Widerrechtliches Airbnb-Angebot

26. Januar 2018 14:34; Akt: 26.01.2018 14:34 Print

WEF-Besucher hintergeht Wohnungsbesitzer

von R. Knecht - Seine Wohnung war für fast 2600 Franken pro Nacht auf Airbnb ausgeschrieben – der Eigentümer wusste davon nichts, bis ein Bericht über die Abzocker erschien.

Bildstrecke im Grossformat »
Ein Eigentümer erkannte in Bildern wie diesem, das auf Airbnb zu finden war, seine eigene Wohnung in Davos wieder. Ein Mieter hatte die Liegenschaft ohne das Wissen des Eigentümers auf Airbnb angeboten. (Das Originalbild zeigte einen grösseren Ausschnitt des Zimmers) Die Lage der Wohnung machte sie besonders interessant für WEF-Besucher. Der Preis auf Airbnb: knapp 2600 Franken pro Nacht für vier Betten. Genauer gesagt, handelte es sich bei den Betten wohl um Luftmatratzen, die der Mieter selbst organisiert hatte. (Das Originalbild zeigte einen grösseren Ausschnitt des Zimmers) Mittlerweile ist das dubiose Angebot von der Plattform verschwunden. 20 Minuten kontaktierte auch den Mann, dessen Bild und Name auf dem Airbnb-Profil des Anbieters zu sehen waren. Er bestätigte, dass er am WEF sei, doch er wollte von der Sache nichts wissen. «Ich bin da nicht involviert», sagte er. Kurz darauf verschwand sein Profil von der Plattform. Dass der Mieter den Besitzer nicht über das Angebot auf Airbnb informierte dürfte widerrechtlich sein. Mieter müssen ihren Vermietern mitteilen, dass sie das Objekt weitervermieten, wie Daniela Fischer, Anwältin bei Peyer Partner Rechtsanwälte und Expertin für Mietrecht, zu 20 Minuten sagt. Für die Untervermietung gelte zudem die Regel, dass sie nicht missbräuchlich sein darf, wie Fischer sagt. Wo genau die Grenze der Missbräuchlichkeit liegt, sei umstritten. «Ein Mietzins von 110 Prozent erscheint mir ohne nachvollziehbare Gründe diese Grenze klar zu überschreiten», so Anwältin Fischer. Der Vermieter versicherte, dass 2600 Franken pro Nacht definitiv mehr als ein 10-prozentiger Zuschlag sei. Er betonte aber auch, dass das Angebot zu diesem Preis gar nie angenommen worden sei. Mittlerweile habe der Vermieter die Angelegenheit mit dem Mieter geklärt. Rechtliche Schritte ziehe K. nicht in Betracht, sagt er zu 20 Minuten. Das nun verschwundene Angebot auf Airbnb ist allerdings kein Einzelfall: Ein Anbieter verlangt etwa 1670 Franken für eine einzige Nacht. Zu diesem Preis übernachten Sie auf dieser ausziehbaren Couch. Im Vergleich zu Airbnb sind die Preise der Hotellerie in Davos besser: Die Übernachtung in einem Zweisterne-Hotel in der Nähe des Kongresszentrums kostet weniger als das teuerste verfügbare Airbnb-Angebot. 1125 kostet die Nacht vom 25. auf den 26. Januar inklusive Frühstück. Bis zu drei Personen können zu diesem Preis übernachten. Noch etwas günstiger fahren WEF-Gäste, die in einem Schlafsaal übernachten. Eines der Hotels in Davos bietet solche Übernachtungen für rund 200 Franken an. Das WEF bringt massenweise Flugverkehr in die Schweiz. Die Leser haben Bilder davon gemacht. Am Dienstagvormittag, 23. Januar 2018, ist ein weiteres Flugzeug der US-Delegation in Kloten gelandet. Die Flugzeuge von anderen Delegationen wie etwa Indien oder Kanada sind bereits parkiert. Schon am Sonntag, 21. Januar 2018, ist eine C-5-Galaxy der US Air Force gelandet, eines der grössten Flugzeuge der Welt. Im Bauch des Flugzeugs befanden sich Tanklastwagen. Am späteren Sonntagnachmittag gab es dann nochmals Bewegung am Zürcher Himmel: Zwei Black-Hawk-Helikopter der US-Armee, zwei White-Hawk-Helikopter und zwei Super Pumas der Schweizer Armee sind von Dübendorf nach Kloten geflogen. Laut einem Planespotter handelt es sich um eine Übung für die Landung des US-Präsidenten, die für Donnerstag geplant ist. Wenig später sind die Helikopter dann in Richtung Davos abgeflogen – um den Transport ans WEF zu üben. Am Sonntag, 14. Januar 2018, landete zudem dieses Frachtflugzeug der US Air Force: eine Boeing C-17 Globemaster III. Der Flieger brachte gepanzerte SUV-Limousinen nach Zürich.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Bekannten des Wohnungsbesitzers T. H.* waren überrascht, als sie bei 20 Minuten lasen, dass dessen Wohnung auf Airbnb zum horrenden Preis von knapp 2600 Franken pro Nacht angeboten wird. H. selbst war genauso verdutzt wie seine Kollegen, als sie ihn darauf ansprachen. Er habe seine Wohnung überhaupt nie auf die Plattform gestellt, sagt er zu 20 Minuten.

Umfrage
Wie viel kostete Ihre teuerste Übernachtung?

H. hatte die Wohnung übers WEF an eine Agentur vermietet. Den Preis will er nicht verraten, er sei aber viel niedriger als 2600 Franken pro Nacht und «absolut im normalen Rahmen» gewesen. Der Gast hatte wohl selbst eine Luftmatratze mitgebracht und bot insgesamt vier Schlafplätze auf Airbnb zu je 646 Franken an.

