«Zero Cukru»

02. Juni 2017 10:00; Akt: 02.06.2017 10:00 Print

Migrolino verkauft Coca-Cola aus Polen

von S. Spaeth - Um bessere Einkaufskonditionen zu erreichen, bezieht die Migros-Tochter einen Teil der Cola-Flaschen in Polen. Die Artikel werden mit deutschsprachigen Aufklebern versehen.

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Beides im Schweizer Detailhandel gekauft: links die Flaschen aus Polen, rechts die Flaschen mit dem Schweizerkreuz auf dem Deckel, die hierzulande hergestellt wurden. Weil es die Schweizer Vorschriften verlangen, dass Inhaltsangaben verpackter Lebensmittel in mindestens einer Amtssprache beschriftet sind, wurden die polnischen Flaschen mit deutschsprachigen Aufklebern versehen. «Die Qualität und der Geschmack der importierten Coca-Cola Produkte sind identisch zu der in der Schweiz produzierten Ware», betont Migrolino-Sprecher Christian Prochaska. Mit Cola-Parallelimporten vorgeprescht ist 2014 die Migros-Tochter Denner. Während Monaten schafften Lastwagen die Zweiliterflaschen aus Tschechien in die Schweiz, wo sie den deutschsprachigen Kleber erhielten. Coca-Cola hat in der Schweiz seit 80 Jahren eine eigene Produktionsstätte. 170'000 Flaschen können in der Schweiz pro Stunde abgefüllt werden. 82 Prozent aller hierzulande verkauften Cola-Produkte stammen aus der Schweizer Produktionsstätte. Laut Angaben des Unternehmens stammen auch 95 Prozent aller Inhaltsstoffe des Colas, das in der Schweiz verkauft wird, von hiesigen Lieferanten. So ist Coca-Cola beispielsweise einer der grössten Abnehmer von Schweizer Zucker. Coca-Cola beschäftigt in der Schweiz 900 Arbeitnehmer. Indirekt schafft das Unternehmen jedoch über 10'000 Arbeitsplätze in der Schweiz - unter anderem in Restaurants, im Handel, in der Landwirtschaft und in der Logistik. Die Schweizer haben weltweit den zweithöchsten Pro-Kopf-Konsum von Coca-Cola Zero. Rund 73 Millionen Liter des Getränks fliessen jedes Jahr durch Schweizer Kehlen. Die Marke Coca-Cola hat laut der Interbrand-Bewertung 2015 einen Wert von 78,4 Milliarden Dollar. Das ist mehr als McDonald's, Pepsi, Starbucks und Nestlé zusammen. Coca-Cola soll auch das Sixpack erfunden haben, das heute in der gesamten Getränkeindustrie standardmässig verwendet wird.

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Das kommt manch einem Migrolino-Kunden spanisch vor: Auf in der Schweiz gekauften Coca-Cola-Flaschen finden sich Ausdrücke wie «Graj o wakacje» oder «zero cukru» – das ist Polnisch. Der Grund: Die Migros-Tochter bezieht Coca-Cola der Sorten Classic und Zero in den Halbliterflaschen über Parallelimportkanäle. Als Hersteller ist Coca-Cola HBC Polska, Warszawa, angegeben.

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Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es bei Migrolino, man habe im Frühjahr entschieden, Coca-Cola Classic und Zero in der Halbliter-PET-Flasche via Parallelimport zu beschaffen. Die restlichen Produkte stammen weiterhin aus dem offiziellen Schweizer Vertriebskanal. Mit dem Polen-Cola umgeht die Migros-Tochter erstmals seit ihrer Gründung 2009 die offiziellen Schweizer Vertriebsstrukturen.

Im Verlauf des Frühlings gelangten die polnischen Flaschen in die Regale der etwas über 300 Migrolino-Filialen, die sich meist an Bahnhöfen oder Tankstellen befinden. Rund die Hälfte der Shops wird von Franchisepartnern geführt.

Aufkleber mit Zusammensetzung auf Deutsch

«Die Qualität und der Geschmack der importierten Coca-Cola-Produkte ist identisch zu der in der Schweiz produzierten Ware», betont Migrolino-Sprecher Christian Prochaska. Weil es die Schweizer Vorschriften verlangen, dass Inhaltsangaben verpackter Lebensmittel in mindestens einer der hiesigen Amtssprachen beschriftet sind, wurden die Flaschen mit deutschsprachigen Aufklebern versehen. «Die importierten Produkte entsprechen selbstverständlich den Anforderungen der schweizerischen Lebensmittelgesetzgebung», sagt Prochaska weiter.

