Gschenkli auf Pump

21. Dezember 2011 21:29; Akt: 21.12.2011 21:30 Print

Mit Weihnachten beginnt die Schuldenspirale

von Sabina Sturzenegger - In der Adventszeit sitzt das Geld oft locker. Wer aber vor und während der Festtage finanziell über die Stränge haut, der droht im kommenden Jahr in den Schuldensumpf zu geraten.

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Exzessives Weihnachtsshopping an der Bahnhofstrasse hat nicht selten Schulden im neuen Jahr zur Folge. (Bild: Keystone)

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Ausverkauf, Eurotief, Schnäppchen ohne Ende: Vor Weihnachten sind die Billig-Angebote allgegenwärtig. Aus den Schaufenstern, dem Internet, aus den Katalogen springen die gesenkten Preise den Konsumenten entgegen.

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Dieser Tage verleitet der Weihnachts- und Konsumrummel besonders zum Kaufen. «Wenn alles günstiger ist, haben viele Leute das Gefühl, sie müssten die Gunst der Stunde ausnützen und kaufen umso mehr. Unter dem Strich lassen sie aber zu viel Geld liegen», sagt David Laso, Leiter der Fachstelle für Schuldenfragen des Kantons Zürich. Das kurbelt zwar den Konsum an und hilft letztlich der Wirtschaft, ist aber nicht für alle Menschen unproblematisch. «Bei leicht beeinflussbaren Menschen und bei solchen mit impulsivem Kaufverhalten können die Weihnachtseinkäufe das Fass zum Überlaufen bringen», ergänzt Laso.

«Die Versuchung ist im Dezember besonders gross, von Billig- oder Raten-Angeboten Gebrauch zu machen, auch wenn man das Geld nicht hat», pflichtet der Schuldenexperte der Caritas, Jürg Gschwend bei. Und die Versuchung sei noch grösser, nicht mit Bargeld zu bezahlen, ergänzt er. Das Motto ‹Kaufe heute, zahle morgen› werde gerade vor Weihnachten von vielen Anbietern besonders gross geschrieben.

Die andere Seite des Jahreswechsels

Das beobachtet auch Michael Claussen, Leiter der Schuldenberatungsstelle Plusminus in Basel. Das Kaufverhalten vor Weihnachten könne sich zu einem späteren Zeitpunkt sogar auf die finanzielle Situation auswirken, sagt er, und bringt das Ganze auf eine einfache Formel: «Zum Jahreswechsel wird programmiert, was später im Jahr geschieht.» Denn während es auf dieser Seite des Jahres finanziell noch aufgehen mag dank 13. Monatslohn, Vorschuss oder Weihnachtsgeld, sieht es für Überschuldete danach düster aus: Für den Start ins neue Jahr bleibt zu wenig übrig – das sprichwörtliche «Januarloch».

«Die Zeit nach dem Jahreswechsel ist für viele Leute die angespannteste», fährt Claussen fort. Nach der Festtagspause flattern im Januar bereits wieder Rechnungen, Mahnungen oder im schlimmsten Fall Betreibungen ins Haus. Schon bald folgt auch die Kreditkartenrechnung vom Dezember, es werden wieder Leasingraten fällig. Und auch die Steuerrechnung lässt nicht mehr lange auf sich warten.

Doch für Claussen ist es nicht nur schlecht, wenn sich Privatpersonen verschulden. «Die Verschuldung an sich ist in vielen Fällen kein unlösbares Problem. Sie gehört zu unserem Wirtschaftssystem und stellt für viele Leute vordergründig die Lösung ihres akuten Problems dar», erklärt er. Viele zahlten ihre Schulden vollständig zurück. «Problematisch wird es immer, wenn die laufenden Steuerpflichten unterschätzt werden, sich zu viele Schulden anhäufen und es dadurch zur Überschuldung kommt.»

Es geht auch mit einem Weihnachtsbudget von 150 Franken

Damit die Weihnachtszeit keine unangenehmen Folgen hat im neuen Jahr, rät David Laso zur Selbstdisziplin. «Böse Überraschungen erspart man sich, wenn man sich vorgängig ein Weihnachtsbudget macht und die Summe festlegt, die man für Geschenke ausgeben kann und will», sagt Laso.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • leicon am 22.12.2011 00:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht dir besser als du glaubst... 

    Geld das du nicht hast, nicht ausgeben!!! Tipp aus meiner Beratungspraxis: 1. Definiere dein persönliches, langfristiges (Lebens)Ziel. 2. Unterteile den Weg dorthin in Phasen & Meilensteine 3. Definiere daraus das Jahresziel 4. Leite daraus dein (realistisches) Jahresbudget ab, bestehend aus: - Verpflichtungen - Bedarf - Wünsche 5. Halte dich daran! 6. Regelmäßig Erfolg überprüfen & evtl. Maßnahmen einleiten 7. Sehen, wie Wünsche ohne böse Überraschung in Erfüllung gehen und GENIESSEN! = Zufriedenheit + Lebensfreude Ich wünsche frohe Weihnachten.

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  • Nadsge am 22.12.2011 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Spontan schenken ist schöner

    Ich kaufe nur Weihnachtsgeschenke, wenn ich gerade etwas spontan sehe und es auch bezahlbar ist (für die engsten). Ich war schon immer gegen dieses zwanghafte schenken. Als Kind war es noch schön Geschenke zu bekommen und den Verwanten etwas zu basteln. Mir wurde nur einmal vorgeworfen, ich schenke nichts. Wieso denn auch wenn danach alles wieder undankbar weggeworfen wird und das obwohl es gewünscht wurde?

  • MB am 21.12.2011 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kenne ich...

    Kenne ich leider zu gut. Bin im Januar meist überall verschuldet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tellerwäscher am 23.12.2011 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld(en) 

    ob man Geld auf die seite legen kann oder nicht, hatte noch nie was zu tun mit wieviel man verdient, sondern mit wieviel man ausgibt.

  • Kurt W. am 22.12.2011 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich wäre das ganze kein Problem, wenn alle das Hirn einschalten würden: Wenn eine Firma jemandem etwas auf Pump (oder Raten) gibt, dann ist das der Firma ihre Sache und fertig. Wenn ich jemandem Geld leihe muss ich auch selber sehen dass ich es wieder bekomme. Daher leihe ich auch nur denen Geld, denen ich vertraue. Also ist das die Sache von dem "Geldgeber"!

  • Ralf Erder am 22.12.2011 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Hört doch einfach auf zu schenken!

    Mein Gott, was haben wir aus Weihnachten gemacht! Hört doch einfach auf zu schenken!!! Aber wenn der Geschenkliwahnsinn wegfällt, zerfällt wohl das Fest im inhaltsleeren Nichts.

  • Partii am 22.12.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Silvester

    Das meiste Geld braucht mach nicht an Weihnachten, sondern an Silvester oO

  • Nadsge am 22.12.2011 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Spontan schenken ist schöner

    Ich kaufe nur Weihnachtsgeschenke, wenn ich gerade etwas spontan sehe und es auch bezahlbar ist (für die engsten). Ich war schon immer gegen dieses zwanghafte schenken. Als Kind war es noch schön Geschenke zu bekommen und den Verwanten etwas zu basteln. Mir wurde nur einmal vorgeworfen, ich schenke nichts. Wieso denn auch wenn danach alles wieder undankbar weggeworfen wird und das obwohl es gewünscht wurde?