Condair

06. Januar 2016 16:35; Akt: 06.01.2016 16:35 Print

Massenentlassung bei Schwyzer Klima-Firma

von S. Spaeth - Der Luftbefeuchter-Hersteller Condair verschiebt seine Produktion ins günstige Deutschland. Dadurch gehen im Kanton Schwyz rund 40 Jobs verloren.

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Wegen der Verlagerung der Produktion von Luftbefeuchtern nach Deutschland verschwinden bei Condair in Pfäffikon SZ über 40 Jobs. Im Bild: der Hauptsitz mit angrenzender Montagehalle. Condair beschäftigt in Pfäffikon rund 130 Personen, weltweit sind für die Firma 600 Mitarbeiter tätig. Das Unternehmen hat auch Standorte in Ottawa und Peking. Der neue Standort von Condair in Schleswig-Holstein liegt nahe am Flughafen und am Hafen von Hamburg und soll zur zentralen Drehscheibe werden. Die Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank vom Januar 2015 (im Bild Präsident Thomas Jordan) hat die Condair-Firmenleitung im Beschluss bestärkt, die Produktion nach Deutschland zu verlagern. Der Entscheid sei aber schon früher gefällt worden. Die sehr exportorientierte Schweizer Maschinenindustrie leidet unter dem starken Franken besonders stark. Wegen des starken Frankens werden in der Schweiz 2016 laut den Ökonomen der Raiffeisenbank über 10'000 Jobs verschwinden. «Gemeinsam für Jobs und unser Land». So lautet das Motto von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann. Er hatte im letzten Jahr aufgrund der Frankenstärke mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, nicht aber mit grossen Entlassungswellen gerechnet. Gemäss einer repräsentativen Umfrage bei den KMU der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sprachen im Sommer 2015 nach der Aufgabe des Mindestkurses 35 Prozent der befragten Unternehmer von einer Verschlechterung bei den Auftragseingängen, 23 Prozent der Unternehmen mussten Jobs streichen. Im Bild: Swissmem-Präsident Hans Hess. Für viele Schweizer Industriefirmen sind die Produktionskosten in der Schweiz zu hoch.

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Es ist unschöne Post, die ein Teil der Angestellten der Schwyzer Firma Condair demnächst erhalten wird: die Kündigung. Wie Recherchen von 20 Minuten zeigen, sind vom blauen Brief vor allem Montagemitarbeiter betroffen, denn der Hersteller für gewerbliche und industrielle Luftbefeuchtungsgeräte mit Sitz in Pfäffikon verschiebt sein Schweizer Montagewerk ins deutsche Norderstedt unweit von Hamburg. Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Condair die Pläne.

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«Am Condair-Standort in Pfäffikon sind von der Konzentration an einen europäischen Logistik- und Montagestandort gesamthaft 41 Mitarbeiter betroffen, wobei leider 30 Kündigungen ausgesprochen werden müssen», sagt Strategie- und Marketing-Chef Werner Adler zu 20 Minuten. In Pfäffikon arbeiten für Condair derzeit 131 Personen, weltweit beschäftigt die Firma 600 Mitarbeiter. Der neue Standort von Condair in Schleswig-Holstein liegt nahe am Flughafen und am Hafen Hamburgs und soll zur zentralen Drehscheibe werden. Punkten will die Firma mit dem Siegel «engineered in Switzerland, made in Germany».

Kündigungsbriefe kommen ab Januar

Hat die Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank (SNB) vom 15. Januar 2015 zur Verlagerung der Produktion nach Deutschland geführt? Condair-Manager Adler verneint. Man habe den Entscheid bereits vor über einem Jahr gefällt. «Wir wussten seit längerem, dass speziell in Europa eine Konsolidierung der Logistik- und Montagefunktionen durchgeführt werden musste.» Der SNB-Entscheid habe die Firmenleitung im Beschluss, die Wechselkursrisiken zu minimieren, bestärkt. Zudem hätten politische Entscheidungen der letzten Jahre, namentlich die Masseneinwanderungsinitiative, die Attraktivität der Schweiz für gewisse Funktionen geschwächt.

Die Mitarbeiter erhalten den Kündigungsbrief mit der gestaffelten Verlagerung der Produktgruppen ab Januar 2016. Die Betroffenen sind laut Adler bereits informiert worden. Mit ihnen wurden im Verlauf der letzten Monate Workshops durchgeführt, um sie auf die Stellensuche vorzubereiten. Erstmals über die Umstrukturierungspläne informiert worden seien die Mitarbeiter im November 2014.

Condair spricht von grosszügigem Sozialplan

Weil am Standort Pfäffikon mehr als 10 Prozent der Mitarbeiter die Kündigung erhalten, ist von einer Massenentlassung die Rede. In solchen Fällen sieht das Schweizer Recht ein Konsultationsverfahren vor. Dabei dürfen die Mitarbeiter der Firmenleitung Vorschläge unterbreiten, wie die Kündigungen vermieden oder beschränkt werden können. Zudem muss die Firma das Arbeitsamt über die geplante Massentlassung informieren. «Diese Schritte wurden bereits frühzeitig unternommen», sagt Alder.

Condair spricht von einem grosszügigen Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter, der ja nach Fall auch Abgangsentschädigungen vorsieht. Sieben Mitarbeiter seien in den vorzeiten Ruhestand geschickt und die Auszubildenden bei anderen Firmen untergebracht worden. Laut Kritikern sind die Konsultationsverfahren fürs Management aber häufig Alibiübungen, da die grossen Entscheide längst gefällt worden sind.

