Martin Senn

30. Mai 2016 12:54; Akt: 30.05.2016 14:53 Print

Manager-Suizid ist kein Einzelfall

Der Tod von Ex-Zurich-Chef Martin Senn sorgt für grosse Betroffenheit. In den letzten Jahren kam es mehrfach zu solch traurigen Schlagzeilen.

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War während sechs Jahren Zurich-Chef: Martin Senn als Chef der Zurich Financial Services in Zürich. (1. März 2012) Sein Abgang Anfang Dezember 2015 erfolgte unerwartet und soll auf Druck der Investoren erfolgt sein: Senn (r.) mit Finanzchef George Quinn an der Bilanz-Medienkonferenz vom 12. Februar 2015. Wie ein Bekannter zum «Blick» sagte, sollen der Macht- und Prestigeverlust Senn schwer getroffen haben: Senn am World Economic Forum in Davos. (25. Januar 2012) Bereits Ende August 2013 nahm sich der damalige Finanzchef Pierre Wauthier das Leben: Seine Witwe, Fabienne Wauthier (r.) und der Bruder von Pierre Wauthier (l.) äusserten an der GV ihre Betroffenheit und kritisierten den Umgang mit dem Selbstmord. (2. April 2014) Der damalige Verwaltungsratspräsident Josef Ackermann trat vier Tage nach Bekanntwerden von Wauthiers Suizid zurück. Ihm wurde vorgeworfen, übermässigen Druck ausgeübt zu haben. Eine Untersuchung hatte ihn später von diesem Vorwurf entlastet: Ackermann (l.) und Senn CEO Martin Senn nach der GV im Zürcher Hallenstadion. (29. März 2012) Martin Senn besuchte die Beerdigung Wauthiers in Zürich: Senn (Mitte) unterhält sich mit Trauergästen vor dem Grossmünster. (6. September 2013) Der Tod Senns steht in einer Reihe mit dem Tod verschiedener anderer Führungspersonen. 2013 hatte sich Swisscom-Chef Carsten Schloter das Leben genommen. Auch Ricola-CEO Adrian Kohler schied freiwillig aus dem Leben. David Kellermann von Freddie Mac nahm sich am 22. April 2009 das Leben. Adolf Merckle nahm sich wegen grosser Verluste der von ihm besessenen Firmen, zu denen die Baselbieter Mepha gehörte, das Leben. Alex Widmer, damaliger CEO der Bank Julius Bär, schied am 3. Dezember 2008 freiwillig aus dem Leben.

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Der Versicherungskonzern Zurich reagierte betroffen auf den Hinschied von Ex-CEO Martin Senn. In einer Nachricht an die Presse schrieb das Unternehmen: «Mit Martin verlieren wir nicht nur einen verdienstvollen ehemaligen CEO und wertvollen früheren Arbeitskollegen, sondern auch einen guten Freund.»

Senn ist bereits der zweite Manager der Zurich innert drei Jahren, der Suizid begeht. 2013 hatte sich der 53-jährige Finanzchef Pierre Wauthier das Leben genommen. Er war tot in seiner Wohnung gefunden worden. Senn, der sich letzten Freitag das Leben genommen hat, wurde 59-jährig.

Der Versicherungskonzern Zurich bringt auf den sozialen Medien seine Trauer zum Ausdruck:


Suizide von Managern sorgten in den letzten Jahren regelmässig für Schlagzeilen und für öffentliche Betroffenheit. Im Folgenden eine Übersicht über die meistbeachteten Fälle seit 2008.

Pierre Wauthier: Am 25. August 2013 beging der Ex-Finanzchef der Zurich, Pierre Wauthier, Suizid. Sein Abschiedsbrief gab damals Anlass zur Vermutung, dass bei der Arbeit «ungebührlicher Druck» auf ihn ausgeübt worden war. Vor allem Verwaltungsratspräsident und Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sei in dem Schreiben erwähnt worden. Eine Abklärung der Finanzmarktaufsicht (Finma) sprach aber alle Beschuldigten von allen Vorwürfen frei.

Carsten Schloter: Der damalige Swisscom-CEO wurde am 23. Juli 2013 leblos in seiner Wohnung im freiburgischen Villars-sur-Glâne gefunden. Die Polizei bestätigte danach, dass es sich beim Tod um Suizid handelte. Der passionierte Ausdauersportler wurde 49 Jahre alt.