Spuren verwischt

Das dubiose Angebot ist nach der Veröffentlichung des Artikels über die Abzockerpreise auf Airbnb von der Plattform verschwunden. Eine Sprecherin von Airbnb kommentiert den Vorfall: «Wir weisen alle Gastgeber darauf hin, sicherzustellen, dass sie die Erlaubnis haben, ihre Unterkunft auf Airbnb anzubieten.» Diese Voraussetzung gehöre auch zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Unternehmens.

20 Minuten kontaktierte auch den Mann, dessen Bild und Name auf dem Airbnb-Profil des Anbieters zu sehen waren. Er bestätigte, dass er am WEF sei, doch er wollte von der Sache nichts wissen. «Ich bin da nicht involviert», sagte er. Kurz darauf verschwand sein Profil von der Plattform.

Rechtswidriger Sachverhalt

Dass der Mieter den Besitzer nicht über das Angebot auf Airbnb informierte, dürfte widerrechtlich sein. Bereits 2017 gab es einen ähnlichen Fall in Zürich. Ein Richter entschied, dass bei Angeboten auf Airbnb die gleichen Regeln gelten wie bei regulärer Untervermietung. Dazu gehört, dass Mieter ihren Vermietern mitteilen müssen, dass sie das Objekt weitervermieten, wie Daniela Fischer, Anwältin bei Peyer Partner Rechtsanwälte und Expertin für Mietrecht, zu 20 Minuten sagt.

Für die Untervermietung gilt zudem die Regel, dass sie nicht missbräuchlich sein darf, wie Fischer sagt. Wo genau die Grenze der Missbräuchlichkeit liege, sei umstritten. Laut der Mietrechtsexpertin ist ein Untermietzins von 110 Prozent ohne nachvollziehbare Gründe zu hoch. Der Eigentümer versicherte, dass 2600 Franken pro Nacht definitiv mehr als ein 10-prozentiger Zuschlag sei und zudem sei ein Bett nicht mit einer Luftmatratze vergleichbar. Er betonte aber auch, dass das Angebot zu diesem Preis gar nie angenommen worden sei.

Mittlerweile habe H. die Angelegenheit mit dem Mieter geklärt. Rechtliche Schritte ziehe H. nicht in Betracht, sagt er zu 20 Minuten.

*Name der Redaktion bekannt

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Silie am 26.01.2018 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mieter

    hätte ja den Besitzer der Wohnung informieren können - die CHF 2,600 dann 50/50 teilen können und das ganze noch unterm Tisch.. Tjaaa wenn Geiz keine Grenzen kennt.

    einklappen einklappen
  • Vermieter am 26.01.2018 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Wer so doof ist echte Originalbilder zu veröffentlichen muss sich nicht wundern wenn man ihm auf die Schliche kommt. Ist doch dasselbe bei diesen Seitensprungzimmern. Nur Amateure publizieren noch keine "Typähnliche Bilder".

    einklappen einklappen
  • Peterryan am 26.01.2018 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Davos

    da sieht man wie Geldgeil manche Schweizer werden können.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • kze am 27.01.2018 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH Abzockerei

    da kann man nur sehen wie gewisse CHer gerne selber abzocken. (spielt zwar m.E. in diesem Fall keine Rolle) aber ansonsten sind es genau diejenigen die sonst überall vom abgezockt werden reden

  • Roli am 27.01.2018 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem?

    Wo liegt das Problem? Diese Menschen wollen auch ein Stück vom Kuchen. Ist ja freiwillig so zu wohnen und solche Preise zu bezahlen. Ich kenne noch ganz andere Geschichten. Geld spielt am WEF keine Rolle, da werden alle Preise bezahlt. Ich würde dort auch ein Stück vom Kuchen wollen. Wie hat einer gesagt, da regen sich Milliardäre auf, dass Millionäre solche Preise verlangen.

  • Dagobert am 27.01.2018 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja, dunkle Gestalten

    finden einander. Und natürluch wirdxder Uebeltäter nicht gefasst und natürlich kasdieten ein paar unanständig. Ergo waren alle in Davos beisammen, die einen pompös mit Sicherheit etc, die andern klammheimlich über Internet.

  • Jamaika Jamal am 27.01.2018 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    WEF: Der Besucher hat doch nur wirtschaftlich gedacht und Gewinn erziehlt :-)

  • giorgio1954 am 27.01.2018 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Davos

    Es hat unter den 2. Wohnungsbesitzer einige, die sind eigentlich knochenstier und könnten sich ein Wohnung in Davos gar nicht leisten. Diese vermieten sie dann dauernd in den guten Monaten und machen selber nur in den Randmonaten dort Ferien. Das ganze ein Nullsummenspiel. Aber eben, man hat dafür eine Wohnung in Davos.

    • Frau Fröllein am 27.01.2018 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @giorgio1954

      Ja und? Wir haben eine Ferienwohnung in Arosa und sind froh, wenn wir nicht zur guten Zeit Weihnachten / Neujahr oben sind, wenn das Dorf und der Bus überfüllt sind und man für jeden Restaurantbesuch reservieren muss. Unsere gute Zeit kann auch der Mai, der Oktober oder der November sein, wenn man in Ruhe die Natur geniessen kann. Und wenn jemand über Weihnachten / Neujahr Geld ausgeben möchte, sagen wir nicht nein dazu. Eine klassische Win-Win Situation würde ich sagen!

    einklappen einklappen