Klarstellung

09. Juni 2019 07:00; Akt: 09.06.2019 07:00 Print

Fünf Irrtümer, mit denen die Post aufräumen will

von Dominic Benz - Laut Post halten sich in den Köpfen der Schweizer hartnäckig falsche Vorstellungen vom Unternehmen. Das will sie nun ändern.

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Die Post steht immer wieder in der Kritik (im Bild: Post-Chef Roberto Cirillo). In der Juni-Ausgabe des Kundenmagazins der Post will das Unternehmen mit fünf «irrtümlichen Meinungen» aufräumen. Ein Irrtum sei etwa, dass die Post von Steuergeldern lebe. «Die Post gehört zu 100 Prozent dem Bund. Sie hat von diesem einen klar definierten Grundversorgungsauftrag, den sie allerdings eigenwirtschaftlich erbringt», schreibt die Post. Auch gebe es keinen Abbau beim Postnetz. «Das Postnetz wird transformiert, nicht reduziert. Bloss die Zahl der eigenbetriebenen Filialen wird verringert.» Auch werde das Kerngeschäft der Post nicht wegen Innovationen wie Drohnen vernachlässigt. Samuel Rutz, Wettbewerbsökonom bei der Denkfabrik Avenir Suisse, sagt dazu: «Vor allem im digitalen Zeitalter ist es richtig, dass sich die Post um neue Zustellformen kümmert.» Die Post hänge das alles zu aber sehr an die grosse Glocke. Es gehe hier vor allem um Marketing. Immer wieder muss sich die Post Kritik gefallen lassen. Eine Businessreise nach Asien sorgte jüngst für Kritik an der Tochterfirma der Post. Die Reise hat eine Stange Geld gekostet: Der Grossteil der 103 Kadermitglieder reiste aus der Schweiz, Deutschland, England, Frankreich, Österreich und den Niederlanden nach Ho-Chi-Minh-Stadt. 91 Teilnehmer flogen Economy – die Tickets kosteten insgesamt 63'700 Franken. Dazu kommen 36'000 Franken für zwölf Topmanager. Die Flüge kosteten insgesamt also rund . Die SPS-Angestellten übernachteten im Pullman Saigon Centre. Die 103 Teilnehmer verbrachten drei Nächte auf Firmenkosten im Hotel. Inklusive Frühstück macht das 309 Franken pro Person, insgesamt . Dazu kommt, dass einige Manager bereits etwas früher anreisten und zusätzliche Übernachtungen erstattet erhielten. Auch das Essen schenkte ein: Ein Abendessen auf dem Dinner-Schiff Bonsai River Cruise kostete 60 Franken pro Person. Das sind rund auf der Spesenrechnung. Besonders teuer war ein Fest auf dem Dach des Centec Tower. Allein das Essen kostete dort 135 Franken pro Person. Laut «Blick» wurde die gesamte Party mit 18'905 Franken beziffert. Gemäss Medienberichten soll nicht nur SPS-Chef Jörg Vollmer, ... ... sondern auch Post-Chef Ulrich Hurni in der Businessclass nach Vietnam geflogen sein.

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Die Post will bekanntlich bis zum nächsten Jahr rund 600 Postfilialen schliessen. In der Bevölkerung stossen die Pläne auf Unverständnis. In der aktuellen Ausgabe ihres Kundenmagazins wehrt sich das Unternehmen. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass die Post ihr Netz abbaue: «Das Postnetz wird transformiert, nicht reduziert.»

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Auch mit vier anderen Irrtümern will die Post aufräumen. 20 Minuten hat die vermeintlich falschen Vorstellungen mit Samuel Rutz, Wettbewerbsökonom bei der Denkfabrik Avenir Suisse, genauer angeschaut:

Irrtum 1
Post ist staatlicher Monopolbetrieb

Das sagt die Post: «Die PTT war dies einst. 1998 wurde diese Verwaltungseinheit des Bundes jedoch aufgelöst. Es entstand die Post, eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt, die 2013 zur Aktiengesellschaft wurde. Das Monopol der Post auf der Zustellung von Briefen und Paketen bis 5 Kilogramm wurde schrittweise aufgehoben. Seit 2009 verfügt die Post noch über ein Restmonopol für Inlandsbriefe unter 50 Gramm. Alle anderen Dienstleistungen erbringt die Post in Konkurrenz zu anderen Anbietern auf dem Markt.»

