«Grosser Durchbruch»

17. Juni 2011 14:23; Akt: 17.06.2011 17:28 Print

Merkel und Sarkozy haben Griechen-Lösung

Die beiden Kontrahenten im Streit um die Art der Griechen-Rettung haben eine Lösung gefunden. Nun wollen sowohl Angela Merkel als auch Nicolas Sarkozy die Banken mitbluten lassen.

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Nicolas Sarkozy und Angela Merkel wollen den Euro stärken. (Bild: Keystone)

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Da hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wohl viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Noch am Donnerstag hatte sich Frankreichs Staatspräsident dagegen gewehrt, private Investoren am neuen Rettungspaket für die Griechen zu beteiligen.

Sarkozy fürchtet um die eigene Finanzindustrie, da die Institute der Grande Nation stark in Griechenland engagiert sind. Frankreichs Banken hatten Ende 2010 Forderungen gegenüber Athen von 56,7 Milliarden US-Dollar in den Büchern. Allein Crédit Agricole hat 30 Milliarden ausstehend.

Über Nacht – so scheint es wenigstens – hat Frankreichs Präsident seine Befürchtungen abgebaut. Wie nach dem Treffen der beiden Spitzenpolitiker in Berlin verlautete, haben sich Merkel und Sarkozy darauf geeinigt, den Privatsektor ebenfalls in die Griechen-Rettung einzuspannen. Es handele sich um einen «grossen Durchbruch», erklärte Sarkozy.

EZB tatsächlich im Boot?

Die Lösung beruht laut dem französischen Präsidenten auf vier Prinzipien: Freiwilligkeit, Schnelligkeit, kein Zahlungsausfall und dem Einverständnis der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die EZB um ihren Chef Jean-Claude Trichet hatte zuletzt vor dem Einbezug der Banken gewarnt, da die Ratingagenturen dies als teilweisen Kreditausfall werten könnten. Trichets Furcht war der Flächenbrand: Die Pleite von griechischen Banken könnte auch Portugal, Spanien und Irland in den Strudel reissen.

Der EZB-Chef selbst ist in der Eurokrise längst zum wichtigen Akteur geworden. Er hat die klammen Länder mit Geld versorgt und Staatsanleihen aufgekauft, die der Markt nicht mehr wollte. Deswegen musste sich Trichet Kritik anhören: Er stemme sich gegen eine Umschuldung Athens, weil er dann Abschreibungen auf den Beständen der griechischen Anleihen der EZB machen müsste.

Hilfspaket rasch verabschieden

Merkel betonte nach dem Treffen mit Sarkozy, dass sie hinter dem griechischen Premier Giorgos Papandreou und seinen Sparbemühungen stehe. Sie habe sich am Vortag vergewissert, wie sehr Papandreou für sein Sparpaket eintrete. Merkel gab sich davon überzeugt, dass Griechenland «den richtigen Weg» gehe.

Zudem will sich die Bundeskanzlerin dafür einsetzen, das Hilfspaket an die Adresse Athens so schnell wie möglich zu verabschieden. «Wir brauchen jetzt ein neues Programm für Griechenland», sagte die Kanzlerin. Deutschland habe profitiert von einem starken Euro. Seine Wirtschaftsstärke hänge mit einer starken Währung zusammen. In typischer Politiker-Manier betonte Merkel: Deutschland und Frankreich seien gemeinsam entschlossen, den Euro zu stärken.

Ungeordnete Pleite

Wenn sich die einzelnen Eurostaaten und die Europäische Zentralbank nicht auf einen gemeinsamen Plan für Griechenlands Umschuldung einigen können, droht Athens ungeordnete Pleite. Womöglich mit Konsequenzen wie nach dem Kollaps der US-Investementbank Lehman Brothers.

Auch deutsche und französische Top-Manager warnen vor dem Untergang der Währungsunion. «Ein Scheitern des Euro wäre ein fataler Rückschritt für Europa», wird es in einer Anzeige von 47 Unternehmenslenkern heissen, die kommende Woche in überregionalen deutschen und französischen Tageszeitungen erscheinen soll.

