Familien-Saga

12. Dezember 2011 22:39; Akt: 12.12.2011 22:39 Print

Mein Leben als Madoffs Schwiegertochter

Vor einem Jahr brachte sich Mark Madoff, der Sohn des Milliardenbetrügers Bernard Madoff, um. Jetzt hat seine Witwe Stephanie Mack ein Buch geschrieben über das Geld, die Familie und den Hass auf diese.

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Der Name Madoff ist zu einem Unwort geworden, nicht nur an der Wall Street. US-Zeitungen nannten den Milliardenbetrüger Bernard Madoff den «meistgehassten Mann in New York». Deshalb hat Stephanie Mack diesen Namen in ihrem Privatleben inzwischen abgelegt.

Auch den Kontakt zu ihren Schwiegereltern, Bernard und Ruth Madoff, hat die 37-Jährige vollständig abgebrochen. Doch für ihr vielbeachtetes Buch mit dem Titel «The End of Normal» (Das Ende des Normalen) musste der Name Madoff nochmals hinhalten: Stephanie Madoff Mack beschreibt darin, wie sie den Fall des grössten Betrügers der Finanzgeschichte miterlebt hat, und wie sie den Tod ihres Mannes Mark vor einem Jahr verkraftete. Ihr Fazit: «Bizarr» und «surreal» sei ihr Leben in der Madoff-Familie gewesen. Bernard Madoff, den Milliardenbetrüger, hasst sie, wie sie in ihrem Buch mehrmals betont.

«Alles, was sie anfasst, kriegt sie»

Angefangen hatte alles, als Stephanie Mack, die als Assistentin in der Modebranche tätig war, an einem Blind-Date im Jahr 2002 Mark Madoff kennenlernte. Sie sei damals «keine reiche Prinzessin von der Upper East Side» gewesen, sagte sie dem «Spiegel». Ihren zukünftigen Schwiegervater Bernie bezeichnete sie als «bodenständig, charmant, ruhig und freundlich».

Das Familienoberhaupt verwöhnte die neue Schwiegertochter Stephanie: Bei einem Shopping-Trip soll Bernie Madoff die Kreditkarte auf den Tisch geworfen haben und zu den Verkäuferinnen gesagt haben: «Alles, was sie anfasst, kriegt sie.» In seinen Mittagspausen soll sich der Zocker Madoff sogar die Zeit genommen haben, um seiner neugeborenen Enkeltochter den Schoppen zu geben.

Krankhafter Ordnungswahn

Andererseits sei ihr Schwiegervater von einem krankhaften Ordnungs- und Reinlichkeitswahn besessen gewesen, erzählt Mack in dem Buch. Die Hermès-Hemden und Prada-Anzüge hätten in den begehbaren Kleiderschränken streng nach Farbe sortiert werden müssen. Gäste seien im New Yorker Luxus-Penthouse von Ruth und Bernard Madoff sowieso selten willkommen gewesen, damit nichts dreckig wurde.

Der 11. Dezember 2008, als Bernard Madoff seine Familie zusammenrief, um ihr seine Betrügereien zu gestehen, wird von Stephanie Mack folgendermassen geschildert: «Lass uns von hier verschwinden» (Let's get the fuck out of here), soll Mark Madoff gesagt haben. Die beiden Brüder seien daraufhin aus dem Zimmer gestürmt und hätten die Sicherheitswache informiert, bevor sie die Börsenkommission informierten.

Um die Asche des Sohnes gestritten

Ebenfalls charakteristisch für die Welt der Madoffs war die Reaktion auf den Milliarden-Betrug. Die Familie begann, sich selbst zu zerfleischen und sich gegenseitig zu beschuldigen. Mark versuchte bereits im Herbst 2009, sich umzubringen. Genau zwei Jahre nachdem der Madoff-Betrug aufgeflogen war, am 11. Dezember 2010, erhängte er sich in der Wohnung mit der Hundeleine. Der 22 Monate alte Sohn von Mark und Stephanie hatte sich im Zimmer nebenan befunden.

Aber auch die Beziehung zwischen Mark Madoff und Stephanie Mack lässt letztlich widersprüchliche Schlüsse zu: So bezeichnet Stephanie Mack ihn in ihrem Buch als «Helden». Erstens zweifelte Stephanie nie an der Unschuld ihres Ehemannes und betont, dass die Brüder Mark und Andy ein von ihrem Vater vollständig unabhängiges Business führten. Die Schecks über 140 Millionen Dollar, welche die Polizei in der Schreibtischschublade von Mark gefunden hatte, seien lediglich von den beiden Söhnen vorsorglich gestopptes Geld. «Ich war sehr stolz auf Mark. Ich war mit dem Mann zusammen, der das Richtige tat. Er war ein Held», schreibt Stephanie.

Gerüchte um Scheidung

Dieser «Held» hatte aber auch seine dunklen Seiten. So stritt sich Stephanie intensiv mit ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter Ruth über die Kinder aus Marks erster Ehe: Die Ex-Frau von Mark, Susan Elkin, beschreibt Stephanie als Stalkerin und Kontrollfreak («controlling bitch»). Nicht zuletzt gab es Gerüchte um eine Scheidung von Stepahnie und Mark. Mutter Ruth Madoff veröffentlichte diese in dem «Truth and Consequences» (Wahrheit und Konsequenzen) von Susan Elkin und behauptete, Mark habe sich deswegen ein erstes Mal erfolglos umbringen wollen. Stephanie streitet dies alles ab.

(egg)