Das sagt der Experte: «Bei den Briefen unter 50 Gramm ist die Post noch immer in ein klassischer Monopolbetrieb. Auch wenn der Paketmarkt vor über zehn Jahren liberalisiert wurde, im Briefbereich hat die Post aufgrund des Restmonopols noch immer einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Das Restmonopol ist eigentlich überholt und bringt der Post finanziell nicht mehr allzu viel. Denn die Menschen versenden von Jahr zu Jahr weniger Briefe.»

Irrtum 2
Post lebt vom Steuerzahler

Das sagt die Post: «Die Post gehört zu 100 Prozent dem Bund. Sie hat von diesem einen klar definierten Grundversorgungsauftrag, den sie allerdings eigenwirtschaftlich erbringt. Das heisst: Die Post erhält keine Steuergelder vom Bund. Das Geld fliesst sogar in die Gegenrichtung: Ihrem Alleineigner, dem Bund, gibt die Post eine jährliche Dividende von etwa 200 Millionen Franken ab. Anders ist es bei Postauto: Diese Dienstleistungen sind nicht im Grundversorgungsauftrag der Post enthalten. Die Postauto-Linien werden von den Kantonen bestellt und von Bund und Kantonen bezahlt.»

Das sagt der Experte: «Es stimmt, dass die Post heute keine Steuergelder erhält. Doch das könnte sich schon bald ändern. Pro Jahr kostet die postalische Grundversorgung zwischen 350 und 400 Millionen Franken. Diese Kosten kann die Post aber in Zukunft kaum mehr allein stemmen, weil sie immer weniger verdient, etwa mit der PostFinance oder der Briefpost. Es wird daher neue Mechanismen zur Finanzierung brauchen. Eine Möglichkeit sind staatliche Abgeltungen für klar definierte postalische Leistungen.»

Irrtum 3
Post bringt Briefe und Pakete

Das sagt die Post:« Ja, aber nicht nur. Die Schweizerische Post besteht aus folgenden sechs Bereichen: Postmail, Postnetz, Postlogistics, PostFinance, Postauto und Swiss Post Solutions. Die Verarbeitung von Briefen und Paketen nimmt einen grossen Teil des Postgeschäfts ein. Mit 2,7 Milliarden Franken erwirtschaftet Postmail gut ein Drittel des Betriebsertrags.»

Das sagt der Experte: «Die Post hat diverse Standbeine. Allerdings fragt es sich, ob das sinnvoll ist. Dass die Post etwa einen Busbetrieb führt, ist weltweit einzigartig. Ein Verkehrsunternehmen zu betreiben, ist sicherlich nicht die Kernaufgabe einer Post. Das Gleiche gilt für die Postbank: Im Zeitalter von E-Banking braucht es keine staatlichen Banken mehr, um die Grundversorgung im Zahlungsverkehr sicherzustellen.»

Irrtum 4
Schrumpfendes Postnetz

Das sagt die Post: «Das Postnetz wird transformiert, nicht reduziert. Bloss die Zahl der eigenbetriebenen Filialen
wird verringert. Die Anzahl der Zugangspunkte hingegen steigt. Es gibt stets mehr Filialen mit Partnern, My-Post-24-Automaten, Hausservices, Aufgabe- und Abholstellen sowie Geschäftskundenstellen.»

Das sagt der Experte: «Die klassische Postfiliale ist stark in den Köpfen der Schweizer verankert. Bei Schliessungen haben daher viele das Gefühl, das Postnetz werde kleiner. Doch die Post definiert das Postnetz nicht nur über die eigenen physischen Filialen, sondern über den Zugang zu ihren Dienstleistungen. Zwar verkleinert sich tatsächlich das eigene Filialnetz, die Zahl der Zugangspunkte, etwa mit Automaten oder Hausservice, steigt aber. Insofern kann man tatsächlich nicht von einem Abbau des Postnetzes sprechen. Die Schliessung von Filialen ist aus wirtschaftlicher Sicht in vielen Fällen durchaus gerechtfertigt, da die Postschalter von immer weniger Menschen genutzt werden und ein grosses Verlustgeschäft sind.»

