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08. Juli 2014 16:33; Akt: 08.07.2014 16:33 Print

Mit vielen Selfies zum Plattenvertrag

Keiner kauft mehr Alben. Was bedeutet das für eine Künstlerin? Superstar Taylor Swift entwirft in einem Essay im «Wallstreet Journal» die ökonomische Zukunft der Musikindustrie.

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Die Musikindustrie ist alles andere als eine Branche, der es rosig geht. Plattenverkäufe gehen, so schreibt Taylor Swift (24) in einem Beitrag im «Wallstreet Journal», immer mehr zurück. Während noch vor einer Dekade Künstler praktisch ausschliesslich an CD-Verkäufen und Konzerten ihr Geld verdienten, lässt sich heute laut Swift Geld zu grossen Teilen nur noch mit Live-Auftritten und Merchandising verdienen.

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Streamingdienste und illegales Downloaden musikalischer Inhalte hätten die Branche regelrecht kannibalisiert. Swift aber, bekennende Optimistin, wolle nicht klagen. Es gebe noch immer Platten, die den Weg in den Einkaufskorb finden. «Fans kaufen nur noch diejenigen Alben, die sie wie ein Pfeil mitten ins Herz treffen, die ein Gefühl widerspiegeln oder einfach ihr Herz berühren», analysiert die siebenfache Grammy-Gewinnerin.

Swift entwirft mehrere Ebenen, auf denen Musik von ihren Hörern wahrgenommen wird. Manche Musik verkörpere einfach nur Spass und Lebensfreude. Wie ein Partysong, den man einen Monat lang dauernd hört, und später nie mehr. «Andere Musik durchdringt uns und nistet sich für immer in unserem Leben ein.» Diese begleite einen jahrelang, wie die Beach Boys Swifts Vater etwa. Das seien die Künstler, deren Alben Fans immer wieder kaufen, sagt Swift. Daran müsse ein Künstler anknüpfen.

Das Wichtigste: Den Fan bei Laune halten

Sie vergleicht diese Beziehung mit einer Liebesbeziehung: «Ich bin davon überzeugt, dass Paare sich jahrzehntelang lieben können, wenn sie sich immer wieder überraschen. Warum sollte das nicht für eine Liebesbeziehung zwischen Musiker und Fans gelten?»

Bei ihrer Stadium-Tour im letzten Jahr sei Swift jeden Abend von der Bühne gegangen im Wissen, dass jeder Fan ihre Show via Youtube verfolgt habe. Um die Fangemeinde bei der Stange zu halten, habe sie danach mit einem Dutzend Überraschungsgäste Duetts gesungen. «Meine Generation hasst Langeweile», gesteht Swift. «Wir lesen lieber die letzte Seite eines Buches, wenn wir uns langweilen, und legen es beiseite, als es fertig zu lesen. Nichts gefällt uns mehr als das Unerwartete, das uns staunen lässt.»

Neue Währung: Selfie

Auch Autogramme seien out. «Seit der Erfindung des iPhones wurde ich noch nie um ein Autogramm gebeten», bekennt sie. Alles, was Kids von heute wollen, sei ein Selfie. «Die neue Aufmerksamkeitswährung sind die Anzahl Follower auf Instagram.» Diese Währung sei karriereentscheidend. «Eine Freundin von mir bekam ihre Filmrolle nur, weil sie mehr Follower auf Twitter hat als ihre Konkurrentin», so Swift. Das gelte auch für Musiker. Nur wer Fans habe, bekomme künftig einen Plattenvertrag, nicht umgekehrt. Die Tage der Komfortzone seien vorbei – Künstler müssen risikobewusster werden, um ihre Fans bei Laune zu halten.

