«Medikamenten-Kartell»

17. Dezember 2018 11:58; Akt: 17.12.2018 13:29 Print

Politiker kämpft für Medis im Supermarkt

In Deutschland gibt es den Nasenspray für 6 Franken, bei uns kostet er mehr als das Doppelte. Politiker und Konsumentenschützer kämpfen nun für eine Verbilligung.

Bildstrecke im Grossformat »
Die angestrebte Liberalisierung des Heilmittelgesetzes – sprich, dass rezeptfreie Medikamente auch im Regal des Detailhändlers bereit stehen – soll den Einkauf bequemer machen, vor allem aber die hiesigen Preise senken. «In der Schweiz ist mehr Wettbewerb dringend nötig, damit die Preise von frei verkäuflichen Medikamenten sinken», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin vom Konsumentenschutz. Als Beispiel: Die Salbe Voltaren Dolo kostet in Deutschland umgerechnet 7 Franken. In der Schweiz kostet die identische Creme über 14 Franken. Wer jetzt gegen seine ständig laufende Nase auf den Spray Nasivin zurückgreifen möchte, blättert in der Schweiz rund 13 Franken hin. Das gleiche Produkt gibt es in Deutschland für nur 6 Franken. Während man in Deutschland für 30 Brausetabletten von Supradyn 17.70 Franken bezahlt, verlangen hiesige Fachgeschäfte etwa 32 Franken. Für die Detailhändlerin Migros, die deutlich günstigere Medikamentenpreise als bei Apotheken und Drogerien in Aussicht gestellt hatte, ist klar, dass die Pharmabranche derzeit eine Vergünstigung umgehen will. Um das Verbot des Direktverkaufs von Medikamenten zu umgehen, hat die Detailhändlerin in mehreren Filialen Shop-in-Shop-Apotheken eröffnet. In den USA sind Medikamente, gar Schmerzmittel, in sämtlichen Supermärkten erhältlich. Diesem Vorbild will man in der Schweiz aber nicht nacheifern: «Wir wollen deutsche Verhältnisse, die aber im Vergleich zu England oder Amerika noch sehr moderat sind», sagt Martin Schläpfer, Leiter Wirtschaftspolitik der Migros.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bei Halsweh, laufender Nase oder einem verstauchten Knöchel muss nach wie vor ein Drogist oder Apotheker aufgesucht werden: Der Versuch von Migros und Co., rezeptfreie Arzneimittel direkt via Regal dem Kunden zu verkaufen, ist gescheitert. Die Swissmedic, die Aufsichtsbehörde für Arzneimittel, hat das Vorhaben im Keim erstickt.

Umfrage
Würden Sie den Verkauf von rezeptfreien Medikamenten beim Detailhändler begrüssen?

Dagegen formiert sich nun Widerstand. FDP-Ständerat Ruedi Noser hat eine Motion eingereicht, die zum Ziel hat, den Verkauf diverser rezeptfreier Arzneimittel in Supermärkten doch noch durchzusetzen. «Es gibt keinen Grund, warum man den gut informierten Schweizer Bürgern unbedenkliche Heilmittel im Detailhandel vorenthalten sollte», sagt der Politiker gegenüber der «SonntagsZeitung» – dies sei eine «völlige Bevormundung».

Konsumentenschutz gegen Monopolstellung

Die in die Tat umgesetzte Liberalisierung des Heilmittelgesetzes soll den Einkauf bequemer machen, vor allem aber die hiesigen Preise senken. «In der Schweiz ist mehr Wettbewerb dringend nötig, damit die Preise von frei verkäuflichen Medikamenten sinken», sagt so auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin vom Konsumentenschutz. Mehr Konkurrenz beim Verkauf bringe tiefere Preise.

Teurer Schweizer Schnupfen

Ein Vergleich mit dem Nachbarland Deutschland, wo rezeptfreie Heilmittel seit Jahren in den Regalen von Detailgeschäften stehen, zeigt: Die Medikamente werden durch den Direktverkauf deutlich günstiger. Wer jetzt gegen seine ständig laufende Nase auf den Spray Nasivin zurückgreifen möchte, blättert in der Schweiz rund 13 Franken hin. Das gleiche Produkt gibt es in Deutschland für weniger als die Hälfte – umgerechnet bezahlt man dort nur 6 Franken.