Irrtum 5
Innovation statt Kerngeschäft

Das sagt die Post: «Innovationen und Kerngeschäft lassen sich gar nicht scharf trennen. Das Kerngeschäft – die Übermittlung von Informationen, Waren und Geldwerten – findet mehr und mehr in der digitalen Welt statt. Innovationen sind dabei unumgänglich: Sie tragen dazu bei, dass die Post zeitgemäss und wettbewerbsfähig bleibt. Drohnen und selbstfahrende Postautos sorgen immer wieder für viel Aufmerksamkeit – die Technologien sind neu und spannend, News darüber sehr publikumswirksam.»

Das sagt der Experte: «Vor allem im digitalen Zeitalter ist es richtig, dass sich die Post um neue Zustellformen kümmert. Doch weder Drohnen noch selbstfahrende Busse sind jetzt die grossen Innovationen. Auch ist nicht davon auszugehen, dass jemals Päckli im grossen Stil per Drohne ausgeliefert werden, sonst gäbe es irgendwann nur noch Drohnen am Himmel. Die Post hängt das vielleicht alles etwas zu sehr an die grosse Glocke. Es geht hier wohl vor allem um Marketing. Dass die Post deswegen ihr Kerngeschäft vernachlässigt, glaube ich nicht.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna am 09.06.2019 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da wäre noch eine Frage....

    Und nicht vergessen, man kann auch Duschköpfe kaufen am Schalter... und wir haben es begriffen. Weniger Briefe.... dafür wurden es bestimmt mehr Pakete mit dem Onlinehandel. Und wie sieht es in der Chefetage mit den Löhnen und Boni aus?

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  • Mac am 09.06.2019 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunsch oder Realität

    Diese Aussagen können ja richtig sein, stellt sich die Frage will der Kunde das selbe oder wird er dazu gezwungen?

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  • Ursina die Bärin am 09.06.2019 07:15 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen in meine Poststelle

    Ich will meine Rechnungen auf der Post bezahlen, denn über den PC ist mir das zu unsicher. Dazu kommt, dass der Postangestellte in der Filiale eine Vertrauensperson ist. Ich will nicht in der Bäckerei oder in irgend einem Laden meine Zahlungen machen und auch dort niemandem meine Postsendungen anvertrauen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.M. am 10.06.2019 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    ü 50 werden auch bei der Post entlassen

    So die Post gehört dem Bund und wie kommt es dann, dass Menschen die schon 38 Jahre bei der Post arbeiten wegen fadenscheinigen Gründen entlassen werden.... Auch der Staat entlässt also Menschen die über 50 sind aus Kostengründen. Das ist eine Schande!!

  • Digitaler am 10.06.2019 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Go

    Habe gerade studiert wann ich letztes mal in einer post war. Brauche sie nicht, pakete steure ich mit der app und der pöstler nimmt sie mit! Von mir aus könnt ihr alle fillialen schliessen!

  • Unternehmer am 10.06.2019 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gross

    Bitte mit einem CVP schwaller wird das nichts, kein privat unternehmen mit wertschöpfung würde so einer als VRP! Natürlich in staatsbetrieben klar :-)

  • Edi Schuldner am 10.06.2019 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehen Sie oft in eine Postfiliale?

    Ja, ich würde, wenn ich könnte - Diese Antwort fehlt!

  • OC am 10.06.2019 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich was da abgeht

    Ich fasse einmal zusammen. Der VRP Schwaller eine absolute Fehlbesetzung. Ruoff eine absolute Fehlbesetzung. EX CEO Postauto AG eine absolute Fehlbesetzung. Der EX Post Finanzchef, .... jawohl auch der eine absolute Fehlbesetzung. Unglaublich, wer wählt solche Leute auf solche Positionen, Headhunter? Beratungsfirmen mit ihren aberwitzigen Honoraren. Ich kann nur noch den Kopf schütteln.