Mogelpackungen

27. Januar 2019 20:30; Akt: 27.01.2019 20:30 Print

Mit diesen Tricks erhöhen Hersteller den Preis

von Dominic Benz - Für versteckte Preiserhöhungen greifen die Hersteller tief in die Trickkiste. So kann auch ein Preisnachlass das Produkt teurer machen.

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In der Schweiz werden die Coca-Cola-Flaschen bald kleiner. Trotzdem bleiben die Preise gleich. Viele Hersteller tricksen bei den Verpackungen und beim Inhalt, um den Konsumenten unbemerkt mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Für Konsumenten schwierig zu durchschauen: Durch minimale Veränderungen bei Wareninhalt und Preis machen Hersteller ihre Produkte teurer. Saftige Preiserhöhung: Packungsinhalt um 200 Gramm erhöht, aber auch am Preis geschraubt. Um ganze 29,2 Prozent ist dieser laut Verbraucherzentrale Hamburg gestiegen. 100 ml weniger drin: Das macht eine indirekte Preiserhöhung von 11,1 Prozent bei der Glace von Mövenpick. Mehrere Sorten seien betroffen, schreibt die Hamburger Verbraucherzentrale. 11,1 Prozent Preiserhöhung auch bei dieser Schokolade: 20 Gramm weniger Ware erhalten Konsumenten beim Kauf dieser Süssigkeit. 47-44-40-37: Das sind keine Modelmasse, sondern die verwirrenden Stückzahlen bei Windelpackungen aus dem Hause Procter und Gamble. Durch das Schrauben am Inhalt erhöhte sich der Preis um satte 27 Prozent, wie die Hamburger Verbraucherzentrale schreibt. Sie beruft sich auf Zahlen von 2006 bis 2012. Von 50 auf 40 Waschladungen, oder von 3,5 Liter auf 2,92 Liter: 25 Prozent teurer machte Hersteller Ariel einige seiner Waschmittel durch sukzessives Schrauben an der Produktmenge. Ganze 51,7 Prozent teurer wurden zwischen 2006 und 2010 diese Chips: Auch hier machte sich der Hersteller am Verpackungsinhalt zu schaffen. Dieser schrumpfte von 200 Gramm auf 170 und schliesslich 165 Gramm.

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Coca-Cola verärgert die Schweizer Kunden: Künftig sind die PET-Flaschen kleiner und haben weniger Inhalt, der Preis bleibt aber gleich. Solche versteckte Preiserhöhungen sind kein Einzelfall. «Das ist ein bekanntes Problem», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), auf Anfrage.

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Doch nicht nur an der Verpackung schrauben die Hersteller. Auch mit Inhaltsstoffen oder Dosierungsempfehlungen wird getrickst. «Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt», so Stalder. Das sind die beliebtesten Tricks der Hersteller, um den Konsumenten mehr Geld aus der Tasche zu ziehen:

Das Schrumpfprinzip

Der Trick ist fies und fällt kaum auf. Denn sowohl die Grösse als auch der Preis bleiben gleich. Jedoch ist der Inhalt geschrumpft. So geschehen etwa bei den Choco Crossies von Nestlé. In mehreren Schritten verringerte der Konzern die Menge teils um 20 Gramm. Der Preis stieg dadurch um bis rund 10 Prozent. Stalder spricht dabei von «Salamitaktik».

Qualitätstrick

Ab und zu schrauben die Hersteller an den Zutaten. So werden die Anteile von hochwertigen Bestandteilen reduziert, wie die Verbraucherzentrale Hamburg schreibt. Das passiert etwa bei Fischprodukten: Der tatsächliche Fisch-Anteil wird drastisch gesenkt. Das drückt die Produktionskosten. Der Preis im Regal bleibt aber gleich.

Quantitätstrick

Auf der Verpackung empfehlen die Hersteller plötzlich eine höhere Dosierung. Das passiert meist bei Wasch- oder Spülmitteln. Auch die Öffnung der Verpackung wird teils vergrössert. So kommt mehr Inhalt aufs Mal heraus. Dadurch steigt der Verbrauch, was einer Preiserhöhung gleichkommt. Auch beim Inhalt wird getrickst: «Manchmal wird Dusch- oder Spülmittel plötzlich flüssiger, sodass mehr rauskommt», sagt Stalder.

Beutel-Trick

Wenn Hersteller die Verpackung ändern, ist Vorsicht geboten. Vor allem, wenn das Produkt plötzlich in einzelne Beutel abgepackt wird. Das sieht zwar hochwertig aus, ist aber nur Täuschung. Denn oft wird damit die Gesamtmenge heimlich reduziert – wohlgemerkt bei gleichem Preis.

