Beschwerde-Aktion

22. Mai 2018 13:57; Akt: 22.05.2018 16:18 Print

Bund soll teure Medis per Zwangslizenz vergünstigen

von Isabel Strassheim - Krebsmedikamente drohen unbezahlbar zu werden, so die Krebsliga Schweiz. Die Organisation Public Eye fordert deshalb den Bundesrat zum Eingreifen auf.

Sehen Sie die Aktion von Public Eye: Eine Frau bettelt am Zürcher Paradeplatz um Geld für ihre Krebsbehandlung
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Zwei Milliarden Menschen weltweit kommen nicht an einfachste Medikamente, so die Weltgesundheitsbehörde WHO. Zum Problem wird die Medikamentenversorgung inzwischen auch in reichen Ländern wie der Schweiz, wie die Krebsliga Schweiz und die entwicklungspolitische Organisation Public Eye gemeinsam kritisieren. «Die immer höheren Preise sind eine Bedrohung für das solidarische Schweizer Gesundheitssystem», sagt Krebsliga-Sprecherin Beatrice Bösiger.

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Um die Medikamentenpreise in Schach zu halten, fordert Public Eye deshalb vom Bundesrat eine faktische Teil-Enteignung der Pharmafirmen: Teure, patentierte Medikamente sollen notfalls auch andere Hersteller produzieren dürfen, was die Preise vergünstigen würde. Normalerweise haben Pharmafirmen durch den Patentschutz ein 20 Jahre dauerndes Monopol auf die von ihnen entwickelten Medikamente. Dieses soll der Bundesrat in bestimmten Fällen per Zwangslizenz aufheben, so Public Eye.

Hierzu startet Public Eye am Dienstag eine Sammelbeschwerde an Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und Gesundheitsminister Alain Berset. Dabei können Bürger per Postkarte die Forderung der Zwangslizenzierung unterstützen.

Pharmabranche hat höchste Gewinnmargen

Besonders bei der Krebsbehandlung steigen die Medikamentenpreise stark. Standardtherapien können jährlich
100'000 Franken kosten. Das neue Leukämiemedikament Kymriah von Novartis kostet rund 475'000 Franken, eine einmalige Behandlung reicht jedoch. Die hohen Preise seien nicht gerechtfertigt, so die Kritik.

Pharmafirmen haben verglichen mit anderen Branchen die höchsten Forschungskosten, wie ein Finanzanalyst erklärt. Dennoch weisen sie seit Jahrzehnten die höchsten Gewinne aus: Ein Betriebsgewinnanteil von 35 Prozent ist die Regel. «Die Börse erwartet das», so der Experte, der namentlich nicht genannt werden will. Finanzierbar ist dies aber nur über die hohen Medikamentenpreise.

Limitierung für teure Hepatitis-C-Medis

Bislang gab es in der Schweiz eine Limitierung von teuren Medikamenten nur bei Hepatitis C: Bestimmte, sehr teure Medikamente wurden nur dann in der Grundversorgung bezahlt, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten war. Seit letztem Herbst ist diese Einschränkung jedoch aufgehoben worden, und Krankenkassen müssen die Therapie allen erstatten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MB am 22.05.2018 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Monopol

    Endlich wird dagegen etwas gemacht! Kann doch nicht sein dass manche Menschen sich an unserer Gesundheit ins Unendliche bereichern.

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  • Patient am 22.05.2018 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Der richtige weg! Aber Subito.

    Ich sehe nicht ein, warum nur die CH die Forschung bezahlen sollte. Alles was lukrativ ist, wird von der Pharmaindustrie ins Ausland ausgelagert um Steuern zu sparen. Nur die Forschungskosten bleiben hier und werden unseren Bürgern in Form völlig überteuerter Medikamente aufgebrummt. Entweder die Pharmas tun endlich was um die CH zu entlasten oder der Bund zwingt sie zu Milliardenzahlungen an die Krankenkassen.

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  • Ursula am 22.05.2018 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Find ich gut...

    Wahrscheinlich werden dann unsere lieben Pharmariesen wieder damit drohen wegzuziehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Oepfu am 23.05.2018 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausland

    Bei günstigeren Sachen kauft man es am Besten im Ausland, muss nur ein wenig Acht geben beim Verzollen etc. Bin sonst nicht dafür dass man im Ausland einkaufen geht, aber wieso soll ich für eine Packung Endzündungshemmer das 9 Fache bezahlen? Es ist eh überall das gleiche drinn. Mir ist aber auch klar dass das bei Krebspatienten nicht funktioniert

  • Alfred A. am 23.05.2018 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Was unter Anderem besonders aufstösst

    Das sind die altbewährten, nur scheinbar modifizierten Medikamente. Geänderte Verpackung, bis zu 3-fach höherer Preis, jedoch absolut identische Rezeptur und wenn's hoch kommt nur geringfügig geänderte Namen. Man kommt sich veräppelt vor so man drauf kommt.

  • Hiki am 23.05.2018 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Ansatz

    Der einzige Weg um die Kranken Kassen Prämien in Schach zu halten fürt über die Begrenzung der Margen der involvierten Akteure. Alles andere ist Symptombekämpfung

    • Kernel am 23.05.2018 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hiki

      Genau so ist es. Eigentlich ganz einfach.

    • Supermario am 23.05.2018 13:55 Report Diesen Beitrag melden

      Ansatz???

      Was für ein hohler Satz "die Begrenzung der Margen der involvierten Akteure"! Welche Margen, bei welchen Akteuren??? NB machen die Medis ca. 8% der gesamten Gesundheitskosten aus; kannst Dir also gerne selber ausrechnen, wer die restlichen 92% in Rechnung stellt!

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  • Sozial Schmaortzer am 23.05.2018 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Neues aus der Trickkiste

    Immer jammern und nichts dagegen tun. Alles Bücklinge. Und wenn es wieder eng und teurer wird, dann heisst es: Tüen si emol hüestele. Und keiner will es gewesen sein. Fazit: Wenn es keiner gewesen ist, will auch keiner dagegen etwas tun. So schliesst sich Kreis und bis zum nächsten gejammere.

  • CH-Bürger am 23.05.2018 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur Banker sind Abzocker...

    Komisch, es werden doch mehrheitlich immer wieder die Banker als grosse Abzocker beschimpft. Wie wir jedoch letzt Woche durch die Medien erfahren durften, kassieren die Mitarbeiter in der Pharmaindustrie weitaus die grösseren Löhne wie die Banker! Und diese werden durch die Kranken mit überrissenen Medikamentenpreise finanziert. Eine Schande.

    • Supermario am 23.05.2018 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      Blöde Frage

      Kannst Dich natürlich noch lange darüber aufregen, aber sorry das sind alles private Unternehmen mit Orientierung zu Profit. Wenn Du es pestalozzimässig soviel besser kannst, warum bietest Du denn nicht höchstpersönlich selber was an???

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