Münzschrott

31. März 2011 12:36; Akt: 31.03.2011 17:28 Print

Millionenbetrug mit Euro-Münzen

Von der Bundesbank verschrottet, in China wieder zusammengesetzt und per Lufthansa zurück nach Europa geflogen. In Deutschland ist ein Betrug mit Euro-Münzen aufgeflogen.

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Eigentlich verschrottete Euro-Münzen wurden bei der Bundesbank gegen neue getauscht. (Bild: Keystone)

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Es klingt nach Gangster-Roman: In Deutschland verschrottete Euromünzen sollen in China wieder zusammengebaut und durch vier Stewardessen der Lufthansa zurück nach Europa geschmuggelt worden sein. Laut einem Bericht der «Bild»-Zeitung ist die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main einem Ring von Münzfälschern auf die Schliche gekommen und hat am Mittwoch eine Razzia durchgeführt. Der Schaden beläuft sich laut Schätzungen der Ermittler auf mindestens 20 Millionen Euro, wie «Bild» berichtet.

Den Angeschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft vor, die als Münzschrott nach China verkauften Münzen wieder zusammengesetzt und bei der Bundesbank als beschädigtes Geld umgetauscht zu haben. Die Bundesbank tauscht als eine der wenigen Nationalbanken im Euroraum kostenlos beschädigte Münzen gegen neue ein.

Nur stichprobenartig kontrolliert

Die Staatsanwaltschaft geht von einer Menge von 29 Tonnen Ein- und Zwei-Euro-Münzen aus, die zwischen 2007 und November 2010 unrechtmässig zurück nach Deutschland gelangten.

Die Täter machten sich laut der Staatsanwaltschaft wohl zunutze, dass die umzutauschenden Münzen in einen speziellen Beutel gefüllt werden müssen, deren Inhalt durch Wiegen und per Augenschein nur stichprobenartig kontrolliert wird. Diese sogenannten Safebags seien im Internet erhältlich und normiert für Ein- oder Zwei-Euro-Münzen im Wert von jeweils 1000 Euro.

Bei der Razzia stellte die Staatsanwaltschaft eine Münzmaschine, drei Tonnen Münzteile sowie schriftlichen Unterlagen und Computer sicher. Die wieder zusammengesetzten Münzen oder die einzelnen Teile sollen nach bisherigem Ermittlungsstand von vier Flugbegleiterinnen nach Deutschland gebracht worden sein. Dabei machten sie sich zunutze, dass das Reisegepäck der Stewardessen keiner Gewichtseinschränkung unterliegt.

Besonders dreist: vermutlich haben die Flugbegleiterinnen die Münzen vor dem Umtausch bei der Bundesbank mit gültigen Münzen vermischt, um bei Kontrollen besser zu bestehen.

Vier der sechs verhaftet Personen sind laut Staatsanwaltschaft chinesischer Herkunft. Sie seien zwischen 28 und 45 Jahre alt. Sie müssten sich wegen Betrugs und Inverkehrbringens von Falschgeld verantworten. Ein Tatverdacht gegen Mitarbeiter der Bundesbank besteht nicht.

(sas)