Social Shopping

27. November 2019 18:50; Akt: 27.11.2019 18:50 Print

Migros will keine «Amigos» mehr

Die Migros liess mit einer Social-Shopping-Plattform Einkäufe ausliefern. Nach Ende der Testphase stellt der orange Riese den Lieferdienst «Amigos» aber ein.

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Die Migros wird die Social-Shopping-Plattform mit dem Namen «Amigos» nicht einführen. Nach Abschluss der gut eineinhalbjährigen Testphase stellt der Detailhandelsriese den Dienst ein. Die Gewerkschaft Unia fordert nun die Einleitung eines Konsultationsverfahrens.

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Seit April des letzten Jahres bietet die Migros in den Regionen Bern und Zürich den Online-Dienst «Amigos» an. Auf der Plattform können Migros-Kunden anderen Migros-Kunden einen Gefallen machen, indem sie für sie einkaufen. Doch damit ist nun Schluss, wie der Konzern am Mittwoch bekanntgab.

Statt wahre Freunde arbeiteten Migros-Angestellte für Dumpinglöhne

Die Migros werde den Test am 10. Dezember abschliessen und den Dienst nicht einführen. Die in der Testphase gesammelten Erkenntnisse hätten gezeigt, dass sich das Angebot von einer Plattform im Sinne der Nachbarschaftshilfe hin zu einer gewöhnlichen kommerziellen Shopping-Plattform entwickelt hätte. Dieses Modell stehe im Widerspruch zu der ursprünglichen sozialen Idee, schrieb das Unternehmen.

Die Gewerkschaft Unia begrüsste die Schliessung der von ihr als «Dumping-Lieferdienst» kritisierten Plattform. Denn sie habe auf scheinselbstständiger Arbeit und Dumpinglöhnen basiert.

Bei den Amigos handelte es sich eigentlich um Angestellte der Migros, die einen Dumpinglohn von 7.90 Franken pro gelieferte Einkaufstasche erhielten. Die Bringer seien zudem ohne Unfall-, Krankentaggeld- oder Altersversicherung unterwegs, so die Unia.

Nun schulde die Migros den «Amigos»-Lieferanten Löhne, Auslagenersatz für die Nutzung privater Geräte und Fahrzeuge sowie Sozialversicherungsbeiträge. Zudem müsse ein Konsultationsverfahren eingeleitet werden, da es sich um eine Massenentlassung handle, forderte die Unia.

(kle/sda)