Hirnforschung

02. März 2011 17:38; Akt: 02.03.2011 17:42 Print

Mit voller Blase entscheidet sichs leichter

Wenn Sie unbedingt aufs Klo müssen, dann treffen Sie noch schnell eine wichtige Entscheidung. Die sollte laut einer Studie mit Harndrang nämlich besser ausfallen.

storybild

Wer den Harndrang länger aushält, kann sich auch in anderen Bereichen besser beherrschen. (Bild: Photocase/turbo1000)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Muss man sich in einer Sache beherrschen, dann macht das Gehirn gleich kurzen Prozess und lässt ein Signal los, das Selbstbeherrschung in allen Bereichen aktiviert. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der holländischen Twente-Universität, als sie das Entscheidungsverhalten von Leuten mit einer vollen Blase gegenüber solchen mit einer leeren verglichen .

Dem Pornokonsum folgt die Chips-Orgie

Dasselbe Prinzip lässt sich auch auf andere Bedürfnisse anwenden: Sexuelle Erregung, Hunger, Durst - Wissenschaftler fanden heraus, dass die Aktivierung eines einzigen Bedürfnisses dazu führen kann, dass auch noch andere eher nach Befriedigung schreben. In der Studie, die im Fachmagazin Psychological Science veröffentlicht wurde, wird das Beispiel eines Mannes angeführt, der sich zuerst Fotos von sexy Frauen ansieht, und anschliessend nach einer Tüte Chips sucht. Möglich, dass dem Mann der Verzicht auf die Chips leichter gefallen wäre, wenn er auch seine sexuellen Bedürfnisse unterdrückt hätte. Mit solchen Fragen beschäftigte sich das Team um Wissenschaftlerin Mirjam Tuk, die auf diese Idee kam, als sie selbst ganz dringend musste.

Mehr Geld, dafür erst später

Die Forscher fanden heraus, dass die Probanden, die aufs WC mussten, sich besser kontrollieren konnten und sich bei Entscheidungen eher auf den späteren, dafür höheren Erfolg konzentrierten. Sie wählten zum Beispiel eher eine Belohnung von rund 30 Franken, die sie nach 35 Tagen erhalten würden, statt schon am nächsten Tag nur die Hälfte des Geldes zu bekommen. Das Gehirn sendet also sozusagen ein Beherrschungs-Singnal aus, das aber nicht spezifisch ist, sondern für alle möglichen Kontrollen aktiviert wird. Die veröffentlichte Studie kam auch zum Schluss, dass nur schon Gedanken ans Urinieren den selben Effekt haben.

Die Resultate wiedersprechen allerdings früheren Forschungsergebnissen, die besagen, dass Leute, die sich beherrschen müssen, das Gehirn erschöpfen und es für sie deshalb schwieriger ist, andere Dinge zu kontrollieren. Gemäss Tuk könnte der Wiederspruch damit zusammenhängen, dass es sich bei der Blasenkontrolle anders verhält, weil diese grösstenteils unbewusst ablaufe.

(fvo)