Einschätzung

15. September 2011 13:06; Akt: 17.09.2011 16:43 Print

Milliardenverlust trägt Grübels Handschrift

von Lukas Hässig - Die verzockten zwei Milliarden der Grossbank sind eine Folge von Oswald Grübels Banking-Philosophie «No risk, no fun». Die UBS liegt erneut in Scherben.

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UBS-Chef Oswald Grübel ist sein Leben lang ein Trader geblieben. (Bild: Keystone)

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Der Schock hätte heute früh nicht grösser sein können. Die UBS erlitt 2 Milliarden Dollar Verluste im Handelsgeschäft. Schuld daran ist ein Investmentbanker, der seine Limiten überschritten hat.

Doch das reicht nicht als Erklärung. «Was ist los mit dieser Bank?», fragten sich sofort Politik und Kritiker. Was hat die Schweizer Grossbank aus ihrer Subprime-Krise mit den riesigen Verlusten und der Staatsrettung vor drei Jahren gelernt?

Verlust in London, Problem in Zürich

Der Zwei-Milliarden-Verlust sei in London passiert, sagt die Bank auf Anfrage. Die Londoner City Police hatte am Donnerstagmorgen um 03.30 Uhr einen Banker verhaftet, der betrogen haben soll. Der Verhaftete bleibt vorläufig in Gewahrsam. Die UBS bestätigte gegenüber 20 Minuten Online, dass es sich um ihren Mann handle.

Offenbar hat die UBS in London Anzeige gegen einen der Händler erstattet, und zwar mit Hinweisen, die für eine Verhaftung genügten. Wo der Händler aktiv war und was er genau gemacht hat, bleibt im Dunkeln. UBS-Insider sagen, die Behörden würden eine detaillierte Kommunikation derzeit untersagen. Man wolle auf der Basis gesicherter Fakten Auskunft geben.

Schon jetzt ist aber klar, dass es sich beim neuerlichen Grossverlust im Handelsgeschäft der UBS um eine Zäsur handelt. Die Bank sagte nach ihrem Subprime-Absturz, dass sie nie mehr übermässige Risiken eingehen würde. Nun hat sie gezeigt, dass das Gegenteil der Fall ist.

Diese Risikobereitschaft hat aber viel mehr mit dem obersten Chef in der Zentrale in Zürich zu tun als mit einem Broker im Handelszentrum London. UBS-Boss Oswald Grübel ist sein Leben lang Händler geblieben. Egal, ob er effektiv Wetten einging oder als Manager Führungsverantwortung hatte – Grübels Herz schlug immer für das «Gambling». «Banking heisst für ihn traden», sagt ein Ex-UBS-Manager, der Grübel von nah erlebt hat. «Risiken eingehen, Gewinne erzielen - nur das interessiert ihn wirklich.»

Vertrauen weg

Nun rächt sich, dass Grübel nicht über seinen Schatten springen konnte und sein Vorgesetzter, Altbundesrat Kaspar Villiger, ihn nie gebremst hat. Die UBS hat nichts gelernt, lautet das Verdikt.

Ob zu Recht oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle. Die Politiker werden sich so oder so auf die Verluste stürzen, um im Wahlkampf zu punkten. Diese Bank gehört an die Kandare, lautet der Tenor. Das Debakel geht damit weit über den eigentlichen Verlust hinaus. Grübel und Villiger haben die UBS als «Big Player» im globalen Handelsgeschäft behalten wollen. Sie verteidigten das Ziel, indem sie betonten, dass die Bank ihre Risiken besser im Griff hätte. Die Botschaft lautete: Lasst uns machen, habt Vertrauen! Seit heute ist das Vertrauen auch bei den Gutgläubigen weg.

Einzeltäter-These überzeugt nicht

Kein Wunder versucht die UBS krampfhaft, den Absturz als Einzelfall darzustellen. Doch die Einzeltäter-These vermag so wenig zu überzeugen, wie sie dies in der Subprimekrise getan hat. Auch damals hiess es, dass ein kleines Team von Händlern in New York die Bank fast um ihre Existenz gebracht hätte. Man sei hintergangen worden, wollte der damalige Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel sagen. Grübel setzt nun auf die gleiche Strategie. Ob er damit bei den Aufsichtsbehörden und seinen grossen Aktionären Erfolg haben wird, muss sich noch zeigen.

Grübel wird zur tragischen Figur

Ändern an Grübels persönlichem Unvermögen wird sich unabhängig vom Verbleib an der Spitze der Bank nichts mehr. Grübel hat es in seinen zweieinhalb Jahren als CEO verpasst, aus der UBS eine neue, solide, berechenbare Bank zu machen.

