Rekordexporte

22. Juli 2017 22:43; Akt: 22.07.2017 22:43 Print

Medikamente retten die Schweizer Handelsbilanz

von F. Lindegger - Die Schweiz freut sich über einen neuen Rekord bei den Exporten. Zu verdanken ist das vor allem einer Branche – und Zalando.

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Nachdem die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 den Euromindestkurs aufgehoben hatte, gingen die Schweizer Exporte stark zurück. Vor allem Branchen wie die Uhren- oder Maschinenindustrie litten unter dem starken Franken. Inzwischen haben sich die Ausfuhren wieder erholt. Für das erste Halbjahr 2017 gibt es nun sogar einen neuen Rekord zu verzeichnen: Es wurden Schweiz Waren im Wert von 109,6 Milliarden Franken exportiert. Das haben die verschiedenen Branchen dazu beigetragen:

• Pharma
Dass die Schweiz zurzeit Rekordexporte verzeichnet, liegt in erster Linie an der Pharma. Fast die Hälfte aller Ausfuhren (50,3 Milliarden Franken) geht aufs Konto von chemisch-pharmazeutischen Produkten. Zum Vergleich: 1990 exportierten hiesige Chemie- und Pharmafirmen Güter im Wert von gut 18 Milliarden Franken, was einem Anteil von rund 22 Prozent aller Ausfuhren entsprach. Die Pharmabranche ist auch dafür verantwortlich, dass die Schweiz seit 2001 eine positive Handelsbilanz aufweist. Ohne Pharmabranche hätte die Schweiz seither jedes Jahr deutlich mehr importiert als exportiert.

• Uhren
Die zweitgrösste Warengruppe, Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie, verbuchte gemessen am Vorjahr ein Plus von 2,1 Prozent. Der Wert aller Exporte belief sich auf knapp 30 Milliarden Franken. Das Niveau von vor der Aufhebung des Euromindestkurses wurde allerdings noch nicht erreicht. Die Uhrenexporte, die mit rund 9,5 Milliarden Franken den grössten Teil ausmachen, konnten erstmals seit 2015 wieder ein kleines Plus (0,1 Prozent) verzeichnen. Die Branche atmet auf: «Wir sind zufrieden, dass sich die Exporte stabilisieren», sagt Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbands Schweizerische Uhrenindustrie, zu 20 Minuten. Er sieht die Talsohle durchschritten.

• Maschinen
Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) konnte mit einem Wachstum von 0,4 Prozent ebenfalls leicht mehr exportieren. Die ausgeführten Güter der MEM-Industrie hatten einen Wert von 15,3 Milliarden Franken. Das entspricht etwa dem Niveau von Ende der 1990er-Jahre. Die ehemals wichtigste Exportbranche der Schweiz wurde durch die Aufwertung des Frankens stark getroffen. «Das moderate Exportwachstum widerspiegelt die Erholungstendenzen in den wichtigsten Absatzmärkten», erklärt Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor und Leiter Wirtschaftspolitik des Branchenverbands Swissmem. Im Vergleich zum Vorjahr befänden sich die Unternehmen in einer besseren Situation. Swissmem geht davon aus, dass das Wachstum auch in den kommenden Monaten anhält.

• Bekleidung
Die nackten Zahlen der Kleiderbranche lassen an ein kleines Exportwunder glauben: Im ersten Halbjahr 2017 betrug das Plus bei Textilien, Bekleidung und Schuhen gegenüber 2016 satte 20 Prozent. Gesamthaft exportierte die Branche Waren im Wert von gut 2 Milliarden Franken. Doch der jüngste Aufschwung bei Kleiderexporten ist auf den «Zalando-Effekt» zurückzuführen: Schicken Schweizer Konsumenten ihre im Ausland bestellten Kleider und Schuhe wieder zurück, fliessen sie in die Exportstatistik ein. Rücksendungen machen laut der Eidgenösssischen Zollverwaltung (EZV) inzwischen rund 40 Prozent der Exporte aus.

• Metalle
Ein deutliches Plus von 11 Prozent konnte bei den Metallen verzeichnet werden. 6,8 Milliarden Franken waren die Metallexporte im ersten Halbjahr wert. Unter den Begriff Metalle fallen Produkte wie Werkzeuge, Maschinenelemente oder Aluminium, Eisen und Stahl. Bei den Metallen handle es sich um typische Zulieferprodukte, erklärt Matthias Pfammatter von der EZV. Die Zunahme bei den Exporten führt er vor allem darauf zurück, dass die Konjunktur in Europa langsam wieder anziehe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bebbi am 23.07.2017 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohlstand?

    Also fassen wir zusammen. Mehr Export für die selben Medikamente, für welche das Ausland bis zu 50% weniger bezahlen muss als wir. Danke Lobby und von der Pharma bezahlten Politik, dass wir neben der hohen Medipreisen auch jedes Jahr 5% mehr KK bezahlen dürfen. Der "gebrachte Wohlstand" wird gleichzeitig wieder weggenommen!