Neuheiten-Trick

Ein geschickte Methode, den Preis zu erhöhen, ist ein Produkt aus dem Verkehr zu ziehen. Für die Wiedereinführung gibts eine neue Verpackung mit weniger Inhalt. Das Ganze hat den Hinweis «neu» drauf. Und klar: Auch der Preis ist neu, denn er ist höher. Den Trick hat etwa Unilever beim Waschmittel Coral Color+ angewendet.

Multipack-Trick

Viele Schokoriegel gibt es nicht nur einzeln, sondern auch in Multipacks zu kaufen. Statt einem oder zwei Riegeln sind dann fünf drin. Das soll den Konsumenten günstiger kommen. Doch oft sind die Riegel in den grossen Packungen einfach kleiner. Der Preisvorteil wir damit deutlich gemindert. Den Trick hat auch die Firma Mars bei Twix angewendet.

Vergünstigungstrick

Gewisse Hersteller senken die Preise, wenn die Packung weniger Inhalt hat. Das klingt schön und gut. Doch dahinter steckt oft eine Täuschung. Denn der Preis sinkt im Verhältnis zur Reduktion des Inhalts nicht gleich stark. Die Folge: Das Produkt wird nicht günstiger, sondern teurer.

Schnäppchen-Trick

Grosse Füllmengen signalisieren dem Konsumenten einen Mengenrabatt. «Ich kaufe statt die kleine Packung gleich die grosse, das kommt günstiger», denkt man sich. Doch der Preisanstieg ist oft überproportional. Damit ist das Produkt heruntergerechnet teurer und alles andere als ein Schnäppchen.

Stückzahl-Trick

Bei vielen Produkten wie Scheibenkäse steht eine Stückzahl drauf. Auf diese achten die Konsumenten eher als auf die Gewichtsangabe. Der Hersteller kann daher fast unbemerkt die Menge senken. Denn die Stückzahl bleibt gleich – der Preis sowieso.

Problematisch bei diesen Tricks ist, dass sie oft von den Konsumenten nicht bemerkt werden. Für die Konsumentenschützerin ist klar: «Das ist in höchstem Mass kundenunfreundlich.» Ein Betrug sei es aber nicht. Vor allem etablierte Marken könnten sich solches Tricksen leisten, sagt Stalder. Solange die Qualität nicht völlig anders sei, drückten die meisten Kunden bei Tricksereien ein Auge zu. Das Fazit von Stalder: «Die Markenhersteller spielen mit den Konsumenten.»

Sie empfiehlt, mit offenen Augen durch den Supermarkt zu gehen. Falls ein Preis einem nicht mehr gerechtfertigt erscheine, sollte man den Versuch wagen und auf Alternativen umschwenken. Doch in der Regel blieben die Konsumenten bei ihren Stammprodukten. «Die Markentreue in der Schweiz ist sehr gross», so Stalder.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • r.b. am 27.01.2019 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preis

    ich dachte das wir in der Schweiz einen Preisüberwacher haben?

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  • Rex Schäfer am 27.01.2019 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrüger, Diebe und Halunken

    Bald können wir niemandem mehr trauen.

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  • Billerson am 27.01.2019 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Big-Mac-Sauce

    Ich werde irgendwie das Gefühl nicht los, dass der Big Mac heutzutage weniger Big-Mac-Sauce drin hat als früher. Bestimmt auch so ein Trick.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fred am 28.01.2019 23:25 Report Diesen Beitrag melden

    Neulich im Supermarkt:

    Ich:"haben Sie keine Bandnudeln mehr." Verkäuferin:"doch, da". Und zeigt darauf. Ich: "das sind aber Tagliatelle". Verkäuferin:"wo ist der Unterschied?" Ich: "die kosten das Doppelte!" Man kann auch Bandnudeln mit Schinken und Tagliatelle mit Mortadela ersetzen, passierte ebenso.

  • Frau Fuzzinello am 28.01.2019 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Hellenic Bottling Company

    Wie kann es sein, dass eine einzige Firma aus Griechenland alle Coca Cola Produkte in ganz Europa verkaufen darf. Und wie sieht's mit den Steuern aus?

  • Chef am 28.01.2019 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder mal an die Arbeit

    Unglaublich, während eurer Arbeitszeit hier zu komentieren.

  • fragdenraab am 28.01.2019 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuerung......

    Das läuft schon seit Jahren so. Berechnem mal die Teuerung MIT den KK-Prämien. Dann erlebt ihr euer blaues 165g Wunder.

  • Seppli am 28.01.2019 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Inflation

    Das nennt man Inflation. Die Nationalbanken beziffern das doch immer mit annähernd 2% pro Jahr und keiner regt sich auf... Wobei es sicher mehr ist.