Vorwürfe sind an den alten Verwaltungsrat zu richten. Angeführt in der damaligen Krise vom hochgelobten Vizepräsidenten Sergio Marchionne setzte der VR auf Ex-Finanzminister Kaspar Villiger als Topfigur. Villiger war zwei Schuhnummern zu klein für Grübel. Er blieb der Kasper, der für die Bank in Bern gute Stimmung machte, während der UBS-Boss seine Wetten platzierte.

Der Glaube an Grübel/Villiger als Erfolgsgespann ging heute endgültig in Brüche. Grübel wird damit nicht als historische Figur in die Geschichte des Schweizer Finanzplatzes eingehen, sondern als Kapitän, der an Sturheit und Überheblichkeit scheiterte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roland Stricker am 15.09.2011 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Das liebe Investmentbanking!

    Unglaublich und immer wieder kommen solche Botschaften aus dem Investmentbanking, entweder aus England oder aus den USA. Mir tun die CH-Kundenberater leid, welche schon seit über 3 Jahren alles ausbaden müssen. Wann endlich trennt sich die UBS vom England und USA Geschäft? Spitzengehälter, keine oder sehr wenige Steuern bezahlen und die UBS ruinieren. Wann endlich erwacht diese untragbare Geschäftsleitung?

  • Geld weg am 15.09.2011 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Das Geld ist ja nicht weg....

    .... es hats jetzt nur jemand anderes :-)

  • Reto am 15.09.2011 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Verkauft endlich...

    die Investment-Banking-Sparte... Vor allem in den USA

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ooho Darksen am 19.09.2011 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Für das Volk

    Es ist eine frechheit das der Schweizersteuerzahler dieser unkompetenten Bank Geld gib das diese überleben kann und dann nach einiger zeit einer auffliegt der soviel verzockt. Es kann nicht sein das er alleine das entschieden hat denn mit einem Jahresgehalt von 300'000 hätte er sicherlich nicht aleine die Befugniss mit soviel Geld zu hantieren.Der Gipfel des ganzen.. man sagt er habe gegen den Franken investiert wenn das so ist.. naja denkt euch meine Meinung... ein Penner der verschlafen hat das der Franken an den Euro gekoppelt wird obwohl das schon 1 week vorher im Gespräch war....

  • Thomas Mehler am 16.09.2011 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Trennbankensystem - sofort!

    Es gibt nur ein Mittel: Trenbankensystem wie beispielsweise in Kanada. So müssen Geschäfte mit risikogewichteten Zinsen refinanziert werden - und nicht via billige Spargelder. Dies führt von allein dazu, dass die Risiken der Geschäfte mindern. Zudem würdes es ein Kollaps einzelner Geschäfsbereiche ermöglichen. Anders als bei der heutigen Holdinghaftung!

  • objektiv bleiben am 16.09.2011 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte denken!!!

    Kann mir jemand sagen, was ein Konzernverlust mit den Steuerzahlern zu tun hat? Für den aktuellen Fall habe ich noch nirgends mitbekommen, dass der Staat wieder einspringt. Ihr habt wohl vergessen, dass der Staat mit der Finanzspritze damals viel Geld verdient hat. Diejenigen die den Steuerzahler Geld kosten, beziehen in irgend einer Form Sozialhilfe oder das Militär, und das Geld wird weder zurückbezahlt noch verzinst. Zudem glaube ich kaum, dass die aufgebrachte Meute hier sich wirklich Gedanken über wohin die Steuergelder wirklich fliessen (neue Kampfjets?).

  • Nathali K. am 16.09.2011 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Weiterbildung

    Hier aus slembeck.ch "Dem Bund sind durch das Engagement im UBS-Rettungspaket keine Kosten, sondern ein Gewinn von CHF 1.2 Mrd. ". und Blick.ch "Unter dem Strich resultiert für die Eidgenossenschaft ein Gewinn von 1,2 Mrd. Franken, wie das Eidg. Finanzdepartement mitteilte. " und woz.ch "Als der Bund am 16. Oktober 2008 die UBS rettete, gewährte er der Bank eine Anleihe von sechs Milliarden Franken. Im Sommer 2009 konnte er diese Anleihe mit einem Gewinn von 1,2 Milliarden verkaufen".

  • Ruppert Haas am 16.09.2011 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    info an alle

    Hier aus slembeck.ch "Dem Bund sind durch das Engagement im UBS-Rettungspaket keine Kosten, sondern ein Gewinn von CHF 1.2 Mrd. ". und Blick.ch "Unter dem Strich resultiert für die Eidgenossenschaft ein Gewinn von 1,2 Mrd. Franken, wie das Eidg. Finanzdepartement mitteilte. " und woz.ch "Als der Bund am 16. Oktober 2008 die UBS rettete, gewährte er der Bank eine Anleihe von sechs Milliarden Franken. Im Sommer 2009 konnte er diese Anleihe mit einem Gewinn von 1,2 Milliarden verkaufen". Soviel zu der Meinung der Steuerzahler musste bluten.