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  • play am 22.07.2017 23:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nachtwächter

    Schweizer Vermögenssicherer Egon von Greyerz: Wir leben in einer vollständig gefälschten, künstlichen Welt - Das perfekte Rezept für ein Desaster.

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  • L.R am 22.07.2017 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handelsbilanz

    Ja die Kohle! Das wichtigste für die Wirtschaft. Dafür viele Suizide und psychisch, angeschlagene Angestellte!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Auf unsere Kosten am 23.07.2017 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Mit der nächsten Ameisengrippe-Pandemie

    schafft die Pharmaindustrie sogar noch einen Extrabonus!

  • Kurt I. am 23.07.2017 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer profitiert

    Interessant. Demnach gibt es für den künstkich erhöhten Eurokurs zum allergrössten Teil nur einen Profiteuer: Die Pharmaindustrie. Ausgerechnet die Branche, die vom eigenen Volk massiv höhere Preise als im Ausland verlangt. Die grosse Masse (Import) würde von einem tiefen Euro profitieren.

  • arwhite am 23.07.2017 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Echt traurig dass man für den wachstum und gewinn durch medikament (gift) die nur symptome bekämpfen und letztendlich morden noch gelobbt wird. Wenn im namen der medizin körperverletzung bis tod ausgeübt wird, dann ist völlig okay solange es der schulmedizin dient.

    • Omg. am 23.07.2017 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @arwhite

      Erzähle dass den Patienten die ohne der Pharma den Löffel abgeben. In deinem Umkreis gibt es wohl auch Bekannte welche auf Medikamente angewiesen sind, diskutiere doch mit denen und sei froh nicht in dieser Lage zu sein.

    • arwhite am 23.07.2017 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Omg.

      Die schulmedizin hat sie erst in diese lage gebracht, den löffel abzugeben ohne medis;) aber auch fast in jedem üblen zustand, kann man das bis zu einem bestimmten grad noch rückgängig mache

    • Obst am 23.07.2017 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @arwhite

      Genau, nimm dem Kind den Asthmaspray weg, dem Diabetiker das Insulin, dem Allergiker das Antihistaminika und der Grossmutter den Betablocker und Du hast Freunde fürs Leben. Oder auch nicht.

    • Schmuggel Joe am 23.07.2017 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Omg.

      Lies mal die Liste der Nebenwirkungen.! Selten stirbt jemand an Krebs aber ganz sicher an den Nebenwirkungen der Chemotherapie. In der Natur gibt es alles, was uns gesund machen oder halten würde.! Aber keinen Gewinn für die Pharma.!

    • Omg. am 23.07.2017 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schmuggel Joe

      Okay, dann Krebs unbehandelt lassen und abwarten. Lesen Sie manchmal auch was Sie da schreiben? Das ist Geschmackslos für alle Erkrankten.

    • arwhite am 23.07.2017 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Omg.

      Wenn 2-3 % jährlich nach den definierten 6 jahren bei dem eine 100% chance überleben, ist das denn eine erfolgreiche statistik? Oder kann man nicht gleich drauf verzichten und alternativen suchen? Oder müssten es 100% sein um sie davon um si davon zu überzeugen. Normalerweise sollte es ungekehrt sein und pharma dürfte keine nedis auf den markt wenn sie nicht die krankheit nicht ganz elimieren und erfolgchance 80-90% liegen. Das ist ganz klar eine wiederspruch umd betrug

    • Omg. am 23.07.2017 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @arwhite

      Keine Ahnung was Sie da schreiben. Wenn Sie jedoch bei einer Erkrankung eine Alternative Behandlung vorziehen, dann ist es Ihr gutes Recht.

    • Hmm.. am 24.07.2017 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @arwhite

      Wollen Sie sagen, dass Patienten bei einer Überlebenschance von 90% lieber auf eine Behandlung verzichten sollten?

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  • tinu am 23.07.2017 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist natürlich

    ...erfreulich!! Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die Handelsüberschüsse des Einen zu Handelsdefiziten eines bzw. mehreren Anderen führen. Die Länder mit chronischen Defiziten im Handel sind arm. Und die dortige Bevölkerung hat keinen grösseren Wunsch, als endlich abzuhauen und zwar wohin? Genau, in die Länder mit Handelsüberschuss. Wir exportieren Waren und DL müssen aber umgekehrt die Menschen aus Ländern mit Handelsdefiziten aufnehmen.

  • Thomas am 23.07.2017 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Aber leider ändert dies nicht den Temporärbeschäfftigten Trend der Firmen in der Schweiz... Bilanz: die Firmen machen immer mehr Gewinn und beuten so die Leute mit schlechten Verträge aus.

    • Ja,aber am 23.07.2017 13:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas

      Wahrscheinlich nicht nur in der Schweiz so.

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