Als Grund für die Parallelimporte führt Migrolino an, die Verkaufspreise der Halbliterflaschen per 2017 um 10 Prozent auf 1.60 Franken gesenkt zu haben – und diese halten zu wollen. Beim Hauptkonkurrenten Coop Pronto kosten die Flaschen ebenfalls 1.60 Franken.

Graumarkt: Die Mengen sind knapp

Parallelimporte sind ein Druckmittel der Schweizer Detailhändler, um etwas gegen die aus ihrer Sicht überhöhten Preise der offiziellen Schweizer Vertriebe zu unternehmen. Das Problem ist allerdings, dass gewisse Produkte auf dem Graumarkt gar nicht in genügend grossen Mengen verfügbar sind und die Markenartikelproduzenten jenen ausländischen Zwischenhändlern mit Sanktionen drohen, die ihre Waren statt in ihrem Heimmarkt in die Schweiz weiterverkaufen.

Bei Coca-Cola Schweiz gibt man sich wegen der Migrolino-Offensive betont entspannt: «Es steht jedem Kunden frei, wo er Coca-Cola bezieht», schreibt Patrick Bossart von Coca-Cola HBC Schweiz. Und weiter: «Natürlich bedauern wir, wenn ein Kunde Coca-Cola-Produkte aus dem Ausland bezieht und nicht aus Schweizer Herstellung.» Man sei bestrebt, zusammen mit den Kunden nach Lösungen für ihre lokalen Bedürfnisse zu suchen.

Vorreiter Denner

Mit Cola-Parallelimporten vorgeprescht ist 2014 die Migros-Tochter Denner. Während Monaten schafften Lastwagen die Zweiliterflaschen aus Tschechien in die Schweiz, wo sie den deutschsprachigen Kleber erhielten. «Wir gehen gegen die überhöhten Preise der Schweizer Coca-Cola-Niederlassung vor», gab sich Denner kampfbereit.

Bei der Schweizer Coca-Cola-Niederlassung hiess es damals: «Was Denner macht, ist kurzsichtig.» Tausend Arbeitnehmer würden Coca-Cola in heimischer Produktion herstellen und damit die Versorgung sowie die lokale Wertschöpfung sichern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • L Kü am 02.06.2017 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schweizer wirtschaft unterstützen

    hauptsache die läden beschweren sich über die schweizer, welche in deutschland einkaufen.. schweizer wirtschaft fördern usw.. ihr macht ja genau das gleiche!

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  • Casastar am 02.06.2017 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Einkaufskonditionen

    habe ich auch wenn ich über die Grenze zum Einkaufen gehe. Bitte kein gejammer mehr von den Grossverteiler.

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  • Poli am 02.06.2017 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kauft bei uns

    Aus der Region für die Region

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Meier am 05.06.2017 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild Migros

    Umwelt unwichtig...Profit muss stimmen. Bravo Migros weiter so. Jetzt werde ich auch nach Deutschland einkaufen.

  • Edmo am 05.06.2017 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Fair Trade?

    Wenn die Migros Coca Cola aus Polen einführt, kann sicher auch noch ein Max Havelar Gütesiegel auf die Flasche geklebt werden. Dann sind wir wieder alle froh und glücklich.

  • Transporter am 05.06.2017 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schröpfung

    Und bei Grosshändler kostet die Flasche 0.95 Fr. und die verdienen auch noch daran. Migrolino verkauft täglich mehrere LKW voll Ware und wird auch beliefert. Ich weiss nicht ob das im Sinne von Gottlieb Duttweiler ist.

  • boby62 am 05.06.2017 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil

    Typisch Geiz ist geil, der Großhändler der am meisten Milliarden Umsatz macht kauft im Ausland billig ein und spahrt zusätzlich noch beim eigenen Personal, macht die Migros wieder mal richtig sympathisch.

  • www.diverfamily.ch am 05.06.2017 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einkaufen in D

    Und genau deshalb habe ich KEIN schlechtes Gewissen wenn ich 1-2x pro Monat in D einkaufen gehe. Erst über die Einkauftouristen herziehen und dann das genau gleiche machen! Wasser predigen und Wein trinken!