Fastweb Desaster

14. Dezember 2011 08:46; Akt: 14.12.2011 14:57 Print

Milliardenverlust im Swisscom-Italiengeschäft

Die italienische Breitbandtochter Fastweb reisst erneut ein Milliardenloch in die Swisscom-Kasse. Trotz einem Milliardenabschreiber hält der Telekom-Anbieter an seiner Strategie fest.

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Swisscom-CEO Carsten Schloter hat nichts zu lachen. Die italienische Tochter Fastweb hat seit 2007 35 Prozent des Wertes eingebüsst. (Bild: Keystone)

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Erneut erlebt die Swisscom im Ausland ein Debakel: Die italienische Breitbandtochter Fastweb sorgt für einen Milliardenabschreiber. Insgesamt reisst dies den Gewinn der Swisscom im laufenden Jahr um 1,2 Mrd. Fr. in die Tiefe.

Die Swisscom hatte für den Kauf von Fastweb vor vier Jahren insgesamt 4,6 Mrd. Euro investiert, um die begrenzten Wachstumsmöglichkeiten in der Schweiz zu kompensieren. Heute bleibe von dem Geld zusammen mit den ordentlichen jährlichen Abschreibungen nur noch 2,9 Mrd. Euro übrig, erklärte die Swisscom am Mittwoch in einem Communiqué.

Dies sei eine Wertminderung von 35 Prozent seit der Übernahme im Jahre 2007. Aus damaliger Sicht sei der Kaufpreis für Fastweb angemessen gewesen, erklärte die Swisscom. Nur geschah die Übernahme genau auf dem Höhepunkt des Wirtschaftsbooms. In den ersten Jahren sei man noch erfolgreich gewesen, sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Ab 2009 ging es bergab.

Kaufpreis zu hoch

«Aus heutiger Sicht mit Wissen um die Wirtschaftskrise haben wir eindeutig zu viel bezahlt im Jahr 2007», gestand Schloter ein. «Aber es gilt den Gesamtmarkt anzuschauen», sagte Schloter: Im gleichen Zeitraum habe der Durchschnitt der an der italienischen Börse kotierten Firmen 63 Prozent an Wert verloren. Der Index der Schweizer Grosskonzerne SMI habe im gleichen Zeitraum 37 Prozent eingebüsst.

Auch andere Telekomunternehmen hätten heuer in Italien solche Wertberichtigungen vornehmen müssen - Vodafone 0,9 Mrd. Euro, Telekom Italia gar 3,2 Mrd. Euro, sagte Schloter.

1,2 Mrd. Fr. weniger Gewinn

Nach Abzug von Steuereffekten reisse der Milliardenabschreiber bei Fastweb den Reingewinn der Swisscom im laufenden Jahr um 1,2 Mrd. Fr. nach unten, erklärte Swisscom-Finanzchef Ueli Dietiker. Damit dürfte der Reingewinn des Gesamtjahres 2011 auf einige hundert Mio. Fr. schrumpfen. 2010 hatte der Schweizer Konzern unter dem Strich noch rund 1,8 Mrd. Fr. verdient.

Zu schaffen mache Fastweb die hohe Staatsverschuldung, das schwache Wirtschaftswachstum, die steigende Arbeitslosigkeit und die politische Unsicherheit. Dies «sind Risikofaktoren, die das künftige Wachstum und damit den Unternehmenswert von Fastweb beeinträchtigen», erklärte die Swisscom.

Allerdings leidet Fastweb nicht nur unter den Folgen der Schuldenkrise. Das Privatkundengeschäft der Mailänder hapert, weil der Breitbandmarkt immer mehr gesättigt und der Preiskampf wegen neuer Konkurrenten hart ist. Ausserdem schlägt sich Fastweb mit vielen Kunden herum, die ihre Rechnungen nicht bezahlen.

Kein Ausstieg

An einen Ausstieg aus dem Mailänder Unternehmen denkt die Swisscom nicht: «Es wäre völlig falsch, die Investition in Fastweb in Frage zu stellen, nur weil wir in einer schwierigen konjunkturellen Lage sind», sagte Schloter. «Wir sind nicht der Meinung, dass die Strategie in Italien gescheitert ist.»

«Wir haben in Fastweb investiert, weil wir der Überzeugung sind, dass eine eigene Glasfaserinfrastruktur eminent wichtig ist für die Zukunft eines Telekommunikationsanbieters», sagte Schloter. Fastweb habe diese Infrastruktur und sei bestens gerüstet für die Zukunft.