Adrian Kohler: Im Alter von 53 Jahren beging der Chef der Ricola-Bonbons am 24. November 2011 Suizid. Zuvor hatte ihn der Verwaltungrat über «Unregelmässigkeiten in seiner persönlichen Geschäftsbesorgung» informiert.

David Kellermann: Im Zuge der Finanzkrise verstaatlichte die US-Regierung die Hypothekenbank Freddie Mac. Zu viel für den 41-jährigen Finanzchef der Bank David Kellermann: Er erhängte sich am 22. April 2009 in einem Vorort von Washington.

Steven L. Good: Der 52-jährige Chef des US-Immobilienauktionshauses Sheldon Good & Company Auctions International nahm sich am 6. Januar 2009 das Leben.

Adolf Merckle: Am 5. Januar 2009 nahm sich der Deutsche wegen grosser Verluste der von ihm besessenen Firmen, zu denen die Baselbieter Mepha gehörte, das Leben.

Christen Schnor: Am 16. Dezember 2008 stirbt der dänische Topbanker im Alter von 49 Jahren in einer Suite eines Londoner Luxushotels – ein weiterer Selbstmord.

Alex Widmer: Der damalige Chef der Privatbank Julius Bär beging am 3. Dezember 2008 im Alter von 52 Jahren in Baden Selbstmord.

(kwo/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nur Ein Mensch am 30.05.2016 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profitgier

    Mein herzliches Beileid der Familie! Ein Mensch ist heute nicht mehr viel wert. Auch wenn Kaderangestellte viel verdienen, sie stehen unter ständigem Druck. Die Shareholder etc wollen immer mehr und verheizen die Mitarbeiter. Werte wie Loyalität, Ehrlichkeit und Moral sind nicht mehr von Belang und werden oft sogar als Hindernis gesehen. Profit ist sas einzige das zählt....

  • jastroem am 30.05.2016 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeitgeist

    In einer Welt wo fast nur Leistung und Geld zählt häufen sich garantiert nicht nur Untergänge von Firmen, sondern - was viel schlimmer ist - auch von Menschen. Optimieren, Outsourcing, sparen und wieder sparen, schamloser Umgang mit Personen usw. Einfach tragisch.

  • Troll am 30.05.2016 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld macht nicht glücklich

    Auch ein Preis des Kapitalismus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steffie8 am 30.05.2016 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhe in Frieden

    Mein Herzliches Beileid den Angehörigen. Für die Hinterbliebenen ist ein Suizid sehr schwer zu verkraften, weil man sich immer nach dem "Warum?" fragt und ob man nichts dagegen hätte tun können. Einfach nur sehr traurig... :-( Ich hoffe er hat seinen Frieden gefunden...

  • PFOPF am 30.05.2016 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    ...auch auf die Gefahr hin, dass ich nun viele "Daumen runter" bekomme: irgendwie "verstehe" ich diese Herren. Der Druck von Aussen ist immens... und zeigt Man(n) Schwäche, bin ich nicht sicher ob er dann auch wirklich unterstützt wird... oder einfach "ersetzt" durch den Nächsten . Also kann ich mir gut vorstellen, dass dann für die "Betroffenen" nur noch der eine Ausweg bleibt... was natürlich nicht so ist...versteht mich nicht falsch... Der Familie und seinen Freunden wünsche ich ganz viel Kraft in der kommenden Zeit.

  • Céline Nadig am 30.05.2016 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es tut mir leid

    Liebe Familie Senn, liebe Debbi Mein herzlichstes Beileid!!!!

  • jastroem am 30.05.2016 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeitgeist

    In einer Welt wo fast nur Leistung und Geld zählt häufen sich garantiert nicht nur Untergänge von Firmen, sondern - was viel schlimmer ist - auch von Menschen. Optimieren, Outsourcing, sparen und wieder sparen, schamloser Umgang mit Personen usw. Einfach tragisch.

  • Sackgasse am 30.05.2016 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    ein undankbarer Job, scheint wie russisches Roulet zu sein, wenns gut läuft, gibts übermässig viel Kohle, wenns kolabiert, gibt es kein zurück. Wenigstens kann man in diesem tragischen Fall nicht J. Ackermann die Schuld zuschieben. Herzliches Beileid an die Hinterbliebenen.