Geschlossen werden neben dem Montagewerk in Pfäffikon auch eines in England und eines in Dänemark. Die Produktionsstätten in Ottawa und in Peking bleiben bestehen. Stärken will Condair in der Schweiz die Produkteentwicklung und bezieht dafür im laufenden Jahr ein neues Gebäude.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 06.01.2016 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Und wir sollen unser Geld hier ausgeben?

    Na toll, wieder ein weiterer Beweis das es den Firmen egal ist wie gut die Wirtschaft in der CH läuft. Aber den Arbeitnehmer ausbeuten dass können sie gut..

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  • Sara am 06.01.2016 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts kaufen

    Die Schweizer sollen sich die Namen solcher Firmen merken und nichts von denen kaufen. Sollen ihre Kundschaft in Deutschland suchen

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  • Angestellte am 06.01.2016 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte Bern, erwache

    Es darf ja nicht wahr sein. Wieso sollte ich diese Marke noch kaufen? Immer mehr Entlassungen und ins Ausland verschieben, aber laut schreien nach ausländischen Fachkräften, wie soll das noch gut gehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • soso am 07.01.2016 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    kokolores

    Aber das Rentenalter raufsetzen, v.a. von den Betroffenen, die in obiger Firma frühpensioniert werden. In Zeiten wie heute könnte man das Pensionsalter auf 70 erhöhen, was aber das Grundproblem - siehe obiger Artikel - nicht löst, da heutzutage mehr denn je Leute in den vorzeitigen Ruhestand versetzt werden. Rentenaltererhöhung in der heutigen Zeit war eine Schnapsidee!

  • Clara8834 am 07.01.2016 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bach abbe

    Wir Schweizer werden an unserer steuer Optimierung scheitern ... Sparen und dank steuerfüsse eine Siedlung v reich u Arm schaffen Wir jammern auf hohen Niveaus Unsere Nachbarn sind zufriedener und wir - gehn ins Ausland shoppen Kein wunder geht das Geschäft den Bach runter - ich geh auch / nach Deutschland ... Zu den Leuten die von uns gemieden werden . Ade

  • Herr Meister am 07.01.2016 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Herzlichen Dank an den Schweizer, welcher lieber in Deutschland/Österreich einkaufen gehen, in der Schweiz alles zu teuer finden und dann auch noch Online im Ausland einkaufen. Das ist genau der schlussfolgernde Artikel zum gestrigen Artikel zum Umsatz des Onlinehandels. Schweiz, wach endlich auf. Weniger jammern, mehr überlegen!

    • MikeMU am 07.01.2016 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Herr Meier

      Klimaanlagen sind wohl eher für Firmen als für den Privatkonsument...

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  • Rudolf am 07.01.2016 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Standortvorteil

    die Schweiz lockte ja viele Firmen mit gewissen Steuervorteilen in die Schweiz. D macht jetzt das gleiche, und andere Nachbarländer werden wohl bald folgen. Das eine Firma Arbeitsplaetze von einem so steuergünstigen Kt. Schwyz nach D auslagert sagt alles.

  • WalSch am 07.01.2016 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Billiglohnland Deutschland

    Was einem wirklich zu denken geben müsste, ist die Tatsache, dass Deutschland, die stärkste Volkswirtschaft Europas, sich zu einem Billiglohnland entwickelt und für profitgierige Manager zu einem attraktiven Standort wird. Das ist eine Folge von jahrzehntelanger christlich-sozialdemokratischer Politik in Deutschland und der EU, die nur darauf abzielt, den Wohlstand in Europa zugunsten der globalen Grosskonzerne abzubauen. Beispiele: Hartz 4=staatlich verordnete Armut; Riester-Rente=staatlich subventionierter Versicherungsbetrug. Nur betrügt hier die Versicherung und nicht der Versicherte.

    • WalSch am 07.01.2016 10:54 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag

      Da muss man sich auch nicht wundern, dass in diversen EU-Staaten und der Schweiz rechtspopulistische Parteien immer mehr Zulauf haben und an Macht und Einfluss gewinnen. Deren Versprechen an die Wähler sind zwar die gleichen, sie kommen aber aus neuen Mündern.

    • SiMonster am 07.01.2016 12:07 Report Diesen Beitrag melden

      Anfügung

      Ich würde die heutigen Folgen, die Sie schildern, nicht nur auf die jahrzehntelanger christlich-sozialdemokratischer Politik beziehen, sondern sehe vor allem als Hauptverursacher die schleichende Amerikanisierung von DE, bzw. EU. Der Kapitalismus und die damit einhergehende Freie Marktwirtschaft legte das Zepter der Macht in die Hände der Reichen. Denn nur diese Elite hatte das Geld, welches dringend als Investition benötigt wurden, damit eine Wirtschaft nach Kapitalistischem Muster aufgestellt werden konnte. Ihre Macht und ihr Einfluss wuchs somit zusammen mit dem Reichtum ins unermessliche.

    • Mäsi am 07.01.2016 12:16 Report Diesen Beitrag melden

      Deutschland

      braucht auch nicht höhere Löhne, da die Kosten sehr tief sind. Die können ja gut mit den Löhnen leben. Wir brauchen die hohen Löhne, da wir überall zuviel bezahlen müssen. Hier müsste man mal ansetzen und die Kosten runterbringen. Dann sind wir auch wieder konkurrenzfähiger gegenüber der EU.

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