SBB 2010

30. März 2011 09:10; Akt: 30.03.2011 13:40 Print

Mehr Passagiere, Güter und Schulden

2010 war für die SBB ein Jahr der Rekorde. Noch nie fuhren so viele Menschen mit der Bahn. Allerdings gibt es auch einen Wermutstropfen.

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Die SBB hat noch nie so viele Fahrgäste befördert, wie im vergangenen Jahr. Täglich drängten sich 951 000 Menschen in den Zügen. Dazu kamen Tag für Tag 200'000 Tonnen Güter. Wegen hoher Investitionen und der Pensionskassen-Sanierung stiegen aber auch die Schulden.

Das Konzernergebnis sei 2010 mit knapp 300 Millionen Franken erfreulich ausgefallen, sagte SBB-Chef Andreas Meyer am Mittwoch vor den Medien. Besorgniserregend sei allerdings die jährlich um fast 10 Prozent ansteigende verzinsliche Verschuldung, fügte Finanzchef Georg Radon an. Sie liege bei über 8 Milliarden Franken.

Die Mehrkosten für die Infrastruktur belaufen sich für den Personenverkehr bis 2017 auf rund 500 Millionen Franken pro Jahr. Und pro Jahr werde durchschnittlich eine Milliarde Franken in neues Rollmaterial investiert.

Preiserhöhungen seien unvermeidlich, weil sich der Mehraufwand von jährlich 70 Millionen Franken nicht durch Effizienzverbesserungen und Produktivitätssteigerung kompensieren lasse. In den letzten Jahren seien die Leistungen stärker gewachsen als die Preise, sagte Meyer.

Das Bahnfahren werde deshalb in den nächsten Jahren schrittweise teurer, kündigte der SBB-CEO an. «Radikale Veränderungen» werde es nicht geben. Geplant seien jedoch differenzierte Tarife. Die Fahrt im schnellen komfortablen Zug soll künftig teurer sein als im langsameren.

40 Prozent mehr Sitzplätze

Den Fahrgästen verspricht Meyer bis 2017 40 Prozent mehr Sitzplätze in komfortablen modernen Zügen sowie dichtere Fahrpläne. Ab 2013 werden 400 Meter lange Intercity-Doppelstockzüge durch die Schweiz fahren. Bereits ab 2012 gebe es 150 Meter lange S-Bahn-Züge.

Im Hinblick auf die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels und der Durchmesserlinie in Zürich 2017 wurden 100 neue Doppelstockzüge angeschafft. Zudem wurden 19 moderne TGV-Züge für die Strecke nach Paris bestellt.

Im Jahr 2010 benutzten sechs Prozent mehr Menschen den Zug als 2009. Vor allem der internationale Personenverkehr stieg überdurchschnittlich. Insgesamt stieg die Verkehrsleistung um 5 Prozent auf gut 17,5 Milliarden Personenkilometer.

Auch SBB Cargo legte zu und transportierte täglich 200'000 Tonnen Güter. Die Transportleistung stieg gegenüber dem Vorjahr um 12,3 Prozent auf gut 13 Milliarden Nettotonnen-Kilometer. Trotzdem sei die Trendwende noch nicht geschafft: Der Verlust blieb mit 64 Millionen Franken in der Grössenordnung des Vorjahres (62,5 Millionen).

Zufriedene Kunden, unzufriedenes Personal

Die Zufriedenheit der Kunden im Personenverkehr stieg im Vorjahresvergleich leicht auf 75,9 Punkte ( 0,3). Besser beurteilt wurden namentlich Sicherheit, Kundeninformation und Pünktlichkeit. 87 Prozent aller Passagiere erreichten ihr Ziel pünktlich, also mit maximal drei Minuten Verspätung.

Weniger gute Noten erhielt das Wohlbefinden der Passagiere. Die SBB führt dies vor allem auf die überfüllten Züge zu Spitzenzeiten zurück.

Gesunken ist das Vertrauen des Personals in die Konzernleitung. Weil im Unternehmen viel umgekrempelt worden sei, habe er Verständnis dafür, sagte Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi. Die Gründe seien analysiert und Massnahmen eingeleitet worden, versicherte Meyer. Als Ausdruck der Wertschätzung erhalten sämtliche Mitarbeitenden eine einmalige «Dankesprämie» von 500 Franken, sagte Gygi.

Schwere Eisenbahnunfälle blieben der SBB erspart. Allerdings sei es zu einer ganzen Reihe von kleineren und mittleren Unfällen mit Verletzten gekommen. In Zürich ereignete sich aber im Oktober ein tödlicher Arbeitsunfall.

(sda)