(sas/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Guck am 18.06.2011 03:32 Report Diesen Beitrag melden

    Schrecken ohne Ende

    Alle die das Abkommen nicht einhalten, sofort aus dem Euro entlassen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben und lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Das Einfache kennt diese Politik leider nicht, ansonsten hätten sie schon längst erkannt, dass sie für solche Aufgaben unfähig sind.

  • Marc Zitter am 17.06.2011 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Merkel

    Fällt das niemanden auf das die Merkel immer eine Lösung hat? Eigentlich müssten sie gar keine Probleme haben, wenn sie immer eine Lösung hat.

    einklappen einklappen
  • Peter Meier am 18.06.2011 00:35 Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Bild

    Ein sehr gelungenes Bild! Die Kopflage von Merkel, der Blick von Sarkozy, einfach unbezahlbar! Folglich: "Alles äussert sich im Äusseren"

Die neusten Leser-Kommentare

  • Monique am 19.06.2011 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Josef Ackermann

    will seine Schäfchen retten auf Kosten der Steuerzahler. 100 Milliarden f. GR - der Vorschlag kommt von Ackermann. Ein Skandal: In Deutschland stellt sich nun offen die Frage, ob das Bundesfinanzministerium (sprich Schäuble) zugunsten der Allgemeinheit (des Staates) oder nur der Deutschen-Bank u. ihrer Chef Josef Ackermann - ein Bilderberger - entscheidet, und dies ungeachtet der enormen Lastes auf die deutschen und griechische Steuerzahler. Ein Scheitern des Euro wäre nicht für Europa, sondern für die Banken ein fataler Rückschritt, das ist die Wahrheit...

  • Antonio am 18.06.2011 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nutzniesser sollen blechen

    Wie wäre es, wenn die Banken allen Zins, den sie an Griechenland die letzten 5 Jahre verdient haben, zurückzahlen müssten ? Griechenland wäre saniert, die Pleite abgewendet und die Banken müssten sich in Zukunft überlegen, ob sie Hochrisikoanleihen für Traumrenditen in Kauf nehmen möchten oder nicht. Aktuell verdienen sich Banken eine goldene Nase mit Griechenlandanleihen und die Griechen verarmen.

  • Monique am 18.06.2011 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur ein Spiel

    Meine Güte, für wie naiv hält man uns? Merkel hat gerade den Chefsredakteure der Zeitungen wiedermal verboten, die Wahrheit zu berichten, um die Leser nicht zu verunsichern, was für die Banken unerfreuliche Folgen haben könnte. Sie weiss doch, dass Griechenland so gut wie nie ihre Schulden bezahlen wird. Merkel hat die EU aufgegeben u. bereits im April offen eine "Weltregierung" verlangt, wobei, so Merkel, "Verständlicherweise die Staaten ihre Souveränität u. ihre Rechte aufgeben müssen"(s. youtube). Somit müsse die EU u. die Währungsunion scheitern,um Platz für die neue Weltordnung zu machen.

  • Fredi am 18.06.2011 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung?

    Von einer Lösung kann realistischerweise nicht die Rede sein. Eher von einer weiteren Feuerwehrspritze. Vermutlich ist das nötig um Zeit zu gewinnen und die Systeme bestmöglich auf eine Umschuldung vorzubereiten. Die Probleme sind fundamental. Griechenland kommt m.E. aus einem mindestens vorübergehenden Austritt aus der Währungsunion nicht herum. Weiter muss die EU umgehend ihre fiskalpolitische Integration etc. an die Hand nehmen. Eine Herkulesaufgabe jenseits von nationalen Interessen.

  • Reto Meier am 18.06.2011 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Immer grössere Schulden zur Euro-Rettung

    Sarkozy und Merkel schützen mit dem neuen Rettungspaket lediglich die Fehlinvestitionen von Banken zu Lasten der Steuerzahler, die dazu sowieso nichts zu sagen hatten und haben. Eigentlich müssten diese Investitionen längst als wertlos und uneinbringlich abgeschrieben sein anstatt mit immer neuen Rettungspaketen weitergerollt werden. Denn nicht nur Griechenland hat ein Primärdefizit, d.h. es bezahlt sämtliche Zinsen für die alten Schulden mit neuen Schulden aus dem Rettungspaket!