Preisabsprachen

15. Juli 2014 12:36; Akt: 15.07.2014 13:56 Print

Millionen-Busse für Bell

In einem Kartellverfahren wurde die deutsche Gesellschaft von Bell zu einer 121-Millionen-Strafe verdonnert. Die Coop-Tochter will sich gegen die Busse wehren.

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Die deutsche Gesellschaft des Fleischproduzenten will sich gegen die Strafe wehren. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Das deutsche Bundeskartellamt hat Wursthersteller zu Bussgeldern von insgesamt rund 338 Mio.
Euro verdonnert. Die deutsche Gesellschaft des Schweizer Fleischverarbeiters Bell soll allein rund 100 Millionen Euro (rund 121 Millionen Franken) zahlen.

Die Firmen hätten sich über Jahre abgesprochen, um Preiserhöhungen gegenüber dem Detailhandel durchzusetzen, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Dienstag. Betroffen seien 21 Unternehmen und 33 verantwortliche Personen. Die Bussgelder reichten von wenigen Hunderttausend Euro bis hin zu hohen Millionenbeträgen.

Das Gesamtbussgeld erscheine auf den ersten Blick zwar hoch, relativiere sich aber vor dem Hintergrund der grossen Zahl der beteiligten Unternehmen, der Kartelldauer und den Milliardenumsätzen, die in dem Markt erzielt würden, sagte Mundt. Zur Höhe der Bussgelder für einzelne Firmen machten die Wettbewerbshüter keine Angaben.

Bell will sich wehren

Bell legte die Busse für ihre deutsche Gesellschaft in einer Stellungnahme offen. Darin kritisierte die Coop-Tochter die Sanktion als ungerechtfertigt und wies die Vorwürfe zurück. Der ergangene Bussgeldbescheid sei sachlich falsch und rechtlich verfehlt, die Bussgeldhöhe zudem in einer margenschwachen Industrie gänzlich unverhältnismässig, hiess es.

Überdies beziehen sich die Vorwürfe laut Bell auf einen Zeitraum vor der Übernahme der betroffenen Firmen Zimbo Fleisch- und Wurstwaren und Abraham. Bell war bei Zimbo Ende 2008 und bei Abraham Ende 2009 eingestiegen.

Bell kündigte an, sich umfassend zu verteidigen und den Bussgeldbescheid vor Gericht angreifen zu wollen. Bis zu einer endgültigen gerichtliche Klärung dürften aber mehrere Jahre vergehen. Bell ist der grösste Schweizer Fleischverarbeiter und erzielte im letzten Jahr einen Nettoerlös von 2,6 Milliarden Franken und einen Gewinn von 76,6 Millionen Franken. Die Firma beschäftigte laut dem Coop-Geschäftsbericht 6600 Angestellte, rund 3100 davon ausserhalb der Schweiz.

Jahrelange Preisabsprachen

Die Ermittlungen sind laut Kartellamt nach einem anonymen Hinweis ins Rollen gekommen. Im Januar 2009 hatten Ermittler 19 Unternehmen durchsucht. Seitdem waren dem Kartellamt zufolge noch einige Firmen hinzugekommen. Im Laufe des Verfahrens hätten elf Unternehmen kooperiert und Geständnisse abgelegt.

Zwischen verschiedenen Wurstherstellern sei es insbesondere seit 2003 zu konkreten Absprachen gekommen. Dabei seien Preisspannen für Produktgruppen wie Roh-, Brüh-, Kochwurst und Schinken abgestimmt worden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rüedu Hegu am 15.07.2014 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist Busse

    Was heisst schon Busse. Der Konsument wird dies mit Preiserhöhung oder weniger drinn bezahlen. Keine Firma bezahlt die Busse aus eigener Tasche, zuerst wird abgezockt anschliessend der Steuerzahler gemolken.

    einklappen einklappen
  • C. Wurscht am 15.07.2014 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bell ist unsympathisch. Waren das

    nicht die, die so Wasserfleisch (injected meat) verkauft haben. Ganz recht. Busse!

  • Dani am 15.07.2014 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Zurück mit dem Geld ans Volk

    Diese Bussen sollten direkt in die Steuerkasse, denn bei Preisabsprachen sind das Volk / die Konsumenten die betrogenen. Also sollten diese die Bussgelder in Form von Steuerermässigungen erhalten, auch wenn es nur ein kleiner Betrag pro Steuerzahler ist. Naja die Betrüger holen sich das Geld der Busse sowieso wieder bei den Konsumenten zurück, am Ende wurden alle 2 mal betrogen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Eidgenoss am 16.07.2014 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Buchhalterische Steuer oder was?

    ist doch gut für Bell und COOP wenn man 121 Millionen von den Steuern abziehen kann, das spart eben Steuern, der Staat geht nicht leer aus denn er holt es sich beim Lohnausweisempfänger. Oder ist das COOP zu klein um wie die Banken bei den Steuern auch noch zu Zocken?

  • Grosi us Winterthur am 16.07.2014 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ist schon bitter

    Wenn man eine Firma übernimmt, sollte doch ein besonderes Augenmerk auf die Geschäftspraktiken und Bücher geworfen werden. Ist schon bitter: Ausgerechnet ein Bell, welcher zu einem der Grosshändler gehört, welcher sich dem Kampf gegen die überrissenen Preis in der Schweiz angeschlossen hat, soll nun selber daran beteiligt sein die Preise hoch zu halten... Schlimm, schlimm.

  • andy candy am 16.07.2014 01:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bell who?

    Das Fleisch von Bell schmeckt eh nicht. Die Sparerips waren mitunter die schlechtesten die ich je auf dem Grill hatte.

  • C. Wurscht am 15.07.2014 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bell ist unsympathisch. Waren das

    nicht die, die so Wasserfleisch (injected meat) verkauft haben. Ganz recht. Busse!

  • Bürger am 15.07.2014 23:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ab sofort.........

    Also wenn Ich das richtig mitbekomme gehe Ich absofort nur noch in Firmen Zimbo Fleisch- und Wurstwaren und Abraham in Deutschland einkaufen.......unterstütze ja damit die CH Firma Bell.....freier Warenverkehr lässt grüssen....nicht nur 1 kg zollfrei!!