

16. Februar 2011 08:55; Akt: 16.02.2011 11:21 Print

Madoff spricht erstmals über den Betrug

Zum ersten Mal seit seiner Verurteilung gibt Milliarden-Betrüger Bernard Madoff ein Interview. Darin bezichtigt er die Banken, vom Betrug gewusst zu haben.

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Bernard Madoff gesteht seinen Söhnen, die in der gleichen Firma arbeiten, den Betrug. Den Schaden beziffert der 70-Jährige mit rund 50 Mrd. Dollar. Übrig seien 200 bis 300 Mio. Dollar, die er an Mitarbeiter, Verwandte und Freunde verteilen will. Seine Söhne verständigen die Behörden. Noch in der Nacht nehmen Beamte Madoff in seinem New Yorker Appartement fest. Der Ex-Broker kommt unter anderem gegen eine 10-Millionen-Dollar-Kaution auf freien Fuss. Fahnder finden rund 100 bereits unterzeichnete Schecks über mehr als 173 Mio. Dollar. Erste Opfer werden bekannt: In Europa zählen dazu die spanische Banco Santander, die österreichische Bank Medici, die Genfer UBP und die britische HSBC. Unter den Kunden sind zudem viele Prominente wie Starregisseur Steven Spielberg. Stiftungen und Hilfsorganisationen verlieren Millionen. Die US-Börsenaufsicht SEC räumt schwere Versäumnisse ein. Mehreren einschlägigen Hinweisen zu dem Betrug sei über Jahre hinweg nicht ausreichend nachgegangen worden. Auch nach einer richterlichen Überprüfung muss Madoff nicht in Untersuchungshaft. Er steht nun aber in seiner Nobel-Wohnung unter Hausarrest mit einer elektronischen Fussfessel zur Überwachung. Der 65 Jahre alte französische Finanzmanager Thierry Magon de La Villehuchet nimmt sich nach einem Milliardenverlust durch Madoff in seinem New Yorker Büro das Leben. Die US-Behörden decken immer mehr ähnlich gestrickte Betrugsfälle auf - wenn auch in deutlich kleinerem Ausmass. Der Staatsanwalt beschuldigt Madoff der Verletzung von Kautionsauflagen. Er habe Juwelen, Luxusuhren etc. im Wert von über einer Million Dollar Freunden zu Weihnachten verschickt. Der Tipp an die Ermittler kam erneut von den Söhnen. Madoff muss trotz der Verstösse nicht in U-Haft, entscheidet ein Richter. Die US-Öffentlichkeit ist empört. Die Frist zur Anklage durch die Staatsanwaltschaft wird erneut verschoben. Zugleich wird bekannt, dass Madoffs Frau Ruth 15,5 Mio. Dollar kurz vor Auffliegen des Betrugs von einer mit Madoff verbundenen Firma abgezogen hat, davon allein 10 Mio. Dollar nur einen Tag vor seiner Festnahme. Die Staatsanwaltschaft legt die Anklage vor. Für die elf Punkte drohen insgesamt bis zu 150 Jahre Haft. Madoffs Anwalt sagt, sein Mandant werde sich schuldig bekennen. Zu Beginn des Gerichtsprozesses bekennt sich der Milliardenbetrüger in allen elf Anklagepunkten schuldig. Der Finanzschwindler Madoff wird wegen milliardenschwerer Betrügereien zur Höchststrafe von 150 Jahren Haft verurteilt. Nach dem Urteil applaudieren die Opfer im New Yorker Gerichtssaal. Die US-Behörden haben das Luxus-Penthouse der Madoffs beschlagnahmt. Ehefrau Ruth musste die sieben Millionen Dollar teure Wohnung in Manhattan räumen und ihr persönliches Eigentum zurücklassen. Ein vom Gericht beauftragter Treuhänder hat ab August 2009 die Aufgabe,... ... Madoffs Besitz zu veräussern. Die Sachen stehen im Strandhaus der Madoffs. Das Haus steht... ... am Strand von Montauk, NY. Mehr Fotos davon gibts

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Der zu 150 Jahren Haft verurteilte Milliarden- Betrüger Bernard Madoff hat Banken und Hedge-Fonds vorgeworfen, bei seinem illegalen Schneeballsystem «bewusst weggesehen» und nichts unternommen zu haben. «Sie mussten es wissen», sagte der 72-Jährige am Dienstag der «New York Times». «Die Einstellung war aber nach der Art: «Wenn Du was Falsches machst, wollen wir es nicht wissen».»

Madoff äusserte sich in einem zweistündigen Interview im Besuchsraum der Haftanstalt in Butner (US-Bundesstaat North Carolina). Gemäss Zeitung war es das erste Interview seit seiner Inhaftierung im Dezember 2008. Madoff habe dabei deutlich dünner gewirkt. Er habe einen khakifarbenen Häftlingsanzug getragen.

In dem Interview unterstrich Madoff erneut, seine Familie habe nichts von seinen illegalen Machenschaften gewusst. Er habe sich nie vorstellen können, dass der Zusammenbruch seines Betrugssystems sich so zerstörerisch auf seine Familie auswirken könnte. Madoffs Angehörige waren mit Klagen überzogen worden. Sein Sohn Mark nahm sich im Dezember 2010 das Leben.

Nach Schätzungen soll Madoff über Jahrzehnte hinweg bei mehreren tausend Investoren rund 20 Mrd. Dollar eingesammelt und in einer Art Schneeballsystem angelegt haben. Es war der grösste Wirtschaftsbetrug der Geschichte. 2009 wurde Madoff zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt.

(sda)