Allerdings muss Fastweb angesichts der Wirtschaftskrise in den nächsten fünf Jahren kleinere Brötchen backen. Die Erwartungen für das jährliche Umsatzwachstum schraubte die Swisscom zurück, gleichzeitig tritt sie auf die Bremse und will in den nächsten zwei Jahren beim Mailänder Unternehmen 120 Mio. Euro einsparen. Dies führe zu einem Stellenabbau, sagte Schloter. Der Swisscom-Chef stellte aber klar, dass der Milliardenabschreiber bei Fastweb kein Anlass für Stellenstreichungen in der Schweiz sei.

Die Videobotschaft von Swisscom-Chef Carsten Schloter

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bidu Heimgartner am 14.12.2011 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    zahlen wir doch gerne

    no Problem - für etwas bezahlen wir ja die höchsten Handytarife Europas, so können wir solche Leute weiter vergolden, der Schweizer liebt ja seine de-facto-Monopolisten heiss und nennt sie chäärngsungi Ungernäme, wenn er im Kanton wohnt wo fast alles Geld von der öffentlichen Hand und ihren Unterbetrieben kommt

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  • David Limann am 14.12.2011 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit!

    In der Schweiz am teuersten und in Italien fast die billigsten. Wie wird das finanziert, mit unserem Geld! Der Telekommunikationsmarkt in der Schweiz braucht eine Revolution! Frechheit!

  • Peter Müller am 14.12.2011 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Geldvernichtung

    ich kenne noch andere geschäfte wo die swisscom eine klage in zweistelligen mio. höhe erhalten hat und das nur, weil man in ein markt eindringt dass nicht zu ihrem kerngeschäft zählt. man verlocht lieber gelder anstatt steuern zu bezahlen. der otto normalverbraucher zahlt dann den steuerausfall. und dafür erhält der bigboss noch boni.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom W. am 14.12.2011 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin stolz auf Swisscom!

    Ich seh das Problem nicht. Man muss Risiken eingehen um Gewinn zu machen. Die ersten Jahre hat sich ja dann auch niemand beschwert. Und jetzt klappt mal was nicht so ganz und schon meckern alle rum. Und haben Angst, sie müssten das aus eigenem Sack bezahlen. Leute, ihr alle habt Swisscom gewählt weil das beste Netz nun halt einfach mal Swisscom heisst. Dafür bezahlt man denn halt auch ein wenig mehr. Mit Monopolstellung hat das rein gar nichts zu tun. Es gibt genügend Alternativen. Nur sind wir uns als Schweizer halt gewohnt das alles funktioniert. Darum gibts nur einen Anbieter! Weiter so!

  • Gretel am 14.12.2011 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Enttäuscht

    Ich bin extrem von Swisscom enttäuscht. Wucherpreise und dann funktioniert es nicht mal und der Kundendienst ist echt ein Witz. Ich fahre extra hin und dann heisst es ich muss bei der Hotline anrufen.

  • Andy am 14.12.2011 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    grännis

    Liest man hier Kommentare, so muss man sagen, dass viele ja gar keine Ahnung haben. Die Wertberichtigung ist die Folge des negativen Wirtschaftswachtums und im vgl. zu andern Telekom Anbietern in Italien steht Fastweb wesentlich besser da als andere. Das Gekuake und Gelabber von vielen hier nervt gewaltig. Und nach Swissair hat das nix zu tun, sonst hätte man keine Wertberichtigung gemacht. Das ganze dürfte zudem einen Steuervorteil bringen, also was solls...

  • Marc am 14.12.2011 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentare

    Es ist schon unglaublich das manche Menschen immer alles besser Wissen. Vielleicht sollte der ein oder andere 20 Min Leser eine eigene Firma gründen wenn Er / Sie doch weiss wie man ein Unternehmen leitet.

  • P.Kurzen am 14.12.2011 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschäftsführung Swisscom macht solide Arbeit

    Dass eine Wachstumsstrategie der Swisscom mitunter im Auslandgeschäft - zur Margenkompensation im CH-Kerngeschäft - auch Risiken aufweist, insbesondere mit aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen, der Volatilität und Marktdynamik, ist ein Faktum, eine Tatsache. Ein Unternehmer geht Risiken ein, muss entscheiden. Die Risiken müssen tragbar sein. Entscheide müssen mit Strategie und gegebenen Rahmenbedingungen korrellieren. Ich sehe dabei keine grundsätzlichen Fehler der Swisscom Geschäftsleitung, auch wenn das FastWeb-Geschäft eine - ehrliche und nötige - Wertberichtigung erfahren hat.

    • Karl Marx am 14.12.2011 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Prinzipien der Marktwirtschaft

      Ein Unternehmer würde bei so einem Abschreiber weniger Geld in der Tasche haben. Wenn die Herren der Swisscom GL auf einen substantiellen Teil ihres Bonus verzichten, glaube ich Ihnen Ihre Aussagen. Ansonsten ist das wieder die übliche Mär vom Manager und seiner leistungsbezogenen Kompesnsation

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