(cls)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NewOrder am 08.07.2014 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Starke Nische

    Leute, die sich wirklich für gute Musik interessieren sind auch bereit für Kunst etwas zu zahlen & ein Album zu kaufen (s. auch Vinyl Revival). Als Gegentrend zum etwas seelenlosen Streamen wird sich sogar eine sehr starke Nische entwickeln, mit Plattenläden welche für Musik Nerds eine ganze Erlebniswelt zelebrieren, mit Bar, Konzerten, etc. (Rough Trade's Riesenerfolg in London macht's vor)!

  • Hero am 08.07.2014 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    20?!

    mehr als 20 Selfies am Tag??? Bei so viel Selbstverliebtheit verpasst man ja das ganze Leben rundherum?!

  • BeatSteak am 08.07.2014 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vinyl

    Es ist sicherlich so, dass heute weniger CD's oder Platten gekauft werden aber Frau Swift hat schon recht, von seinen Lieblingskünstlern eine Scheibe zu kaufen gehört auch mMn einfach dazu! Zudem erleben die Schallplatten in der letzten Zeit einen zweiten Frühling was sehr erfreulich ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jammer am 09.07.2014 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    arme Künstler

    ohhh Ihr armen Künstler !! reichts jez nicht mehr für einen Pool für euer Chihuaha hündchen oder wie ?? ich gebe euch einen Tipp: geht mal richtig arbeiten !!!!

    • Germanius am 09.07.2014 15:56 Report Diesen Beitrag melden

      Viele

      Ziemlich überheblich von Ihnen. Viele die hart arbeiten werden nie berühmt.

    • Jan O. am 09.07.2014 20:16 Report Diesen Beitrag melden

      Kennste nur die ausm TV?

      @Jammer: Im Falle von Swift und anderen ähnlich bekannten Leuten haben sie durchaus Recht, aber denken sie bitte auch an die Millionen von unbekannteren Künstlern die hart arbeiten und uns mit super Musik begeistern aber niemals von der Musik leben können.

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  • Roland am 09.07.2014 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Darum ging es schon immer

    Lustig wie die "neuen" Stars die Welt erklähren. Dabei ging es schon immer darum die Fans bei Laune zu halten. Zumindest wenn es um Marketing ging. Wenn es hingegen tatsächlich um Musik ging, war Geld, Fans und Glamour noch nie ein Thema. Entsprechend gehen wir Leute wie Frau Swift absolut am Allerwertesten vorbei, genauso wie die restliche MAFIAA (Music and Film Industrie Association of Amerika).

  • mabu am 08.07.2014 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ich freue mich schon darauf !!

    Am besten finde ich den letzten Tipp: "Künstler müssen risikobewusster werden."

  • NewOrder am 08.07.2014 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Starke Nische

    Leute, die sich wirklich für gute Musik interessieren sind auch bereit für Kunst etwas zu zahlen & ein Album zu kaufen (s. auch Vinyl Revival). Als Gegentrend zum etwas seelenlosen Streamen wird sich sogar eine sehr starke Nische entwickeln, mit Plattenläden welche für Musik Nerds eine ganze Erlebniswelt zelebrieren, mit Bar, Konzerten, etc. (Rough Trade's Riesenerfolg in London macht's vor)!

  • User79 am 08.07.2014 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Naja, die Musikindustrie ist aber auch bisschen selber schuld. :) Ich mag mich noch daran erinnern, als Napster noch von wenigen Insider genuttz wurde und dann diese Prozesse angefangen haben. Dann wurde es Public und alle fingen mit dem Download an. :)

    • Er Fahrener am 09.07.2014 09:55 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz klares Jäin

      Naja, Napster ist da sicherlich nicht "federführend" gewesen. Ich habe beispielsweise schon vor der Napster Zeit über IRC Songs heruntergeladen, dauerte alles etwas länger damals mit den langsamen Leitungen. Danach kamen die Dienste wie Napster, BT, Usenext, andere Hub-Dienste aus Schweden und viele andere. Ich downloade weiterhin Musik, gefällt sie mir, kaufe ich sie online. Aber die Musikindustrie hat definitiv verschlafen, dass stimmt schon.

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