So ist bei uns auch eine Energie-Tablette von Supradyn rund 180 Prozent teurer: Während man in Deutschland für 30 Brausetabletten 17.70 Franken bezahlt, verlangen hiesige Fachgeschäfte knapp 32 Franken.

Auch eine Sportverletzung lässt sich in Deutschland günstiger pflegen. Die Salbe Voltaren Dolo kostet in Deutschland umgerechnet 7 Franken. In der Schweiz kostet die identische Creme über 14 Franken.

Migros spricht von einem «Medikamentenkartell»

Für Detailhändlerin Migros, die deutlich günstigere Medikamentenpreise als bei Apotheken und Drogerien in Aussicht gestellt hatte, ist klar, dass die Pharma-Branche eine Vergünstigung umgehen will. Martin Schläpfer, Leiter Wirtschaftspolitik der Migros, meint: «Die Branchenschützer haben sich zu einem Kartell zusammengeschlossen und verhindert, dass unbedenkliche Medikamente in den Detailhandel kommen.»

(miw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Brändle am 17.12.2018 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochpreisinsel Schweiz

    Die Schweizer Pharma-Unternehmen kriegen seit Jahren den Hals nicht voll. Und da gibt es echt noch Leute, die sich wundern, wenn man solche Dinge im Ausland kauft?!? Einen Preisunterschied von über 50% ist durch absolut nichts zu rechtfertigen!

    einklappen einklappen
  • Nick am 17.12.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Positiv sehen

    Je teurer es in CH ist, desto mehr lohnt der nächste Ausflug nach DE. Und die Mehrwertsteuer gibt es obendrein zurück.

    einklappen einklappen
  • S.Kritischer. am 17.12.2018 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Farmalobby lässt grüssen.

    Die Farmalobby lässt grüssen und die sitzt ja vorallem in der SVP und FDP.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ivano M. am 18.12.2018 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Freier Markt bei gleicher Sicherheit??

    Etwas geht in der Diskussion vergessen: Dank frei käuflicher Schmerzmittel im Supermarkt etc. steht jede 2. Hospitalisation in den USA in direktem Zusammenhang von Überdosierungen von frei käuflichen Schmerzmitteln. Wer bezahlt dann die Kosten? Es gibt eine umverteilung, wir bezahlen dass alles über wieder höhere Krankenkassen Gebühren... Medikamente gehören nicht in den unkontrollierten Verkauf!

    • Med. am 18.12.2018 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ivano M.

      Das mit den USA.. woher willst Du es wissen?

    einklappen einklappen
  • Lourdes am 18.12.2018 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freier Markt

    Wir fordern freie Marktwirtschaft für alles, für alle!

  • wianve am 18.12.2018 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechnung ohne den Wirt?

    Und die Löhne? Würde der Lohn einer Pharma-Assistentin dem deutschen Lohn angepasst, wäre sie 3 mal billiger. Alle nehmen gerne Schweizerlöhne aber klagen auf hohem Niveau. Ohne Lohneinbussen wird es in der Schweiz nie billiger. Die AHV Beiträge fliessen bei Auslandeinkäufen auch nicht. Wir sägen zusehends am eigenen Ast. Die Nebenwirkungen der Selbstbedienung werden sich der USA angleichen.

  • Leonard Morina am 18.12.2018 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sage nur Hochpreis Insel

    Ich weiss das schon seit Jahren das Essen und Medis in Deutschland viel günstiger sind als in der Schweiz. Das mit den Löhnen zieht nicht mehr als Argument, ich sage nur "Hochpreis Insel Schweiz"

  • Andy am 18.12.2018 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medikamentenpreise in der Schweiz

    Noch schlimmer ist es mit ausländischen Pharmaunternehmen bei rezeptpflichtigen Medikamenten die von den KKs nicht bezahlt werden: Cialis in der Schweiz (wo's keine Generika gibt) 412 Fr, Generikum davon in Deutschland 29.80. Rezept beim Arzt in der Schweiz holen und ab nach Deutschland zum Kaufen. Funktioniert prima!